SV Türkgücü-Ataspor - FC Töging 5:0

Töging kassiert derbe Packung bei Türkgücü!

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Dem Angriffswirbel der rotgewandeten Münchner Türken hatten die Gelb-Blauen vom FC Töging am Ende auch mit vereinten Kräften nichts entgegenzusetzen.
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München - Nach einer ordentlichen ersten Halbzeit beim SV Türkgücü-Ataspor bricht der FC Töging, der seinerseits die Chance gehabt hatte, in Führung zu gehen, im zweiten Durchgang ein und muss am Ende eine heftige Klatsche einstecken. Die Münchner Türken untermauern eindrucksvoll, warum ihr Team stärker ist als der Tabellenplatz aussagt. Für die Elf vom Wasserschloss wird der Blick auf das Tableau während der Winterpause wieder ungemütlich.

von der Heinrich-Wieland-Straße berichtet Christian Schulz

Eine schwerer Auswärtsgang stand für die Mannen des FC Töging an diesem ersten Advent an. Nach der 0:4 Heimpleite gegen den VfB Halbbergmoos hätte man sich am Wasserschloss vielleicht einen beschaulicheren Jahresausklang gewünscht, als ausgerechnet ein Spiel bei den spielstarken Münchner Türken vom SV Türkgücü-Ataspor. Das noch dazu aufgrund der Witterungsbedingungen auf Kunstrasen ausgetragen wurde – ein Geläuf auf dem die Töginger, mangels eines solchen Platzes in der Innstadt, nicht trainieren können.

Doch für Klaus Maier, den Abteilungsleiter der Töginger zählte dies nicht als mögliche Ausrede – der FCT wollte unbedingt punkten, um den Anschluss ans Mittelfeld der Landesligatabelle zu halten und nicht wieder unten hinein zu rutschen. Trotzdem wären die Gäste hier angesichts der vielen zu bewältigenden Schwierigkeiten in der bisherigen Runde und des hoch bewerteten Gegenübers wohl mit einem Punkt im letzten Spiel vor der Winterpause sehr zufrieden gewesen.

Töging will mit Punkten in die Winterpause - flotte erste Halbzeit

In der ersten Halbzeit sahen die rund 100 Zuschauer an der Münchner Heinrich-Wieland-Straße ein flottes Spiel auf sehr ordentlichem Landesliganiveau, in welchem es hin und her ging. Es war eine Partie mehr oder weniger auf Augenhöhe, in welcher sich die Töginger keineswegs versteckten, sondern immer wieder auch eigene Akzente setzten. Zwar verfügten die Hausherren über etwas mehr Ballbesitz und zeigten die technisch gefälligere und reifere Spielanlage – aber die Elf von FCT-Coach Andreas Bichlmaier hielt jederzeit gut dagegen, war griffig und bissig in den Zweikämpfen und gut im Spiel.

Service:

Nach gut einer Viertelstunde wurde es dann erstmals gefährlich für das Gehäuse des FCT: Türkgücüs wieselflinker linker Flügelstürmer Cengiz Ötkün flankte, nachdem er die Abwehr überlaufen hatte, von linksaußen scharf herein - und in der Mitte vergab Jerone Gonzalez Duran am Fünfer die Riesen-Einschussmöglichkeit gegen den stark parierenden Gästekeeper Ramon König! Dieser hatte allerdings Glück, dass Gonzalez Durans Abstauberversuch im Fallen über das Tor sprang.

Es geht hin und her - FCT hat zweimal die Führung auf dem Fuß!

Fast im direkten Gegenzug hätten auch die Töginger in Führung gehen können: Nach einer Flanke von Markus Bley, ebenfalls von links, nahm Tim Bauerschuster das Leder am langen Fünfereck volley – scheiterte jedoch am ebenso glänzend reagierenden Heimtorhüter Alexander Heep (17.)!

Und die Töginger, die jetzt Lunte gerochen hatten, legten nach: Prima Ball von FCT-Mittelfeldakteur Samed Bahar aus dem rechten Halbfeld maßgenau durch die Schnittstelle der zurücklaufenden Türkgücü-Abwehr – doch im zentralen Strafraum bekam der hineingesprintete Bley nur noch die Fußspitze an den Ball und vergab die große Möglichkeit zum 0:1 (25.)! Pech für die Gäste, die sich hier offensichtlich etwas zutrauten.

Klares Foul, kein Elfmeter - viel Glück für Töging

In der 39. Minute hatten die Töginger jedoch auch Glück – und zwar nicht zu knapp: Wieder war es der pfeilschnelle Türkgücü-Wirbler Ötkün, der sich über links im Dribbling unnachahmlich durchsetzte und, bereits in den Strafraum eingedrungen, mit einem klasse Trick an seinem Gegenspieler Timm Schwedes vorbei gewesen wäre – von diesem allerdings regelwidrig zu Fall gebracht wurde. Doch die Pfeife von Schiedsrichter Andreas Weichert blieb nicht nur stumm, er pfiff zur Überraschung aller sogar Freistoß für die Gäste. Diese Meinung hatte er wohl exklusiv. Kollektives Aufatmen auf der FCT-Bank.

Türkgücü-Ataspor - FC Töging

Insgesamt war das hier weiter ein ausgeglichenes Ding, welches in aller Richtungen offen erschien. Es deutete sich an, dass sich eventuell bewahrheiten könnte, dass in dieser Landesliga oft nur Nuancen entscheiden, in wessen Richtung das Pendel am Ende ausschlägt. Türkgücü hatte zwar ein minimales Chancenplus – dies allerdings hauptsächlich durch mehrere gute Distanzschussversuche, welche vom aufmerksamen König im Tor der Innstädter aber allesamt zunichte gemacht wurden.

Kurz vor der Pause netzt Türkgücüs Ötkün traumhaft ein!

Als sich die Meisten schon auf ein torloses Unentschieden zur Halbzeit eingerichtet hatten, fiel dann doch noch ein Treffer. Den Hausherren gelang nach einer tollen und technisch brillanten Kombination vor dem Sechzehner die Führung. Das finale Anspiel in den Strafraum fand halblinks Ötkün, den die Töginger Abwehr angesichts seiner immensen Qualitäten bis dahin weitestgehend gut im Zaum gehalten hatte, und der zeigte sich ebenso abgezockt wie treffsicher: Nach einem feinen Haken nach innen schlenzte er den Ball aus etwa dreizehn Metern unhaltbar für König in den rechten Winkel (44.)!

Mit diesem Rückschlag für den FC Töging und dem knappen Vorsprung für die Gastgeber aus München ging es dann in die Kabinen. Hatten die selbstbewussten Gäste bis hierhin gut mitgehalten und ein enges Spiel geliefert, sollte sich die in der zweiten Halbzeit dramatisch ändern.

Ganz andere zweite Halbzeit - Klassenunterschied wird deutlich

Türkgücü hatte sich offensichtlich dazu entschlossen noch eine Schippe drauf zu legen. Die Türken jetzt klar stärker als im ersten Durchgang, mit schnellerem Passspiel und noch mehr Ballbesitzfußball, legten sich ihren Gegner jetzt peu a peu zurecht. Dadurch ergaben sich schnell klare Feldvorteile für die Heimelf, welche sich auch in guten Torchancen ausdrückten.

Den Tögingern hingegen gelang kaum noch Entlastung. Sie konnten nicht nur das angezogene Spiellevel der Hausherren nicht mehr mitgehen – irgendwie hatten sie allem Anschein nach auch die defensive Linie in der Kabine liegen lassen. Töging fand einfach nicht mehr richtig ins Spiel zurück. Mindestens in dem Maße, in welchem die Türken hier aufdrehten, baute die Truppe vom Wasserschloss ab. Die Abwehrfehler mehrten sich, das Verschieben war immer öfter lückenhaft oder zu langsam – und so schien ein weiterer Treffer für die Münchner eine Frage der Zeit.

Yontar und Vatany entscheiden das Spiel für die Hausherren

Es dauerte bis zur 58. Minute, dann klingelte es erneut im Kasten des FCT: Türkgücüs Osman Yontar, der klug in Szene gesetzt worden war, fasste sich ein Herz, zog vom rechten Flügel in Robben-Manier nach innen - und schlenzte das Leder von der Strafraumkante wunderschön und unhaltbar ins lange Eck! Das zweite Traumtor – und es stand 2:0 für die Gastgeber.

Zehn Minuten später fiel dann bereits die Vorentscheidung gegen die Töginger, die hier einfach nicht mehr länger mithalten konnten und auch zunehmend Standards gegen sich produzierten. Dies allerdings etwas unnötiger Weise: Türkgücü-Kapitän Dennis Vatany setzte einen direkten Freistoß aus etwa 26 Metern halbrechter Position zielsicher in den linken Winkel (68.)! Dass er sich allerdings die Torwartecke ausgesucht hatte, lag daran, dass sich König ob der etwas weiteren Torentfernung zu weit mittig im Kasten postiert hatte. Bitter, dass das Spiel so endgültig gegen die Töginger - aber einer der ganz wenigen Fehler des jungen Schlussmanns.

Türkgücü spielt auf - Töging um Schadensbegrenzung bemüht

Türkgücü ließ in der Folge weitere zum Teil sehenswert herausgespielte Möglichkeiten ungenutzt und die Töginger konnten froh sein, dass das Ergebnis nicht bereits jetzt deutlicher ausfiel. Eine der besten Gelegenheiten die Führung der Hausherren weiter auszubauen hatte wiederum der unermüdliche Ötkün: Bei einem tollen Angriff der Türken durchs Zentrum zeigte sich ihre ganze spielerische Klasse. Vatany ließ einen Verteidiger aussteigen, schuf damit eine 4:3 Überzahl und passte den Ball herrlich in den Lauf von Ötkün, der halblinks durchgestartet war – allerdings im Sechzehner aus acht Metern am rechten unteren Eck vorbeizielte (78.).

Den Tögingern, die in der Schlussphase regelrecht in sich zusammenfielen, gelang es einfach nicht mehr, sich gegen weiteres Unheil zu stemmen und den Gastgebern die Lust am Spiel zu nehmen, die sie jetzt nach Lust und Laune auslebten. Nicht einmal das Minimalziel, irgendwie ohne noch gröberen Schaden aus der Partie heraus zu kommen, konnte erreicht werden:

In der Schlussphase wird klare Niederlage zur Packung

Erst erzielten die Münchner Türken bei einer ihrer zahlreichen Gelegenheiten ein Abseitstor, dann gelangen ihnen noch zwei weitere mit spielerischer Leichtigkeit vorbereitete Treffer, die zählten: Erst wurde Domagoj Habek klasse halblinks im Strafraum freigespielt und vollendete wuchtig und trocken zum 4:0 ins kurze Eck (86.). Dann setzte Sturmtank Valonis Kadrijaj ebenso humorlos nach feiner Hereingabe aus kurzer Distanz den 5:0 Schlusspunkt gegen eine nun endgültig überforderte Töginger Defensive, die nur mehr den Schlusspfiff herbeisehnte (89).

Der kam dann auch pünktlich und ein Spiel mit zwei durchaus unterschiedlichen Halbzeiten war zu Ende. Noch zur Pause hätten wohl nur wenige auf einen derart eklatanten Kantersieg des SV Türkgücü-Ataspor gewettet. Denn bis dahin waren die Töginger eigentlich gut im Spiel. Doch in der zweiten Hälfte drehten die Gastgeber auf und die Gäste brachen auseinander. Aufgrund der überdeutlichen Überlegenheit der Hausherren im zweiten Durchgang geht das Ergebnis letzten Endes auch in dieser Höhe in Ordnung. Die Töginger schafften es nach Wiederanpfiff einfach nicht mehr mitzuhalten und Türkgücü konnte so sein zweifelsohne vorhandenes spielerisches Potential souverän ausspielen.

Unterschiedliche Aussichten in der Tabelle

Türkgücü müsste mit dieser Mannschaft eigentlich viel weiter oben im Landesliga-Tableau angesiedelt sein. Doch die zu diesem Zeitpunkt noch nicht eingespielte Mannschaft hat eben den Saisonstart verpatzt. Nunmehr sind sie allerdings seit sieben Spielen ungeschlagen – konnten gar sechs davon gewinnen. Eine mehr als starke Serie. Der Trainerwechsel zu Ex-Erdinger Rainer Elfinger scheint gefruchtet zu haben. Mit Türkgücü ist in jedem Fall zu rechnen.

Für den FC Töging sieht es nun wieder bedrohlicher aus in der Tabelle. Zwei herbe Schlappen in Folge – 0:4 gegen Hallbergmoos, gar 0:5 hier in München – und man ist eben doch wieder unten hinein gerutscht. Nur noch drei Zähler beträgt der Vorsprung auf den ersten Abstiegs-Relegationsplatz und damit Aufsteiger ESV Freilassing der an diesem Wochenende seinerseits hoch gewinnen konnte.

Ein ruhiger und besinnlicher Advent schaut wahrscheinlich anders aus, als der am Wasserschloss. Andererseits haben sie gerade da in der jüngeren Vergangenheit gelernt, auch mit solchen Situationen mit einer gewissen Portion Gelassenheit umzugehen. Wenn man etwas Positives daraus ziehen will: an Motivation die Winter-Vorbereitung und den Kampf um den Klassenerhalt im Frühjahr anzugehen, dürfte es jetzt nicht mangeln.

Quelle: rosenheim24.de

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