"Unglaubliche Geschichte"

Party-Marathon beim ERC Ingolstadt

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Ingolstadts Torschütze Christoph Gawlik liegt nach dem Sieg im Mittelkreis und telefoniert.

Ingolstadt - Der Eishockey-Titel des ERC Ingolstadt ist ein Paradebeispiel für Teamgeist und Charakterstärke. Für die Meister-Helden stand nach dem Coup in Köln noch eine Herausforderung an: ein Party-Marathon.

Nach dem ganz großen Coup dachten Ingolstadts Eishockey-Helden nicht im Traum ans Ausruhen - der Party-Marathon soll der sportlichen Ausnahmeleistung in nichts nachstehen. Rücksicht auf Verluste kennt man in Oberbayern nicht: Der Meisterpokal hatte schon am Tag nach dem Finalerfolg in Köln einiges abbekommen. „Ich glaube, jetzt sieht er noch gut aus. Wenn man den Pokal am Samstag sieht - ich weiß ja nicht“, kündigte Abwehr-Ass Patrick Köppchen laut „Donaukurier“ an. Ein Autokorso und eine Feier auf dem Rathausbalkon vor 5000 Fans sollen am Samstag eine beispiellose Underdog-Story krönen, mit der der ERC Ingolstadt das deutsche Eishockey verblüffte.

„Das ist eine unglaubliche Geschichte. Die hätte kein Stephen King oder Steven Spielberg besser schreiben können, so wie die Saison gelaufen ist“, sagte der zum besten Playoff-Spieler gekürte Köppchen. Mit dem 2:0 im siebten und entscheidenden Finalspiel bei den favorisierten Kölner Haien feierte der ERC am Dienstagabend den ersten Meistertitel in der 50-jährigen Clubhistorie.

Und das will ordentlich begossen werden: Für einige Spieler war nach einer wilden Sause in der Nacht noch am Mittwochnachmittag an Schlaf nicht zu denken. Bei einem Friseur wurden erstmal die Playoff-Bärte gestutzt, wie der „Donaukurier“ am Donnerstag berichtete. Am Samstag wird sich das Team von Chefcoach Niklas Sundblad ins Goldene Buch der Stadt eintragen, auch Ministerpräsident Horst Seehofer - der aus Ingolstadt kommt - ist zu den Feierlichkeiten eingeladen.

Der CSU-Politiker hatte dem ersten bayerischen Meister der Deutschen Eishockey Liga (DEL) seit 14 Jahren am Dienstagabend per Mitteilung gratuliert - da hatte sich die Freude der ERC-Helden gerade in einem wilden Kufen-Tanz auf dem Kölner Eis entladen. Handschuhe, Stöcke und Helme waren bereits beim Countdown der in die Domstadt mitgereisten Ingolstädter Fans im hohen Bogen in die Luft geflogen.

Köln war die letzte Station auf dem Triumphzug der Ingolstädter durch die deutschen Eishockey-Hochburgen. Vorjahresmeister Berlin, Ex-Champion Krefeld und der Vorrundenmeister Hamburg - sie alle waren bereits vor den Haien Opfer der Ingolstädter „Panther“. Dabei musste der ERC über nicht weniger als 21 Playoff-Spiele gehen - ein Topwert.

„Das ist unreal, traumhaft, unfassbar. Keiner hat aufgegeben, jeder hat an den anderen geglaubt. Deswegen liebe ich diesen Sport, weil man als Team Talent besiegen kann. Ich glaube, das dauert auch noch ein wenig, bis das in den Köpfen ist“, sagte Köppchen, der mit 33 Jahren vor einem Comeback in der Nationalmannschaft bei der WM in Minsk steht. Am Montag erwartet Bundestrainer Pat Cortina die Spieler der Finalisten. Wen er nominieren wird, ist noch nicht sicher. Auf jeden Fall dabei sein wird aber sein Co-Trainer Sundblad, der im ersten Jahr als Chefcoach beim ERC etwas Einmaliges vollbrachte.

Und das nach einer Katastrophen-Hinrunde, in der der gut bestückte Kader - mal wieder - den hohen Erwartungen nicht gerecht zu werden schien. Ingolstadt rettete sich als Neunter in die Vorplayoffs und startete das Eis-Märchen. „Wir sind durch so viel Scheiße gegangen“, bemerkte Patrick Hager im Überschwang drastisch. „Im Januar wollten viele von uns schon ihre Koffer packen. Da haben wir zusammen gefeiert, obwohl es nichts zu feiern gab. Das hat uns zusammen geschweißt“, meinte der überragende Keeper Timo Pielmeier.

Sundblad bekam schon auf dem Eis von Köln die erste Sektdusche, die bereitgestellten Bierkästen wurden in Windeseile geleert, bevor Captain Tyler John Bouck aus den Händen von DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke im goldenen Konfettiregen den Pokal entgegen nahm.

„Das ist ein unglaubliches Gefühl. Das muss man einfach genießen. Ich bin einmal Meister als Spieler und nun einmal als Trainer in 25 Jahren Profi-Eishockey. Das passiert nicht so oft“, sagte Sundblad, der bei der Kölner Final-Niederlage im vergangenen Jahr gegen die Eisbären Berlin noch Co-Trainer von Uwe Krupp und bei der letzten Kölner Meisterschaft 2002 als Spieler dabei war. Der Schwede stand in Ingolstadt während der problematisch verlaufenen Vorrunde schon vor dem Aus, seine Zukunft ist noch ungewiss. „Momentan habe ich keinen Vertrag. Ich würde gerne bleiben“, sagte Sundblad.

Bei der Rückkehr auf dem Flughafen Manching gegen 2.00 Uhr am frühen Mittwochmorgen wurde das Team von rund 250 Fans begeistert empfangen. Von dort aus ging es in eine Diskothek - und das war erst der Anfang.

dpa

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