Vom Glocknerhaus auf den Spielmann

Ein einsamer Logenplatz inmitten der Glocknergruppe

+
Nicht einmal zehn Kilometer ist er vom Gipfel entfernt, der Großglockner (3.798 Meter)!

Fusch a. d. Glocknerstraße / Heiligenblut – Jeden Freitag lesen Sie hier unseren Wander-Tipp. Dieses Mal geht es vom Glocknerhaus auf einen einsamen Aussichtspunkt inmitten der Glocknergruppe.

Wer zum ersten Mal die 1935 eröffnete Großglockner-Hochalpenstraße befährt, der wird ihn garnicht erkennen. Zu sehr stehlen ihm seine gut 300, 400 Meter höheren Nachbarn, die sich dicht gedrängt in der Glocknergruppe tummeln, die Schau. Und dennoch ist der Spielmann ein in mehrerlei Hinsicht attraktiver Berg: Nicht nur, weil man in vergleichsweise kurzer Zeit auf den Gipfel gelangen kann, sondern auch, weil man vom Gipfel eine tolle Aussicht hat – die man sich mit ein bisschen Glück mit niemand anders teilen muss!


Die Wanderung im Überblick

Berg/Gipfel: Spielmann, Glocknergruppe, 3.027 Meter.

Höhenmeter der Wanderung: 960 Höhenmeter.


Wanderparkplatz/Adresse fürs Navi: Glocknerhaus, Gletscherstraße, 6844 Heiligenblut

Gehzeit: Drei bis vier Stunden

Schwierigkeit: Durch seine Höhe nur knapp über 3.000 Metern gehört der Spielmann zu den einfacheren Dreitausendern. Dennoch sollte auch hier der hochalpine Charakter des Berges mit Klettergelände und Altschneefeldern nicht unterschätzt werden! 

Einkehrmöglichkeiten: Glocknerhaus, 2.136 Meter. 

Wann sollte man aufpassen? Ab der Unteren Pfandlscharte bewegt man sich durchwegs am Grat, der Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordert. 

Ist die Wanderung für Anfänger geeignet? 3/5 Punkte: Durch seine leichte Erreichbarkeit und nicht zu schweren Kletterstellen ist der Berg nur mäßig schwierig und dadurch auch für Neulinge interessant. Vielleicht ist der Spielmann sogar ideal, um sanft in die hochalpine Welt eingeführt zu werden. 

Für Familien mit Kindern geeignet? 3/5: Nur eine, mit Seilen gesicherte Stelle tut sich unmittelbar unter dem Gipfel auf, ansonsten gibt es keine größeren Kletterstellen. Also auch eine Empfehlung für berg-affine Familien!

Für Hunde geeignet? 2/5: Die seilgesicherte Stelle sowie Altschneefelder könnten vor allem kleineren Hunden zum Verhängnis werden, aber bergerfahrene Herrchen oder Frauchen können die Tour zu einem tollen Erlebnis werden lassen! 

Lohnt der Gipfel-Ausblick? 5/5: Wie bei nahezu allen freistehenden Bergen über 3.000 Meter gibt’s auch am Spielmann eine tolle Aussicht, die sich von den Berchtesgadener Alpen im Norden bis zu den Julischen Alpen und den Dolomiten im Süden erstreckt!

Drei Gründe, warum sich die Wanderung lohnt

Die Aussicht: Nicht nur der Blick hinüber zum nicht mal zehn Kilometer entfernten Großglockner oder ins Fuscher Tal hinunter ist eine Augenweide, auch der Weitblick auf die südlichen Berchtesgadener Alpen, die Dolomiten oder die Julischen Alpen ist toll! 

Ruhe und Einsamkeit: Während die mautpflichtige Großglockner-Hochalpenstraße Touristen von nah und fern anzieht und demnach stark befahren ist, erlebt man das komplette Gegenteil, wenn man die paar Kilometer in die Glocknergruppe hineingeht: Selten trifft man auf andere Bergfreunde, umso öfter ist man mutterseelenallein unterwegs. 

Nationalpark Hohe Tauern: Trotz seiner Nähe zur Mautstraße befindet sich der Spielmann ab der Unteren Pfandlscharte in der streng geschützten Kernzone des Nationalparks Hohe Tauern. Botanik gibt es zwar ab dem Zwischenabstieg nicht mehr viel, aber dennoch kann man mit etwas Glück seine Bewohner, zum Beispiel Alpensteinbock oder Murmeltier, erspähen.

Der Berg ruft!

Wir starten unsere Tour bereits auf 2.136 Metern auf dem großen Parkplatz am Glocknerhaus. Gleich am Anfang weist uns ein Schild auf den schmalen Steig, den wir sogleich angehen. Nicht nur auf dem Weg zum Spielmann befinden wir uns jetzt, sondern auch auf dem Klagenfurter Jubiläumsweg, der sich quer durch die Hohen Tauern zieht. Noch ist die Vegetation üppig, doch sie verliert mehr und mehr an Ausstrahlungskraft, je höher wir kommen. Auf circa 2.620 Metern Höhe befindet sich ein kleiner, türkisblauer Bergsee, der mit dem weiter unten gelegenen, türkisgrünen Pfandlsee um die Gunst unserer Augen buhlt. 

Wie ein Smaragd in der kargen Gesteinswüste tut sich der Pfandlsee auf.

Am kleinen See vorbei erreichen wir eine Graskuppe, die Startpunkt des nun beginnenden, circa 100 Höhenmeter beanspruchenden, Zwischenabstiegs, der das erste Mal unsere Trittsicherheit fordert. Ist dieser überwunden, befinden wir uns im Gesteinskessel zwischen Racherin und Spielmann, in welchem auch getrost Mondlandungs-Reeanectments gespielt werden könnten, wäre da nicht der strenge Naturschutz im Nationalpark Hohe Tauern. Circa in der Mitte überqueren wir einen Bach, der je nach Jahreszeit mal stärker, mal schwächer fließt und den Pfandlsee speist. Über eine Steinkante geht es nun weiter gen Untere Pfandlscharte, die nachgewiesenermaßen seit der Römerzeit ein Grenzübergang ist. 

Ein stiller Platz im Reich des Glockners

Blick von der Edelweißspitze (2.576 Meter), höchster Punkt der Großglockner-Hochalpenstraße auf Brennkogel (3.018 Meter), Kloben (2.938 Meter) und Spielmann (3.027 Meter). © Simon Schmalzgruber
Hier nochmal von näher! © Simon Schmalzgruber
Wir starten am Glocknerhaus in 2.136 Metern Höhe bereits auf Kärntner Gebiet. © Simon Schmalzgruber
Links neben der Stichstraße zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe erblicken wir bereit den Großglockner, dessen 3.798 Meter in Österreich seit 1919 unübertroffen ist. © Simon Schmalzgruber
Der Wegweiser besagt: In drei Stunden sind wir oben! © Simon Schmalzgruber
Freiwandspitze (3.034 Meter), Freiwandkasten (3,110 Meter) Sinnwelleck (3.261 Meter) und Kapuziner (2.852 Meter) © Simon Schmalzgruber
Bereits einige Meter gemacht schauen wir hinunter auf's Glocknerhaus und den Stausee Margaritze. © Simon Schmalzgruber
Links von der langen Galerie sind leicht die Gebäude an der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe zu erkennen. © Simon Schmalzgruber
Der Weg ist immer wieder von leichten Aufs und ABs geprägt. © Simon Schmalzgruber
Rechts die Racherin, links unser heutiges Ziel! © Simon Schmalzgruber
Direkt unter der Unteren Pfandlscharte befindet sich ein namenloser See, oftmals wird er aber als "Pfandlsee" bezeichnet. © Simon Schmalzgruber
Es wartet ein Abstieg von gut 100 Höhenmetern auf uns! © Simon Schmalzgruber
Vorher passieren wir aber einen noch türkiseren See! © Simon Schmalzgru ber
Nach Süden ergibt sich ein Blick zur Schobergruppe. © Simon Schmalzgruber
Auf diesem lang auslaufenden Grat werden wir auch in gut eineinhalb Stunden turnen! © Simon Schmalzgruber
Ein bisschen geht's noch über die Schuttkante... © Simon Schmalzgruber
...doch nun der Zwischenabstieg! © Simon Schmalzgruber
Wie ein Fremdkörper wirkt der meterhohe Findling in der Mondlandschaft. © Simon Schmalzgruber
Wir überqueren den Bach... © Simon Schmalzgruber
...und gelangen in einer guten halben Stunde später zur Unteren Pfandlscharte; ab hier befindet sich die Kernzone des Nationalparks. © Simon Schmalzgruber
Es wartet ein blockiger Grat auf uns! © Simon Schmalzgruber
Noch schnell ein Blick zur Racherin (3.092 Meter)... © Simon Schmalzgruber
...und den Berchtesgadener Alpen... © Simon Schmalzgruber
...und schon geht's los! © Simon Schmalzgruber
Links vom Tal der Fuscher Ache befinden sich das Große Wiesbachhorn (3.564 Meter), dessen 2.400 Meter hohe Abstürze zu den höchsten in den Ostalpen zählen, die Bratschenköpfe (3.400, bzw. 3.412 Meter) und die Hohe Dock (3.348 Meter). © Simon Schmalzgruber
Blockig macht bockig! © Simon Schmalzgruber
Aber so harmlos die Tour sonst im Vergleich ist, auf Schnee gilt: Safety first! © Simon Schmalzgruber
Weiter... © Simon Schmalzgruber
...immer weiter! © Simon Schmalzgruber
Unmittelbar unter dem Gipfel helfen uns Seile! © Simon Schmalzgruber
Und schon ist er erreicht! © Simon Schmalzgruber
Poesie unterm Gipfelkreuz. © Simon Schmalzgruber
Blick hinunter zum Pfandlsee, dem Kapuziner und unserer Aufstiegsroute... © Simon Schmalzgruber
...sowie zum Großglockner und der Hochalpenstraße. © Simon Schmalzgruber
Mittlerer (von links nach rechts) und Großer Bärenkopf (3.356 Meter/3.396 Meter), Hohe Dock, Klockerin (3.422 Meter), Bärenköpfe, Großes Wiesbachhorn. © Simon Schmalzgruber
Jenseits des Fuscher Achentals liegt der Pinzgau, welcher von den Berchtesgadener Alpen im Norden begrenzt wird. © Simon Schmalzgruber
Zu sehen sind einerseits der Hochkönigstock... © Simon Schmalzgrube r
...mit seinem 2.941 Meter hohen Kulminationspunkt... © Simon Schmalzgruber
...Großer Hundstod (2.594 Meter) und Watzmann (2.713 Meter). © Simon Schmalzgruber
Links von der Racherin sieht man das nördlichste Gebiet Kärntens: das Heiligenbluter Tal. © Simon Schmalzgruber
Der Blick nach Osten zeigt die Goldberggruppe, in die auch schon Touren unternommen wurden... © Simon Schmalzgruber
...zum 3.254 Meter hohen Hocharn zwar (noch) nicht... © Simon Schmalzgruber
...dafür aber zu Schareck (3.123 Meter) und dem Hohen Sonnblick (3.106 Meter)! © Simon Schmalzgruber
Im Süden, bereits in Italien, warten Wischberg und Montasch auf... © Simon Schmalzgruber
...sowie auf slowenischer Seite Triglav (2.864 Meter) und Mangart (2.677 Meter) © Simon Schmalzgruber
Auch die schroffen Südwände des Dachsteins (2.995 Meter) kommen aus dieser Perspektive besonders zur Geltung. © Simon Schmalzgruber
Blick hinüber zum Brennkogel (3.018 Meter)... © Simon Schmalzgruber
...sowie zur Edelweißspitze, mit 2.576 Metern höchster anfahrbarer Punkt der Großglockner-Hochalpenstraße. © Simon Schmalzgruber
Von hier oben kann man besonders gut sehen, wie kühn sich die zwischen den Jahren 1930 und 1935 erbaute Straße sich den Berg hochschlängelt. © Simon Schmalzgruber
Die esponierte Dreischusterspitze ist mit ihren 3.145 Metern die höchste Erhebung der Sextner Dolomiten, links davon sieht man schwach die Drei Zinnen hervorspitzen. © Simon Schmalzgruber
Im Folgenden nehmen wir uns nochmal den Fuscher-Kapruner-Kamm vor: Mittlerer und Großer Bärenkopf, Hohe Dock und Klockerin... © Simon Schmalzgruber
...die hier nochmal in Szene gesetzt wird... © Simon Schmalzgruber
...wie auch das Große Wiesbachhorn... © Simon Schmalzgruber
...und der Großglockner sowieso! © Simon Schmalzgruber
Am Abstieg sehen wir noch einen Alpensteinbock majestätisch auf dem Kapuziner herumturnen! © Simon Schmalzgruber
Die Untere Pfandlscharte wurde bereits von den Römern für den Grenzübertritt benutzt!

Mit nun freigewordenem Blick zu den Bergen im Norden wenden wir uns rechterhand dem Grat zu, der mit blockigem Gelände und unschwierigen Kletterpassagen in gut eineinhalb Stunden zum Gipfel führt. Je nach Jahreszeit sollte aber bedacht werden, dass sich besonders nordseitig noch Schnee halten kann, der die Tour heikel macht. In diesem Fall sollten zumindest Grödel bedacht werden! Anders als bei einem Lied von In Extremo lastet auf diesem Spielmann kein Fluch, Alles in Allem ist der Berg nämlich ein sehr gutmütiger Dreitausender! Ist das blockige Gelände überwunden, wartet unmittelbar unter dem Gipfel noch eine kleine Kletterpassage auf, die mit Seilen entschärft wurde und schon ist der 3.027 Meter hohe Gipfel erreicht! Berg Heil! Mit Blick auf die Julischen Alpen und die Dolomiten im Süden sowie zu den Berchtesgadener Alpen im Norden, der Goldberggruppe im Osten und der Großglockner im Westen könnten wir stundenlang dort oben verweilen, so herrlich einsam ist es dort oben. 

Allerdings müssen wir uns auch irgendwann wieder an den Abstieg machen, der im Wesentlichen der Aufstiegsroute folgt. Allerdings können wirbei guten Wegfindungsfertigkeiten auch den Gegenanstieg zur Graskuppe vermeiden, indem wir diese am Ostufer des Pfandlsees umgehen. Am Glocknerhaus angekommen können wir uns für die Tour mit einem leckeren Essen belohnen, oder dort zu schlafen, bekommt man doch selten die Gelegenheit auf über 2.000 Metern eine Nacht zu verbringen. Wem das zu viel wird, dem sei es freilich nicht verboten, sich wieder nach Hause aufzumachen!

Die passende Bekleidung und Ausrüstung zum Wandern und für andere Outdooraktivitäten, finden Sie bei McTREK im Aicherpark Rosenheim.

Simon Schmalzgruber

Quelle: rosenheim24.de



Ein leichter Dreitausender an der Glocknerstraße

Ein leichter Dreitausender an der Glocknerstraße

Hochalpin vom Kleinen Grießkogel auf den Hocheiser

Hochalpin vom Kleinen Grießkogel auf den Hocheiser

Die Strecke vom Mooserboden auf den Kleinen Grießkogel

Die Strecke vom Mooserboden auf den Kleinen Grießkogel

Ein stiller Platz im Reich des Glockners

Ein stiller Platz im Reich des Glockners

Kommentare