Von der Laubau aufs Sonntagshorn

Hochalpin im Chiemgau unterwegs

Wanderung auf Sonntagshorn
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Die letzten Meter vor dem Gipfel!

Ruhpolding – Jeden Freitag lesen Sie hier unseren Wander-Tipp. Dieses Mal geht es vom Ruhpoldinger Holzknechtmuseum in der Laubau auf das Sonntagshorn.

Eine pyramidenförmige Kalkspitze mit einer abschreckend steil abfallenden Nordseite – so erscheint das Sonntagshorn, wenn man aus dem Chiemgau darauf schaut. Schier undurchführbar scheint seine Besteigung. Doch wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Heute nehmen wir euch mit auf die Tour durch das Kraxenbachtal hinauf zum höchsten Berg des Chiemgaus. Disclaimer: Nur für alpin erfahrene Bergfreunde geeignet!


Die Wanderung im Überblick

Berg/Gipfel: Sonntagshorn, Chiemgauer Alpen, 1.961 Meter


Höhenmeter der Wanderung: Circa 1.300 Höhenmeter.

Wanderparkplatz/Adresse fürs Navi: Holzknechtmuseum Ruhpolding, Laubau 12, 83324 Ruhpolding, gebührenfrei

Gehzeit: Fünf Stunden aufwärts, vier abwärts.

Schwierigkeit: Lange, kräftezehrende Tour, die Trittsicherheit, Schwindelfreiheit, Orientierungsvermögen und Kletterfertigkeiten im Schwierigkeitsgrad II nach UIAA erfordert.

Einkehrmöglichkeiten: keine.

Wann sollte man aufpassen? Ab dem „Großen Sand“ sind Markierungen nur spärlich vorhanden. Und nicht nur das: Je nach Zeitpunkt der Durchführung müssen größere Schneefelder überwunden (Steigeisen/Grödel mitnehmen!). Bei viel Betrieb außerdem Steinschlaggefahr!

Ist die Wanderung für Anfänger geeignet? 0/5: Durch die Gefährlichkeit ist die Tour für Einsteiger überhaupt nicht zu empfehlen! Lieber den wesentlich sanfterenAnstieg von Süden anvisieren!

Die Fotos: Alle Bilder findet Ihr hier.

Für Familien mit Kindern geeignet? 1/5: Für Familien gilt ähnliches: Sofern die Kinder nicht auf Bergen mit vergleichbaren Charakter wie zum Beispiel Hoher Göll oder Hochkalter waren, sollten diese auch lieber vom Heutal aus aufsteigen!

Für Hunde geeignet? 0/5: Dadurch, dass Kletterstellen im IIer vorhanden sind, sollten auch Hundebesitzer diesen Anstiegsweg meiden. Bis zum „Großen Sand“ kann allerdings auch mit Wauwaus gewandert werden.

Lohnt der Gipfel-Ausblick? 5/5:Nicht nur der gesamte Chiemgau mit dem Chiemsee ist zu erkennen, auch der Kaiser und die Loferer Steinberge werden in ein tolles Licht gerückt. Und nicht zuletzt grüßen bei klaren Tagen die eisbedeckten Dreitausender der Hohen Tauern und der Zillertaler Alpen sowie das weit entfernte Tote Gebirge.

Drei Gründe, warum sich die Wanderung lohnt

Einsamkeit: Entgegen zum leichten Südanstieg trifft man beim Nordanstieg kaum auf Menschen. Ein meditatives Erlebnis für den stillen Genießer!

Herausforderung: Von dieser Seite präsentiert sich das Sonntagshorn in einem Gesicht, wie man es sonst nur von den wilden Gipfeln der Berchtesgadener Alpen oder den Hohen Tauern kennt. Wer es knackiger mag, ist also hier genau richtig!

Abwechslung: Erst an Forstwegen, dann auf Steigen den Lauf des Kraxenbaches hinauf, vorbei an Gumpen und Wasserfällen zur kargen Fels- und Altschneewüste des „Großen Sands“. Dort dann in IIer-Kletterei in die Gratschneide hoch und letztlich über den Westgrat in Ier-Kletterei zum Gipfel. Mehr Abwechslung geht in den Chiemgauer Alpen kaum!

Für wen die Tour nix ist

Jeder, der der Herausforderung nicht gewachsen ist, sollte diese Route hinauf meiden, da es mitunter lebensgefährlich werden kann!

Wir starten unsere Tour am Parkplatz beim Holzknechtmuseum Ruhpolding. Dort begeben wir uns in südliche Richtung, wohin noch alle anderen Touren angeschrieben sind. Noch ist alles gut angeschrieben, sodass wir den Wegweisern mal nach links, mal nach rechts folgen. Eine Dreiviertel bis ganze Stunde später zweigt unser Weg nach rechts ins Mittlere Kraxenbachtal ab. Der bequeme, aber langweilige Forstweg ist nun perdü und weicht einem abenteuerlichen Steig. Dem Lauf des Kraxenbaches folgend geht es nun immer steiler werdend hinauf.

Ein kurzer Lichtblick an einem sonst so bewölkten Tag.

Hin und wieder müssen wir diesen sogar queren wie auch dass wir den einen oder anderen Baum übersteigen müssen! Eindreiviertel bis zwei Stunden, nachdem wir ins Tal eingebogen sind, gelangen wir an eine kleine Hütte, an der es sich anbietet, eine Rast einzulegen. Von dort aus dauert es sich nicht mehr lange und wir befinden uns im „Großen Sand“. Es scheint, dass man schnell durch ist, doch je mehr Meter man nach oben macht, desto mehr wird einem bewusst, dass der Spaziergang jetzt vorbei ist.

Schroffe Felswände umschließen die karge Altschnee- und Gesteinswüste. Je nachdem, wann die Tour durchgeführt wird, sollten irgendwann Grödel angezogen werden, da es sich empfiehlt, auf dem Schneefeld in Richtung Schlüsselstelle zu steigen. Man kann zwar auch rechts entgegenklettern, dort sollte man sich seiner absolut sicher sein, da man sich in sehr absturzgefährdetem Gelände befindet! Ist das Schneefeld traversiert, wartet nun IIer-Kletterei auf uns! Zum Glück ist die Route einigermaßen gut markiert, sodass man sich in der Wand selbst schlecht versteigen kann. Dennoch täte es mal gut, über die bestehenden Markierungen mit sichtbarerer Farbe drüber zu malen...

Dieses steile Schneefeld muss im Frühsommer noch erstiegen werden.

Eine gute Viertelstunde im Kamin und schon haben wir das Gröbste überwunden. Auf der Reifelscharte angekommen warten nun noch der Westgrat des Sonntagshorns auf uns. Mal durch Latschen, mal in leichterer IIer-Kletterei geht es nun kontinuierlich dem Gipfel entgegen, den wir nach einer weiteren guten Stunde erreichen. Berg Heil! Für den Abstieg empfiehlt es sich nun, entweder über das Hintere Kraxenbachtal abzusteigen. Dies sollte aber nur bei stabilem Wetter und trockenen Verhältnissen in Erwägung gezogen werden. Wem dies zu heikel ist, kann auch ins Heutal absteigen und kommt von dort aus über den Staubfall und das Fischbachtal wiederum zum Ausgangspunkt (einfach, aber lang!).

Die passende Bekleidung und Ausrüstung zum Wandern und für andere Outdooraktivitäten, finden Sie bei McTREK im Aicherpark Rosenheim.

Schmalzgruber

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