Thomas Deißenböck geht zum Lokalrivalen

Transfer-Hammer: Tögings Ex-Kapitän wechselt nach Erlbach!

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Thomas Deißenböck, hier noch im Trikot und mit der Kapitänsbinde des FC Töging, wird zukünftig im Rot des Lokalrivalen SV Erlbach auflaufen.

Erlbach - Wie der SV Erlbach am Mittwoch bekanntgab, schließt sich der 24-jährige Mittelfeldspieler Thomas Deißenböck vom Ligakonkurrenten und Lokalrivalen FC Töging mit sofortiger Wirkung dem Landesligisten aus dem Holzland an. Ein pikanter Wechsel ist das auf jeden Fall - schließlich liefern sich Töginger und Erlbacher nicht nur regelmäßig hitzige Derby-Duelle, sondern kämpfen auch beide um den Klassenerhalt und sind derzeit punktgleich. Da er aufgrund einer längeren Verletzungspause in Töging seit Mitte Oktober nicht mehr gespielt hatte, ist Deißenböck ab dem Osterwochenende für den SVE spielberechtigt.

Im Winter der Saison 2014/15 war Deißenböck nach internen Querelen mit der Vereinsführung der Schweppermänner vom TSV Ampfing nach Töging zurückgekehrt. Dort hatte er im Frühjahr 2012 als damals 19-Jähriger schon einmal ein halbes Jahr in der Bezirksliga gespielt, ehe er zu den Ampfingern wechselte, die damals noch in der Landesliga spielten.


Nach der Rückkehr aus Ampfing 53 Spiele in zwei Jahren

In seinen ziemlich exakt zwei Jahren am Wasserschloss, in denen er zwischenzeitlich auch zum Kapitän avancierte, machte Deißenböck insgesamt 53 Spiele im Dress des FCT. Das letzte am 14. Oktober des vergangenen Jahres gegen den SB Chiemgau. Bei der 0:1 Niederlage in Traunstein wurde er zwar lediglich fünf Minuten vor Ende eingewechselt, von seinen fünfzehn Einsätzen für die Töginger in der Herbstrunde absolvierte er aber dreizehn über die kompletten 90 Minuten.

Dann setzte ihn ein Syndesmosebandriss außer Gefecht. Deißenböck musste operiert werden, fiel längere Zeit aus. In diesem Zeitraum gab er auch freiwillig die Kapitänsbinde ab um sich voll auf sich und darauf wieder fit zu werden konzentrieren zu können. Aus dieser Verletzungspause kehrte er so schnell nicht zurück - zumindest nicht in den Kader der Töginger.


Nach Verletzungspause kommt Deißenböck nicht mehr zum Zug

Aufgrund seiner Auszeit und des damit verbundenen Trainingsrückstandes nominierte ihn FCT-Coach Andreas Bichlmaier, der in der momentanen Lage der Töginger auf persönliche Befindlichkeiten keine Rücksicht nehmen kann, in den beiden bisherigen Landesligapartien nach dem Winter nicht für den Kader. Für Deißenböck - der längere Zeit nicht gespielt hatte, zuvor aber Kapitän war - wohl zu viel des Guten. Der Ex-Spielführer sah sich wohl schon weiter, war mit der Rolle, die er mittlerweile im Team spielte, unzufrieden - und entschloss sich offenbar daher jetzt zur Flucht nach vorn.

Eingefädelt hat den Deal Erlbachs Teammanager Ralf Peiß, der sich mit Hermann Speckmaier die Abteilungsleitung der SVE-Fußballer teilt. Peiß arbeitet in Töging und hatte Wind von der Unzufriedenheit Deißenböcks mit seiner Situation am Wasserschloss bekommen. Daraufhin erfolgte die Kontaktaufnahme - dann ging alles ganz schnell: Eine Woche intensiver Gespräche und Bedenkzeit - am Dienstag erfolgte die endgültige Zusage.

"Ich habe von Thomas' Unverständnis für seine Lage in Töging erfahren. Immerhin war er dort ja zuvor Kapitän, hat auch diese Saison bis zu seiner Verletzung viele Spiele von Anfang an absolviert. Dass er sich jetzt so auf dem Abstellgleis gewähnt hat, hat ihm wohl sehr missfallen. Dann hab ich mich einfach mal erkundigt. Auf dem Schirm hatten wir einen wie ihn natürlich schon lange - ich komm ja auch rum, sehe viele Spiele, da fällt einem so einer schon auf. Er hat ja auch teilweise richtig gute Spiele für den FCT gemacht. Und bewiesen, dass er Landesliga auf gutem Niveau spielen kann.", sagt Peiß.

Erlbach erfährt von Deißenböcks Unzufriedenheit - und handelt schnell

"Er ist laut eigener Aussage schmerzfrei, kann wieder voll trainieren. Natürlich hat er einigen Rückstand - aber dass er dann als ehemaliger Leistungsträger nicht einmal mehr im Kader stand, das konnte er einfach gar nicht verstehen. Für uns war es die Gelegenheit ihm eine Alternative anzubieten. Sofort - nicht erst im Sommer. Wir haben auf seiner Position so unsere Defizite - von daher sehen wir ihn als klare Verstärkung. Vielleicht schon ab Ostern - spätestens aber in der neuen Saison. Wir sehen das natürlich eindeutig auch mit Perspektive für die Zukunft. Jetzt soll er erst einmal bis April seinen Trainingsrückstand aufholen - unser Co-Trainer Hans Grabmeier wird sich mit individuellem Sondertraining um ihn kümmern, ihn auf einen ordentlichen Fitnesszustand bringen - und dann wird Thomas uns mit Sicherheit weiterhelfen. Vielleicht ja sogar noch im wichtigen Saisonfinish.", führt Peiß weiter aus.

Zur Besonderheit eines Wechsel vom Rivalen Töging ins Holzland sagt der SVE-Teammanager: "Dass er jetzt gerade aus Töging kommt, ist natürlich brisant - neben der geographischen Nähe muss man ja nur auf die Tabelle schauen - spielt für uns aber eigentlich keine Rolle. Wir schauen nur auf uns, müssen und werden die Klasse halten - und hatten hier eben die Möglichkeit uns gezielt zu verstärken und einen sehr guten Spieler zu bekommen, der sich woanders nicht mehr wohlfühlt. Und uns hoffentlich voran bringt - wobei ich da wenig Zweifel habe, schließlich war Thomas ja nicht umsonst auch in Töging Führungsspieler. Es ist - und das ist mir ganz wichtig zu betonen - keinesfalls so, dass wir Töging oder irgendein anderes Team, welches mit uns im Abstiegskampf steckt, absichtlich schwächen wollen."

Tögings Abteilungsleiter Maier reagiert gelassen

Tögings starker Mann, Abteilungsleiter und Fußball-Boss Klaus Maier, kommentiert den Fakt, dass Deißenböck jetzt den Verein verlässt, gelassen: "Er hatte eben diese längere Verletzungspause - und war dann aufgrund des Trainingsrückstandes einfach noch nicht soweit. Deshalb hat in Andi Bichlmaier auch nicht aufgestellt - weil es in unserer derzeitigen Situation noch nicht reicht für die Landesliga. Thomas hat doch seit gut fünf Monaten nicht mehr gespielt. Offenbar haben bei ihm jetzt Unzufriedenheit und Ungeduld überwogen. Wir sind jetzt auch nicht allzu traurig - im Sommer hätten sich die Wege ohnehin getrennt, da bereits besprochen wurde, dass wir seinen Vertrag nicht verlängert hätten. Aber klar hätten wir gerne gesehen, wenn er die Saison hier noch zu Ende gebracht hätte."

Auch die Tatsache, dass der ehemalige Kapitän der Töginger ausgerechnet zum SV Erlbach geht, bringt Maier nicht aus der Ruhe: "Dass er jetzt die FCT-Fahne abgibt und sich dem Lokalrivalen Erlbach anschließt? Mei - wie sagt man so schön: Spieler kommen und Spieler gehen. Die einen wechseln öfter, die anderen weniger oft. Die Tabellensituation und die Tatsache, dass wir mit Erlbach um den Klassenerhalt konkurrieren spielt dabei für mich keine so große Rolle. Zum einen weil ich glaube, dass der SVE an sich schon eine so starke Truppe beieinander hat, dass es locker dafür reicht in der Landesliga zu bleiben, wenn alles normal läuft. Zum anderen weil ich nicht weiß, ob Thomas angesichts dessen den Erlbachern im Moment beziehungsweise ab Ostern mit Fitnessrückstand und fehlender Spielpraxis sofort so sehr weiterhilft."

Sportliches Aufeinandertreffen frühestens in nächster Saison

Mit einem öffentlichen Nachkarten von Seiten der Töginger muss Deißenböck jedenfalls nicht rechnen: "Wie gesagt - es muss jeder selber wissen wo er sein Glück sucht. Normalerweise und fit ist Thomas ein guter Landesligaspieler, keine Frage. Ich hoffe für ihn, dass er für sich die richtige Entscheidung getroffen hat. Persönlich wünschen wir ihm jedenfalls alles Gute!", so der Macher der Töginger.

Ein Aufeinandertreffen auf dem Platz mit Deißenböck wird es frühestens in der nächsten Saison geben - denn in dieser Spielzeit sind beide Duelle schon ausgefochten: Das Derby in Erlbach gewann der SVE mit 3:0, zu Beginn der Rückrunde revanchierte sich der FCT mit einem 1:0 Heimsieg.

Quelle: rosenheim24.de




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