Meinungen der Teams aus dem Kreis Inn/Salzach

„Alles andere ist nicht verantwortbar“: Regionale Vereine plädieren für Saisonabbruch

Hans Kroneck, Sportlicher Leiter des TSV 1860 Rosenheim.
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Plädiert klar für einen Abbruch der Saison: Rosenheims Sportlicher Leiter Hansjörg Kroneck.

Kreis Inn/Salzach - Seit mehr als fünf Monaten ruht der Ball im bayerischen Amateurfußball, ob die Pandemie-Saison 2019/21 noch fertig gespielt werden kann, ist angesichts der Infektionszahlen mehr als fraglich. Die Verbandsligisten aus dem Kreis Inn-Salzach plädieren mehrheitlich für einen Abbruch.

„Als Fußballspieler will man natürlich immer eine sportliche Entscheidung, also auf dem Platz, aber die Vernunft sagt uns, dass wir die Saison sehr wahrscheinlich nicht zu Ende spielen werden. Bei den aktuellen Corona-Fakten und den Inzidenzwerten in ganz Bayern ist eine Alternative sehr schwer vorstellbar“, sagt Burghausens Sportlicher Leiter Karl-Heinz Fenk. Dessen Rosenheimer Amtskollege Hans Kroneck formuliert es noch schärfer: „Alles andere als ein Saisonabbruch ist nicht verantwortbar. Wir brauchen Planungssicherheit für die Vereine, die Spieler und die Arbeitgeber. In der Regionalliga Bayern sind die meisten Spieler Vertragsamateure und müssen arbeiten. Zum einen ist es nicht möglich die Spieler ständig zu testen und was passiert bei positiven Tests?“ Kroneck glaubt, dass viele Arbeitgeber wenig Verständnis aufbringen werden, sollten sich die Spieler beim Training oder im Wettkampf infizieren und sich dann in Quarantäne begeben müssen: „Die Spieler werden jetzt Woche für Woche hingehalten, das ist unerträglich. Der Verband muss jetzt die Verantwortung übernehmen und darf sie nicht auf die Vereine abwälzen. Aus meiner Sicht darf es keine Verlierer geben. Auch Schlusslicht Garching könnte ja theoretisch noch den Klassenerhalt schaffen und sollte deswegen bei einem Abbruch nicht absteigen müssen. “

Hanslmaier bringt Play-off-Modus ins Gespräch

Buchbachs Sportlicher Leiter Georg Hanslmaier positioniert sich ebenfalls klar: „Der Verband hat bislang alles richtig gemacht, aber jetzt ist es an der Zeit die Saison abzubrechen und die Quotientenregel zu ziehen. Die Pandemie wird auch im Sommer nicht vorbei sein, deswegen brauchen wir bei einem Start in eine neue Spielzeit mit eventuell 22 Vereinen in der Regionalliga einen anderen Modus.“ Hanslmaier könnte sich da eine zweigeteilte Liga mit zwei Elfer-Gruppen und anschließendem Play-off-Modus vorstellen.

Ampfings Malec: „Es wird keine Gerechtigkeit im Kampf um Ab- und Aufstieg geben“

Auf wenig Verständnis stößt bei den Vereinsverantwortlichen die These, dass jeder Spieltag, der in der aktuellen Saison eventuell noch gespielt werden könnte, mehr Gerechtigkeit schaffen würde. „Das ist doch abenteuerlich. Schon jetzt haben die meisten Mannschaften nur noch wenig mit den Mannschaften zu tun, die im Sommer 2019 gestartet sind. Die Wettbewerbsverzerrung ist längst da“, findet Adrian Malec. Der Sportliche Leiter des TSV Ampfing spricht sich für einen klaren Schnitt aus: „Da muss man schmerzfrei sein. Mannschaften, die im Niemandsland der Tabelle stehen, haben zum Teil große Einsparungen im Kader vorgenommen und werden sich wohl kaum mit letzter Energie ins Zeug werfen. Schon deswegen wird es keine Gerechtigkeit im Kampf um Ab- und Aufstieg geben.“        

Tögings Reichenberger: „Es wäre rein zeitlich schon eine riesige Herausforderung“

Höchst problematisch sind natürlich auch die unterschiedlichen Inzidenzwerte, die zudem ja ständig wechseln können. Vereine aus Landkreisen mit niedriger Inzidenz dürfen ab Anfang Mai womöglich trainieren, andere Vereine höchstwahrschlich nicht – ungleiche Voraussetzungen und ein enormer Unsicherheitsfaktor, der einen Ligabetrieb praktisch unmöglich macht. „Es wäre rein zeitlich schon eine riesige Herausforderung für alle Beteiligten, ganz zu schweigen von den hygienischen Anforderungen“, findet Fenk keine Möglichkeit mehr für eine Saisonfortsetzung. Zudem stößt der mögliche Zeitplan mit drei Wochen Vorbereitung auf eine Restsaison auf breite Ablehnung. „Wir brauchen nach der langen Pause eine ordentliche Vorbereitung, die in der kurzen Zeit nie zu schaffen ist. Wenn man nach drei Wochen wieder spielen würde, wäre das Verletzungsrisiko riesengroß und hätte bei größeren Verletzungen enorme Auswirkungen auf die nächste Saison“, gibt Tögings Trainer Mario Reichenberger zu bedenken und erklärt: „Das macht doch alles keinen Sinn, das jetzt auf Biegen und Brechen durchzuziehen. Man sollte sich lieber auf die neue Saison fokussieren, das wird ja ohnehin schwierig genug.“ Auch Hanslmaier sieht keine Möglichkeit einer „vernünftigen Trainingssteuerung“ und stellt die Verantwortung der Vereine für die Gesundheit der Spieler heraus: „Das ist beim besten Willen nicht mehr machbar.“  

Peter Mallmann vom SB Chiemgau Traunstein sieht eine Saisonfortsetzung ebenfalls sehr kritisch: „Wenn man mit dem Training nicht so anfangen kann, dass man die Saison vernünftig zu Ende spielen kann, muss man auf Wiederschauen sagen. Da sind wir uns in der Landesliga Südost überwiegend einig.“ Noch mehr als bei den Erwachsenen schmerzt Mallmann allerdings die Situation im Jugendbereich: „Am schlimmsten ist es für die Kinder, dass sie nicht trainieren können. Das ist echt dramatisch.“

MB

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