SB DJK Rosenheim - TSV Kastl 3:3

3:3! SB Rosenheim und Kastl mit wildem Unentschieden!

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Im Spiel zwischen dem SBR und dem TSV Kastl ging es ordentlich zur Sache. Hier warten Kastls Torschütze zum Führungstreffer Timo Pagler (l.) und Rosenheims Moritz Hannemann (r.) auf den Anstoß zur zweiten Hälfte.

Rosenheim - Die Partie, zwischen dem SB Rosenheim und dem TSV Kastl, welche am Freitagabend die Frühjahrsrunde der Landesliga Südost eröffnete, war ein typisches erstes Spiel nach dem langen Winter - wo keiner so genau weiß, wo er steht. Mit viel Bemühen auf beiden Seiten - manches gelang, vieles auch nicht. Die hohe Kunst des Fußballs gab es an diesem Abend noch nicht zu sehen - dafür Engagement, hohes Tempo, zahlreiche Tore und noch mehr Zweikämpfe. Es war kein gutes Spiel, aber ein spektakuläres, weil intensives - und bis zum Ende hoch spannend.

Die Ausgangslage war klar. Wir hatten beide Beteiligten im Vorfeld in unseren jeweiligen Frühjahrsvorschauen exklusiv beleuchtet. Für den Sportbund, der sich im knallharten Abstiegskampf befindet, ging es vor allem darum, im ersten Spiel nach der Winterpause irgendwie zu punkten. Koste es was es wolle - gerade zuhause. Mit einem erfolgreich gestalteten Heimspiel sollte die Grundlage dafür gelegt werden, auch längerfristig im zähen Ringen um den Klassenerhalt bestehen zu können.


Für den TSV aus Kastl sah es naturgemäß ganz anders aus. Sensationell auf Rang Drei nach der Herbstrunde, können die Dorfkicker ohne großen Druck aufspielen - ihr Saisonziel "Drin bleiben" haben sie bereits erreicht - und schauen, was den mit den vielen bereits erstrittenen Punkten im Rücken vielleicht noch so geht. Für sie ging es darum die Fahrt aus der bisherigen Runde wieder aufzunehmen, wieder auf die Welle aufzuspringen, die sie das komplette letzte Kalenderjahr hindurch getragen hat.

Rosenheimer machen sofort Druck - Führung durch Tomicic

Das Match war kaum angepfiffen, da legte der Sportbund los wie die Feuerwehr. Aggressiv, mutig, mit Blick nach vorne - den Gegner mit diesem Elan fast ein wenig überraschend. Hohes Tempo legten beide Teams vor, dadurch wurde es relativ schnell hektisch, der Ball wechselte oft die Seiten - es war jedoch zu Anfang der SBR, der hier mehr Druck entwickelte. Vor allem, weil er die Fehler seines Gegenübers, der erst in diesem Spiel ankommen musste, immer wieder ausnutze. Schon gleich zu Beginn ergaben sich so ein indirekter Freistoß im Strafraum der Gäste, nachdem deren Torhüter Egon Weber einen Rückpass mit der Hand aufgenommen hatte, sowie ein, zwei weitere gefährliche Angriffe mit Abschlusschancen.


Nach zehn Minuten machte sich dies schwungvolle Anfangsphase der Gastgeber bezahlt - sie gingen frühzeitig in Führung: Rosenheims Marko Tomicic wurde schnell auf halbrechts freigespielt, narrte seine Gegner, zog nach innen - und von der Strafraumgrenze ab. Bei seinem strammen Flachschuss mit tückischem Schnitt war Weber zwar unten und hätte den Ball von seiner Körperlänge her eigentlich gehabt - sah den scharfen Schuss auf dem spärliche beleuchteten Kunstrasen jedoch vielleicht etwas spät und lenkte ihn via Innenpfosten ins Tor (10.). Licht hin, Licht her - den Ball muss er haben. Der Sportbund in Front gegen den TSV Kastl - ein erster Aha-Effekt.

Kastl macht zu viele Fehler - und den Ausgleich per Freistoß

Spielerisch war es aber weniger so, dass sich die Hausherren ihre Möglichkeiten hier glänzend herausgespielt hätten - sondern oftmals so, dass die Kastler ihren Gegner einluden und stark machten. Ihrerseits versuchten es die Gallier immer wieder mit weiten Flügelwechseln mittels Diagonalbällen. Diese fanden oft - nach und nach zu oft - ihr Ziel, weil die Rosenheimer sie nicht geschickt verteidigten. Dadurch kam nach der Überlegenheit des SBR in der Anfangsviertelstunde auch der TSV, dessen bislang treffsicherster Torschütze Michael Langenecker vorerst auf der Bank Platz nahm, in des Gegners Hälfte zur Geltung und zu ersten eigenen Möglichkeiten.

Service:

Zum Ausgleich reichte den Kastlern ein Freistoß weit links draußen in der Nähe des Strafraumecks. Aus so spitzem Winkel darf der eigentlich nicht direkt verwandelt werden - wurde es aber: Die Mauer stand nicht optimal, sprang dann auch noch hoch - und Sebastian Spinners Aufsetzer schlug links unten im Tor ein (18.). Trotz des Fehlers in der Mauer - auch Rosenheims Keeper Dominic Zmugg, der den Ball ebenfalls spät sah und durchrutschen ließ, sah hier unglücklich aus.

Kastl knackt SBR mit Diagonalbällen - Pagler Heber zum Führungswechsel

Das Spiel war nun wieder offen - und der Sportbund verlor seine anfänglichen Feldvorteile so schnell, wie er sie sich erspielt hatte. Kastl produzierte weniger Fehler und das reichte um das Geschehen hier nicht nur ausgeglichen zu gestalten, sondern sogar leicht Oberwasser zu erlangen. Da die Abwehr eines Teams aus dem Tabellenkeller naturgemäß auch nicht fehlerfrei ist, führte dies in logischer Konsequenz zu Chancen für den TSV und schließlich zum 1:2. Kastls Alois Straßer kam im Zentrum ans Leder, spielte es rechts in den Strafraum auf Timo Pagler - und der überwand den ihm entgegen geilten Zmugg mit einem herrlichen hohen Heber (34.).

Der SB Rosenheim schlug allerdings seinerseits noch vor der Pause zurück: Nach der vielleicht schönsten SBR-Kombination der gesamten Partie, bei welcher der Ball schnell über mehrere Stationen lief, kam halblinks Sahin Karayün an den Ball. Der für seine Schusskraft bekannte Defensivspieler des Sportbunds schlug noch einen Haken nach innen - und ließ einen satten Schuss aufs kurze Eck los. Auch diesen Aufsetzer hatte der Torwart nicht. Weber griff daneben - und es stand 2:2 (40.). Der nächste Torwartfehler!

Nach drei Torwartfehlern Unentschieden zur Halbzeit

Mit dem ausgeglichenen Resultat ging es auch in die Halbzeit. Gleich zu Beginn des zweiten Durchgangs die Dicke Chance für Kastl: Nach einem weiteren der gefährlichen Diagonalbälle des TSV, diesmal von rechts hinten weit aus der eigenen Hälfte ganz hinüber nach links in die Spitze geschlagen, prallte zunächst der herauslaufende Zmugg mit seinem Abwehrkollegen Maximilian Biegel zusammen. Beide gingen zu Boden, die Kugel prallte zu Pagler, der versuchte einzuschießen, jedoch geblockt wurde. Der Ball gelangte zu Dominik Grothe, der sofort aus der Drehung heraus abzog - und das verwaiste Tor nur knapp verfehlte (48.). SBR-Youngster Biegel musste danach verletzt ausgetauscht werden.

In der Folge wurde das Spiel noch hektischer - erreichte jetzt wirklich kein gutes Landesliga-Niveau mehr. Das wilde Auf und Ab glich jetzt teilweise eher einer Partie aus unteren Ligen. Es entwickelte sich ein ungestümer Schlagabtausch, bei dem es kaum einmal einer der beiden Mannschaften gelang, das Leder in den eigenen Reihen zu halten.

Das Spiel wird hektischer - und härter

Dazu kam jetzt eine nicht immer gesunde Portion Härte - das Spiel wurde aggressiver und zunehmend ruppiger. Da das Schiedsrichter-Team um Philipp Rank zu nachsichtig war und beinahe alles durchgehen ließ, kam es pausenlos zu Verbalgefechten und fiesen Fouls, welche das Geschehen unterbrachen. Der Sportbund agierte, wie ein Team eben agiert, das ums Überleben kämpft - hundert Prozent engagiert, ohne Rücksicht auf Verluste und des Öfteren über die Grenzen des Erlaubten hinaus. Nachdem die Kastler dem irgendwann in nichts nachstanden - drohte es in den Zweikämpfen teilweise zu eskalieren. Die lange Leine der Schiedsrichter hatte sich als falsch herausgestellt. Es krachte am Sportbund-Campus.

Trotz des vielen Hin und Her waren es zunächst ausschließlich die Gäste, welche sich zumindest ab und an mehr um ein wenig spielerische Linie bemühten, die zu Torgelegenheiten kamen. Die beste hatten sie nach knapp einer Stunde: Straßer setzte sich schön vom rechten Flügel aus durch, ging in die Mitte in den Sechzehner - und legte per Querpass auf Pagler ab. Der nahm das Leder direkt - Zmugg rettete mit Glück und Geschick in höchster Not (59.)!

Kurz darauf wechselte Kastls Coach Sven Vetter: Straßer ging raus - für ihn kam Goalgetter Michael Langenecker (61.). Die nächste Chance hatten dann aber nach über zwanzig Minuten Spielzeit in Halbzeit Zwei die Hausherren: Wieder war es Karayün, der die Klebe auspackte. Diesmal schoss er einen direkten Freistoß aus 26 Metern zentraler Position nur knapp am linken Pfosten vorbei - eine gute Chance für den SBR (63.).

Kastls Weber sieht Rot - SBR eiskalt zur Führung

Zehn Minuten später wendete sich das Blatt dann überraschenderweise noch einmal vollständig: Kastls Keeper Egon Weber flog mit glatt Rot vom Platz. Christoph Börtschök hatte nach einem Ballverlust der Kastler im zentralen Mittelfeld genial durch die Schnittstelle in den Lauf von Tomicic gelegt. Ein tödlicher Pass. Tomicic ging auf und davon, wollte mit all seinem Tempo auch noch Weber, der ihm entgegen- und aus seinem Strafraum herausgelaufen war, umkurven - und wurde von diesem gestoppt (73.). Allerdings nach Meinung des Schiedsrichters durch ein regelwidriges Handspiel - Platzverweis!

Nun musste auf Seiten der Kastler Neuzugang Anton Schreiner zwischen die Pfosten und wurde bei seinem Kaltstart kalt erwischt. Den fälligen Freistoß übernahm wieder Karayün - und hämmerte ihn flach rechts an der schlecht postierten Mauer vorbei ins linke untere Eck. Schreiner, der keine Chance gehabt hatte, sich warmzumachen, kam nicht hin - und die Kugel zappelte im Netz (75.)! Der SBR hatte die Situation eiskalt ausgenutzt - und lag erneut in Front.

Dezimierte Kastler drehen auf - Endspurt bringt Ausgleich per Elfmeter

Ins Ziel bringen konnte er diese Führung aber nicht. Der TSV Kastl gab noch einmal alles und richtig Gas. Spielte jetzt im Endspurt zu zehnt fast besser und zielstrebiger als in den Minuten zuvor. Kurz vor Ultimo wurde das belohnt: Nach einem strammen Schuss eine Kastlers, den Zmugg zwar halten aber nur prallen lassen konnte, lupfte Spinner das Leder über den zu Boden gegangenen Keeper - an die Latte! Michael Langenecker musste nur noch einköpfen - doch sein Kopfball wurde von Lukas Kellner, der sich nicht mehr anders zu helfen wusste, per Hand geklärt (86.). Rot für Kellner, Elfmeter für Kastl. Tobias Urban übernahm die Verantwortung - und verwandelte knallhart und sicher ins rechte untere Eck (88.).

Somit stand am Ende einer nervenaufreibenden Begegnung ein wildes 3:3 Unentschieden. Die Rosenheimer hatten alles in die Waagschale geworfen, was sie zu diesem frühen Zeitpunkt der Restsaison drauf hatten, gekämpft, sich als hartnäckig und äußerst unangenehm erwiesen, den favorisierten Gegner am Rand einer Niederlage gehabt - und ein Ergebnis erzielt, auf das sie aufbauen können. Trotz des späten Ausgleichs können sie damit zufrieden sein - nicht nur weil es wichtig für den Kopf ist. Ein Punkt gegen den Tabellendritten kann für den Sportbund noch Gold wert sein.

Punkteteilung mit der am Ende alle irgendwie leben können

Die Kastler sind noch nicht wieder vollständig auf ihrer Welle angekommen und konnten auch gegen einen Gegner, dem sie eigentlich überlegen gewesen wären, nicht gewinnen. Von ihnen hat man schon bessere Spiele gesehen als dieses erste nach dem Winter - andererseits nahmen sie den Kampf an und verloren auch ein solches weiteres Spiel nicht. Der späte Ausgleich in einem dermaßen hitzigen Kampfspiel setzte natürlich Emotionen frei. Nächste Woche wartet das mit Spannung erwartete Heimderby gegen Erlbach.

Quelle: rosenheim24.de



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