Vorschau aufs Frühjahr: TSV Kastl

Kann Kastl die Welle weiter reiten?

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Erfolgscoach Sven Vetter (Mitte) schwört sein Team auf den Beginn der Frühjahrsrunde ein - ohne Druck wollen die Kastler so gut abschneiden wie möglich.

Kastl - Was war das nur für ein formidables Jahr 2016 für die Fußballer des TSV Kastl? Eine überragende Rückrunde in der Bezirksliga gespielt, über eine spektakuläre Relegation in die Landesliga aufgestiegen - und dort spielen die Kastler ohne jede Scheu vor der neuen Spielklasse von Beginn an eine geradezu sensationelle Rolle. Wir blicken zurück, fassen zusammen was sich im Winter getan hat und wagen einen Ausblick auf die kommende Frühjahrsrunde.

Nachdem im letzten Relegationsspiel beim FC Erding tatsächlich der erträumte Landesliga-Aufstieg geschafft und vom zahlreich mitgereisten Kastler Anhang überschwänglich bejubelt wurde, war eines klar: Es wartete nach dem durch die Relegationsspiele verlängerten Spieljahr nur eine äußerst kurze "Sommerpause" - und dafür jede Menge neue Aufgaben und Herausforderungen in der klassenhöheren Liga. Und eines genauso: Die Kastler wollten "das Abenteuer annehmen und kämpfen!".


Aufstieg, kaum Pause, sensationeller Saisonstart

Sie machten aus der Not eine Tugend, pausierten tatsächlich auch angesichts der spärlich gegebenen Zeit nur äußerst kurz - und nahmen die Euphorie der letzten irren Monate einfach mit in die neue Spielklasse. Dass ihnen dies derart eindrucksvoll gelingen würde, dürfte vorher kaum einer für möglich gehalten haben. Sie selber nicht - und auch so gut wie kein Außenstehender. Nicht generell - und erst recht nicht so. Die Kastler spielten nicht wie so mancher Aufsteiger üblicherweise erst einmal nur gegen den Abstieg. Beziehungsweise taten sie dies aus ihrer Perspektive - aber eben lieber von der Tabellenspitze. Man kann mit Fug und Recht sagen: Der freche und unbekümmerte Neuling schlug in dieser Landesliga ein wie eine Bombe!

Sein eigentliches Ziel Klassenerhalt hat der TSV schon in der Tasche. Das Dorf mit knapp 3.000 Einwohnern grüßt nach Beendigung der Spiele im Herbst von Rang Drei des Landesliga-Tableaus. 34 Punkte wurden schon geholt in den 17 ausgetragenen Begegnungen. Lange Zeit führten die Kastler Gallier das Feld so gar an. Und die Etablierten der Landesliga rieben sich erst verwundert die Augen, was für ein Neuzugang ihnen da zugelaufen war - und traten nach kürzester Zeit mit jeder Menge Respekt gegen das kleine Kastl an.


Gallier brechen einfach nicht ein

Genutzt hat ihnen das nicht immer etwas: Schon der Start in die neue Liga hätte besser nicht laufen können 4:2 Auftaktsieg in Eching, dann wurde zuhause der SE Freising abserviert und gleich mal das Derby beim Rivalen in Töging gewonnen - fünf Siege in Serie, Tabellenführung. Ein Wahnsinn! Und der hörte nicht auf. Das von Erfolgstrainer Sven Vetter (44) hervorragend eingestellte und vor allem weiterentwickelte Team, in dem vor allem die Kompaktheit für einen Aufsteiger überraschte, blieb unglaubliche 16 Spiele in Folge ungeschlagen. Wohlgemerkt die ersten 16 Landesligaspiele der Vereinsgeschichte. Gleich neun Siege sprangen dabei heraus. Die Bilanz einer Mannschaft, die um den Aufstieg in die Bayernliga mitspielt. Woche für Woche wartete die Konkurrenz auf ein Einbrechen der Kastler - doch das kam einfach nicht.

Erst im allerletzten Spiel vor Unterbrechung der Saison im Winter mussten die Kastler als Verlierer vom Platz gehen. Am 26. November unterlagen sie im Spitzenspiel der Landesliga zuhause gegen einen der Aufstiegsfavoriten TuS Holzkirchen knapp mit 0:1. Das Hinspiel gegen eben jenen Gegner hatten sie auf dessen Platz klar mit 3:0 gewonnen, den TuS vom Platz gefegt.

Auch Kastls Akku neigt sich irgendwann dem Ende

Dennoch war dann in diesen letzten Spielen des Jahres erkennbar, das auch die schier unerschöpflichen Gallier dem wahnsinnigen Pensum, welches sie hatten ableisten müssen, irgendwann auch einmal Tribut zollen mussten. Auch der stärkste Kämpfer kommt eben irgendwann auf dem Zahnfleisch daher. Die Kräfte schwanden - sie siegten oft in der bisherigen Runde, aber in den letzten drei Spielen vor der Winterpause konnten sie über die erste Saisonniederlage hinaus auch kein Spiel mehr gewinnen. Verdenken mochte es den Kickern unter den Kastler Anhängern niemand. Platz Drei in der Landesliga ist eine Sensation - eigentlich mehr als das.

Dass sie in Kastl keine unendlichen Kraftreserven aufzuweisen hatten, liegt natürlich auch daran, dass der TSV als Aufsteiger, der mit kleinen Brötchen großes bäckt, keinen Mega-Kader aufweisen kann. Munteres Rotieren ohne Leistungsabfall ist da schlichtweg nicht möglich. So nennt Trainer Vetter nur einen kompakten Kader sein eigen - auf den er sich aber verlassen kann. Ein Stamm von 14 Akteuren absolvierte den Großteil der Partien, sechs Kicker standen gar in jedem Spiel auf dem Platz.

Goalgetter Langenecker - Kastler Anhang 12. Mann

Top-Torschütze der Kastler ist Angreifer Michael Langenecker (25) mit sechs Treffern, gefolgt von Dominik Grothe (23) mit fünf, der auch der Assistkönig des TSV ist und fünf weitere Tore vorbereitete, und Youngster Timo "Laser" Pagler (20) mit vier Treffern. Pagler wurde im Verlauf der bisherigen Runde langsam herangeführt und oft eingewechselt, netzte beim Favoriten Holzkirchen, wo er von Anfang an auflief aber gleich dreimal.

Auch was die Zuschauerzahlen angeht, rangieren die Kastler trotz der begrenzten Größe ihrer Gemeinde weit vorne in der Landesliga. 250 Zuschauer kamen bisher im Schnitt zu den Heimpartien der Mannschaft von Kapitän Martin Göppinger (25), zu besonderen Spielen bei gutem Wetter tummeln sich auch gerne mal über 300 Menschen auf der Sportanlage des TSV. Auch auswärts wird das Team regelmäßig zahlreich und lautstark vertreten - ein Fakt, der nicht nur den großen Zusammenhalt im Ort und rund um den Verein symbolisiert, sondern sicherlich auch seinen Teil zum erfolgreichen Abschneiden beiträgt. Eine Tatsache, die immer wieder auch Spieler, Trainer und Betreuer des TSV Kastl betonen.

In der Winterpause schnitten die Kastl auch dieses Jahr wieder gut in der Halle ab. So konnten sie erneut die im Futsal ausgetragene offizielle Kreismeisterschaft des BFV im Spielkreis Inn/Salzach erringen. Bei dem Turnier in Traunreut setzten sie sich im Endspiel gegen den TV 1864 Altötting durch und qualifizierten sich wie ihr unterlegener Nachbar für die Oberbayerische Hallen-Meisterschaft in Manching bei Ingolstadt. Auch bei diesem Indoor-Event präsentierte sich der Landesligist stark und scheiterte erst im 9-Meter-Schießen im Halbfinale.

Torhüter Weber geht im Sommer - Coach Vetter bleibt ein Kastler!

Einziger Winterneuzugang ist Torhüter Anton Schreiber (25), der vom FC Töging kam und dort in den vergangenen Jahren hauptsächlich in der Zweiten Mannschaft in der Kreisliga zum Zuge kam. Er soll den Kader auf der Position des Schlussmanns erweitern. Dort wird im kommenden Sommer eine gewaltige Lücke entstehen - denn Leistungsträger und Rückhalt Egon Weber (26) wird den TSV Kastl verlassen. Obwohl er sich durch und durch mit dem TSV identifiziert, wie er auch in einem Exklusiv-Interview mit dem Beinschuss kundtat, packt ihn doch noch einmal der Reiz es noch einmal höherklassig zu versuchen, zu schauen wie weit er es noch bringen kann. Regionalliga heißt der Reiz in diesem Fall. Weber schließt sich dem TSV Buchbach an - wir berichteten.

Ein ganz wichtiger Mosaikstein des erreichten Erfolgs wird den Kastlern aber erhalten bleiben. Coach Seven Vetter und der Verein haben unlängst Nägel mit Köpfen gemacht und den zum Saisonende auslaufenden Vertrag des Übungsleiters um ein weiteres Jahr verlängert. Ein logischer Schritt - für beide Seiten. Auch wenn der Trainer ob des Begehrlichkeiten schaffenden Erfolgs natürlich auch andernorts schwer umworben war. Vetter und Kastl - das passt einfach!

Vorbereitungsspiele mit gemischtem Erfolg

In den Testspielen der Frühjahrsvorbereitung lieferte der TSV gemischte Vorstellungen ab. Und erzielte auch genauso gemischte Ergebnisse. Favorit und Regionalligist SV Wacker Burghausen wurde fast besiegt, beim Bayernligisten SV Heimstetten setzte es ausnahmsweise ein Mal eine richtige Klatsche. Danach folgten Erfolge gegen Bezirksligist TSV Dorfen und den starken Kreisligisten TSV Tittmoning.

Ein Rückschluss aus diesen Vorbereitungspartien auf die momentane Leistungsstärke der Kastler scheint schwer möglich - wie auch bei einem Team, das schon zu Saisonbeginn kaum einer richtig einschätzen konnte. Dass die Kastler erneut auf ihre Welle aufspringen und auch in der Restrunde weiterhin vorne mitspielen, scheint allerdings keineswegs ausgeschlossen. Warum auch? Zu stark sind sie bisher aufgetreten, zu gefestigt zeigten sie sich als Mannschaft. Viel wird auf den Beginn ankommen - darauf, wie die Kastler aus den Startlöchern kommen.

Aufgalopp beim SB Rosenheim - dann Heim-Derby gegen Erlbach!

Zum Auftakt wartet schon am Freitag ein Auswärtsspiel beim SB DJK Rosenheim (19:30 Uhr). Keinesfalls eine leichte Aufgabe, weiß man beim abstiegsgefährdeten Sportbund, nach vielen Umbrüchen im Lauf des Winters doch genauso wenig, wie man ihn einzuschätzen hat (unseren Frühjahrscheck zum SBR lest ihr HIER). Nichts desto trotz sind die Kastler - nach dieser Runde - definitiv Favorit in diesem ersten Spiel nach Pause.

Während der Aufsteiger trotz starker Konkurrenz rein theoretisch sogar noch alle Chancen auf den Aufstieg bzw. die Bayernliga-Relegation hat, geht bei den Rosenheimern der Blick in die entgegengesetzte Richtung. Der SB Rosenheim ist momentan Tabellenfünfzehnter und braucht dringend jeden Punkt im Kampf um den Klassenerhalt. Zum ersten Heimspiel erwartet der TSV Kastl dann in der Folgewoche den SV Erlbach zum Derby (Samstag, 11. März, 14:00 Uhr).

Die Testpiele (und unsere Berichte dazu) im Überblick:

SV Wacker Burghausen - TSV Kastl 3:3

SV Heimstetten - TSV Kastl 5:1

TSV Dorfen - TSV Kastl 2:4

TSV Kastl - TSV Tittmoning 5:1

Quelle: rosenheim24.de




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