Ein hochalpines Upgrade

Der Einsame Dreitausender: Vom Kleinen Grießkogel auf den Hocheiser

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Der 3.206 Meter hohe Hocheiser vom gegenüberliegenden Großen Grießkogel (3.066 Meter)

Kaprun – Jeden Freitag lesen Sie hier unseren Wander-Tipp. Dieses Mal geht es vom Endpunkt unserer letzten Tour auf einen vergletscherten und einsamen Dreitausender.

Kitzsteinhorn, Hoher Tenn, Wiesbachhorn: Drei Dreitausender, die markant um die beiden Kapruner Stauseen Mooser- und Wasserfallboden stehen. Der Name Hocheiser wird jedoch den wenigsten ein Begriff sein, steht er doch ganz versteckt am Ende zwischen Kapruner und Stubachtal. Und dennoch steht seine Besteigung seinen Prominenten nichts nach, der Gletscherkontakt beispielsweise ist knackiger als bei seinem Nachbarn Wiesbachhorn. Wir nehmen dich mit auf einen aussichtsreichen wie einsamen Gipfel.


Die Wanderung im Überblick

Berg/Gipfel: Hocheiser, Glocknergruppe, 3.206 Meter.

Höhenmeter der Wanderung: Circa 650 Höhenmeter.


Wanderparkplatz/Adresse fürs Navi: Parkhaus Kesselfall, Kesselfallstraße 96, 5710 Kaprun, Österreich, dann Weiterfahrt mit dem Bus zur Staumauer des Speichers Mooserboden (Heidnische Kirche); Fahrt mit dem ersten Bus (Bergsteigerbus) empfohlen.

Gehzeit: Zweieinviertel bis drei Stunden.

Schwierigkeit: Mittelschwere Hochtour, die nur von erfahrenen Bergsteigern begangen werden sollte, bis Großer Grießkogel (3.066 Meter) allerdings kein Gletscherkontakt, hier nur leichte Kletterfertigkeiten vonnöten.

Einkehrmöglichkeiten: Keine.

Wann sollte man aufpassen? Die ganze Tour über muss man konzentriert seine Route wählen, da der Weg höchstens rudimentär markiert ist. Ein falscher Schritt kann fatal enden! Die Gletscherpassage (mit Grödel/Steigeisen und Pickel!) erfordert noch einmal besondere Vorsicht, da die Aufstiegsspuren keine Gewähr über die Traktionsfähigkeit des Schnees leisten.

Ist die Wanderung für Anfänger geeignet? 0/5 Punkte: Der Hocheiser ist ein fast bis zum Gipfel vergletscherter Dreitausender, der höchstens durch fachkundige Anleitung durch einen Bergführer begangen werden sollte. Ansonsten ist der Berg nichts für Anfänger!

Für Familien mit Kindern geeignet? 1/5: Auch hier gilt: Waren die Kinder schon auf vergleichbaren Bergen wie Großem Wiesbachhorn, Hocharn oder Hochfeiler, können sie in der Regel auch auf den Hocheiser. Ansonsten lieber nur bis zum Kleinen Grießkogel gehen!

Für Hunde geeignet? 0/5: Da der Große Grießkogel mit Kletterpassagen im Grad I aufwartet und der Weiterweg unausweichlich über den Gletscher führt, gilt für diesen Berg: Pfoten weg!

Lohnt der Gipfel-Ausblick? 4/5: Der Blick nach Osten wird zwar vom Fuscher-Kapruner Kamm versperrt, lediglich Hocharn und Dachsteinstock lassen sich ausmachen, dafür aber freie Schau nach Norden über den Pinzgau bis zu den Berchtesgadener und Chiemgauer Alpen, nach Westen übers Stubachtal zu Großvenediger, Karwendel und Wetterstein, südlich wird die Aussicht vom nahen Glocknermassiv begrenzt.

Drei Gründe, warum sich die Wanderung lohnt

Ruhe und Einsamkeit: Wenn der Tag anbricht, sind noch keine Leute unterwegs. Zwar wird man sich den Bergsteigerbus mit vielen Leuten teilen müssen, diese streben aber in der Regel die Berge östlich der beiden Stauseen an. Somit ist man auf der Tour zumeist ganz allein unterwegs!

Oberes Hocheiserkees: Je aperer (aper=schneefrei) der Gletscher ist, umso imposanter wirkt er. Einerseits, weil er ziemlich steil gen Stubachtal hinabfließt, andererseits weil seine Spalten den berg einen wilden und zerklüfteten Touch geben. Die Passage auf dem Gletscher selbst lässt sich jedoch getrost als „Biancograt light“ betiteln: Auf einer Neigung zwischen 25 und 30 Grad geht es wie auf einer Himmelsleiter herrlich zwischen Kapruner und Stubachtal bis zum Gipfel!

Als Tagestour machbar: Während die meisten Dreitausender eine Übernachtung auf der Hütte erforderlich machen, gilt dies nicht für den Hocheiser: Vorausgesetzt, man nimmt zeitiges Aufstehen (das heißt um 4.00 Uhr früh) in Kauf, sodass man den ersten Bus um 6.30 Uhr erwischt, ist der Berg auch an einem Tag zu besteigen!

Marsch, Marsch!

Unterwegs treffen wir auf einen Pilzfelsen, der uns an die Steinerne Agnes erinnert.

Wir starten am Kleinen Grießkogel, bis dahin hatten wir eine unschwierige Wanderung. Das ändert sich aber gleich nach dem Gipfelchen, als wir uns den Weg durch das Blocklabyrinth bahnen. Zwischen zwei Gletscherresten hindurch befinden wir uns bald auf dem Ostgrat, der über Platten nach oben führt. Und in kurzer Zeit wird der Weg nach oben steiler und luftiger. Zum Glück haben wir eine ausgetretene Steigspur, die uns recht gut nach oben leitet. 

Der 3.206 Meter hohe Hocheiser vom gegenüberliegenden Großen Grießkogel (3.066 Meter)

Nach gut zehn Minuten am Grat sehen wir einen verwitterten Pilzfelsen, der uns an die Steinerne Agnes oder die Formationen im Wilden Westen erinnert. Weitere zehn Minuten später verlieren sich schön langsam die Spuren und wir müssen unseren eigenen Weg zum Zwischenziel finden. Wir haben allerdings schon beträchtlich an Höhe gewonnen und bald schon wird der Pilzfelsen am Grat unsichtbar. Nun geht’s noch einmalziemlich luftig über den Vorgipfel und schon ist der Grießkogel, der nicht mit einem Gipfelkreuz, dafür aber mit zwei Täfelchen geschmückt ist, erreicht! Gleich erreicht ist der Hocheiser, so scheint es zumindest. Vorher müssen wir aber das anstrengendste Stück der Tour meistern: Erst einmal müssen wir gut 50 Höhenmeter absteigen, um aufs Obere Hocheiserkees zu gelangen. Zum Glück weisen uns die Steigspuren, auch wenn sie etwas überweht sind, den besten Platz, um Steigeisen anzulegen. 

Hochalpin vom Kleinen Grießkogel auf den Hocheiser

 © Simon Schmalzgruber
Durch blockiges Gelände geht es nun weiter Richtung Ostgrat... © Simon Schmalzgruber
...welcher nach einer guten Viertelstunde erreicht ist! © Simon Schmalzgruber
Links ist der Hocheiser schon zu sehen, wir bleiben aber rechts! © Simon Schmalzgruber
Der Pilzfelsen versprüht ein wenig Wildwest-Flair! © Simon Schmalzgruber
Auch wenn die Schneefleckerl schwierige Passagen vermuten: Mit ihm kommen wir (noch) nicht in Kontakt! © Simon Schmalzgruber
Das Großglocknermassiv: Kleinglockner, Großglockner, Teufelshörner und Glocknerwand. © Simon Schmalzgruber
Die letzten Meter auf dem Grießkogelgrat sind noch einmal luftig... © Simon Schmalzgruber
...und schon ist der Gipfel erreicht! © Simon Schmalzgruber
Auch aus dieser Perspektive eine formschöne Pyramide: Das Kitzsteinhorn (3.203 Meter), dahinter Kaisergebirge, Kitzbüheler Alpen, Loferer Steinberge, der Pinzgau, Zeller See und Berchtesgadener Alpen. © Simon Schmalzgruber
Jetzt warten gut 50 Höhenmeter Abstieg auf uns, ehe wir die bereits sichtbaren Steigspuren erreichen. © Simon Schmalzgruber
Vorher aber nochmal ein Blick zu Wasserfall- und Mooserboden! © Simon Schmalzgruber
Ungewohnte Blumenpracht auf über 3.000 Metern! © Simon Schmalzgruber
Unterm Vorgipfel vorbei... © Simon Schmalzgruber
...und herrlich zum Schluss... © Simon Schmalzgruber
...sind wir nach gut eineinhalb Stunden am Gipfel angekommen! © Simon Schmalzgruber
Der Großvenediger (3.657 Meter) zeigt sich in aller Pracht! © Simon Schmalzgruber
Dem vorgelagert sind das Stubachtal mit dem großen Tauernmoos- und dem kleineren wie ironischerweise dunkleren Weißsee. © Simon Schmalzgruber
Über den Oberen Pinzgau hinweg schweift unser Blick zum Wilden Kaiser. © Simon Schmalzgruber
Von links nach rechts: Loferer und Leoganger Steinberge und Kitzsteinhorn. © Simon Schmalzgruber
Rechts des Kitzsteinhorns erstrecken sich die Berchtesgadener Alpen mit Großem Hundstod (2.593 Meter), Watzmann (2.713 Meter), Breithorn (2.504 Meter), Sommerstein (2.308 Meter), Schönfeldspitze (2.653 Meter), Selbhorn (2.654 Meter) und Hochkönig (2.941 Meter). © Simon Schmalzgruber
Nochmal von näher: Hundstod und Watzmann mit seinen Kindern... © Simon Schmalzgruber
...der Zeller See... © Simon Schmalzgruber
...und der Hochkönig! © Simon Schmalzgruber
Jenseits des Mooserbodens liegt der Fuscher-Kapruner Kamm mit Kempsenkopf (3.090 Meter, nördlichster Punkt über 3.000 Meter Europas!). Hoher Tenn (3.368 Meter), Kleines Wiesbachhorn (3.283 Meter) Großes Wiesbachhorn (3.564 Meter, sechsthöchster Berg Österreichs), Bratschenköpfe (3413 / 3401 Meter) und Klockerin (3.422 Meter) © Simon Schmalzgruber
Nicht einmal zehn Kilometer entfernt: Der Großglockner, mit 3.798 Metern seit 1919 (vorher war's der Ortler) höchster Berg Österreichs! © Simon Schmalzgruber
Über die Gipfelwechte sieht man hinunter zum Mooserboden auf der einen Seite... © Simon Schmalzgruber
...zum Tauernmoossee... © Simon Schmalzgruber
...dem Weißsee mit dem Alpincenter Rudolfshütte... © Simon Schmalzgruber
...und einem herzförmigen See auf der anderen Seite. © Simon Schmalzgruber
Der Abfluss des Weißsees äußert sich in einem gewaltigen Wasserfall! © Simon Schmalzgruber
Das Heinrich-Schwaiger-Haus (2.802 Meter) ist der Stützpunkt für Besteigungen auf's Große Wiesbachhorn... © Simon Schmalzgruber
...das über dem Kaindlkees wacht... © Simon Schmalzgruber
...nicht viel weiter weg der Hohe Tenn. © Simon Schmalzgruber
Die Loferer Steinberge mit Rothörnern (bis 2.409 Meter), Hinterhorn (2.506 Meter), Reifhörnern (bis 2.483 Meter), Ochsenhorn (2.511 Meter) und dahinter die Chiemgauer Alpen mit dem Sonntagshorn (1.961 Meter) © Simon Schmalzgruber
Auf der anderen Seite erblicken wir Karwendel (rechts) und Wetterstein... © Simon Schmalzgruber
...sowie den Hochgern... © Simon Schmalzgruber
...und Kampenwand/Hochplatte. © Simon Schmalzgruber
Auch auf Kapruner Seite donnern die Wasserfälle in die Tiefe! © Simon Schmalzgruber
Hier erkennt man: Der Johannisberg (3.453 Meter), der wie eine Gletscherpyramide über der Pasterze, Österreichs größtem Gletscher, steht, hat auch eine gletscher freie Seite. © Simon Schmalzgruber
Auch zu Dachsteinstock (bis 2.995 Meter), Gosaukamm (2.493 Meter) und zu Totem Gebirge mit dem Großen Priel (2.513 Meter) können wir einen Blick erhaschen! © Simon Schmalzgruber
Doch auch der schönste Aufenthalt am Gipfel hat mal ein Ende, es wartet der Abstieg! © Simon Schmalzgruber
Am Gipfel angekommen schweift der Blick zu Mooserboden und Fuscher-Kapruner Kamm.

Nachdem die Traktionsfähigkeit unserer Schuhe um ein Wesentliches geupgraded wurde, steigen wir jetzt die letzten 200 Höhenmeter hinauf. Immer wieder macht uns der auftauende Schnee zu schaffen, der uns zum Ausrutschen verleitet. Durch die Höhe von über 3.000 Metern über Meeresniveau merken wir auch umso mehr, wie jeder Schritt Kraft braucht, zumal wir den Weg nach oben ja quasi selbst spuren müssen. Deshalb bietet es sich an, immer mal wieder Pause zu machen, um nicht kurz vor dem schon lange sichtbaren Ziel zu kollabieren. Eine halbe bis Dreiviertelstunde, nachdem wir den Grießkogel-Gipfel hinter uns gelassen haben, queren wir den Vorgipfel. Ein paar Serpentinen noch nach oben und schon stehen wir auf dem Gipfelgrat. Zwischen Gletscher und Wechte (Wechte= Überhängender Schnee) steigen wir die letzten eindrucksvollen Meter auf der Himmelsleiter nach oben und können sogleich unser Glück nicht fassen: Wir haben's tatsächlich geschafft! 

Ein herrlicher Tiefblick zum Mooserboden auf der einen Seite, zu Tauernmoos- und Weißsee auf der anderen, dazu Fuscher-Kapruner Kamm, Großglockner, Großvenediger, Rieserfernergruppe, Karwendel bis Wetterstein: Dafür haben sich alle Strapazen gelohnt! Die Einsamkeit des Gipfels verleitet uns zuschier ewigem Verweilen! Um ein äußerst beschwerliches Upgrade um mehr als zehn Kilometer von den Seen bis zum Parkhaus zu vermeiden (der letzte Bus geht um 17.00 Uhr, aber lieber an den um 16.45 orientieren) geht, müssen wir auch irgendwann wieder absteigen. Wer es genau haben möchte, kann hierbei die Aufstiegszeit nehmen, die in etwa der Abstiegszeit gleicht, um die Verweildauer auf diesem herrlichen Stück Erde zu berechnen. Der Abstieg ist in etwa derselbe wie der Aufstieg, allerdings bieten sich einige Abkürzmöglichkeiten. Spätestens an der Staumauer ist's dann vorbei mit Ruhe und Einsamkeit: Zusammen mit dutzenden Touristen geht’s im Bus wieder hinunter ins Kapruner Tal und wir können die Tour in unseren Gedanken nochmal ausführlich Revue passieren lassen.

Die passende Bekleidung und Ausrüstung zum Wandern und für andere Outdooraktivitäten, finden Sie bei McTREK im Aicherpark Rosenheim.

Simon Schmalzgruber

Quelle: rosenheim24.de



Ein leichter Dreitausender an der Glocknerstraße

Ein leichter Dreitausender an der Glocknerstraße

Hochalpin vom Kleinen Grießkogel auf den Hocheiser

Hochalpin vom Kleinen Grießkogel auf den Hocheiser

Die Strecke vom Mooserboden auf den Kleinen Grießkogel

Die Strecke vom Mooserboden auf den Kleinen Grießkogel

Ein stiller Platz im Reich des Glockners

Ein stiller Platz im Reich des Glockners

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