Wander-Tipp: Weglos, aber menschenleer

(Strohn)schneidig auf den „Felln“

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Hinter dem Schild geht es gleich in den Wald.

Ruhpolding – Jeden Freitag lesen Sie hier unseren Wander-Tipp. Dieses Mal geht es auf anderen Wegen auf den Traunsteiner Hausberg und einem der Wächter des Chiemgaus, den Hochfelln. 

Viele Wege führen auf den Hochfelln: Einer per Seilbahn, der andere an der Bründlingalm vorbei, von Ruhpolding kann man den Gipfel über die Thoraualm erwandern, schwieriger ist der Weg über das Weißachental. Der tollste, weil menschenleere Weg auf den Berg ist jedoch der über die Strohnschneid. Aber schon mal vorab: Dieser Weg bleibt Bergfreunden vorbehalten, die sich gut zu orientieren wissen!

Die Wanderung im Überblick

  • Berg/Gipfel: Hochfelln, Chiemgauer Alpen, 1674 Meter
  • Höhenmeter der Wanderung: circa 800
  • Wanderparkplatz/Adresse fürs Navi: Kleiner Wanderparkplatz unterhalb der Steinbergalm, kostenlos 
  • Gehzeit: Zweieinhalb bis dreieinhalb Stunden 
  • Schwierigkeit: Schwierigste Route auf den Hochfelln! Neben Trittsicherheit ist vor allem gute bis sehr gute Orientierung gefragt! 
  • Einkehrmöglichkeiten: Steinbergalm, 990 Meter ; Hochfellnhaus, 1670 Meter (höchster gastronomischer Betrieb im Chiemgau)
  • Wann sollte man aufpassen? Zweimal müssen große Wiesen überquert werden. Der Weiterweg ist jeweils am höchsten Punkt der Umzäunung zu finden. Laub und Gestrüpp machen die Wegfindung zusätzlich schwer. 
  • Ist die Wanderung für Anfänger geeignet? 0/5 Punkte: Dadurch, dass der Weg auf die Strohnschneid sehr schwierig zu finden ist, sollten Anfänger besser auf die Route über die Bründlingalm ausweichen. 
  • Für Familien mit Kindern geeignet? 0/5: Auch für Kinder ist die Route nix: zum einen durch besagte Verstecktheit des Weges, andererseits auch wegen der Steilheit. 
  • Für Hunde geeignet? 2/5: Sofern Herrchen und/oder Frauchen mit Wegfindung betraut sind, eine tolle Tour. Ansonsten auch hier auf die anderen Routen ausweichen. 
  • Lohnt der Gipfel-Ausblick? 5/5: Ist der Weg auf die Strohnschneid erst einmal gefunden, ist die Aussicht die beste aller Wege auf den „Felln“! Mit jedem Höhenmeter wird die Aussicht größer, die am Ende vom Bayerischen Wald auf der einen Seite bis zu den Hohen Tauern auf der anderen reicht!

Drei Gründe, warum sich die Wanderung lohnt

Natur pur: Während der Hochfellngipfel und die Bründlingalm doch sehr verbaut sind, kann man hier die Schönheiten der Natur erleben, großteils ganz ohne menschliche Eingriffe. 

Die Herausforderung: Wer weder Markierung noch Navi braucht, ist auf dieser Tour genau richtig! Markierungen findet man hier nämlich keine, man muss sich also gänzlich darauf konzentrieren, die Führung des Weges zu lesen. 

Ruhe und Einsamkeit: Während sich besonders auf der Route über die Bründlingalm die Menschenmassen hochschrauben, ist der Weg über die Strohnschneid das genaue Gegenteil. Unter Umständen kommt man keiner einzigen anderen Person auf der ganzen Tour entgegen!

Startpunkt unserer Tour ist der Parkplatz unterhalb der Steinbergalm, den wir leicht über eine Fahrstraße von Ruhpolding erreichen können. Zuerst laufen wir gut 200 Meter die Straße hinunter, dann geht’s kurz nach dem Straßenschild in den Wald hinein. Ab hier müssen wir achtsam sein: das Laub lässt nicht immer erkennen, wo es lang geht. Gute 10 Minuten später sind wir auf der ersten großen Wiese. Diese überqueren wir nach Möglichkeit direkt, den Wald lassen wir rechts liegen. Am höchsten Punkt liegt ein Übertritt, der uns auf eine weitere Weide führt. 

Jetzt geht es an weidenden Kühen vorbei.
Der Wilde Kaiser von näher.

Auf dem Feldweg könnten wir nun nach links abbiegen, kurz nach einer Senke läge rechts ein anderer Weiterweg. Wir entscheiden uns aber, rechts zu gehen. Nachdem wir die kleine Strohnalm passiert haben, statten wir nämlich noch der Felskapelle einen Besuch ab, die dem Heiligen St. Michael geweiht ist. Dort sind auch viele Bilder von Leuten, die am Hochfelln ihr Leben gelassen haben. Weiter geht’s im Auf und Ab auf dem Feldweg, der nun mehr und mehr ansteilt. Bald gelangen wir auf eine weitere Weide, die wir rechts von einer kleinen Hütte wieder verlassen. Nun durch den Wald und erneut auf eine Wiese. Dort muss wieder der höchste Punkt der Umzäunung angepeilt werden. Ist dieser gefunden, ist der orientierungstechnisch schwierigste Teil der Tour geschafft! 

Auf schmalem, aber nun immer sichtbarem Wege geht es nun steil hinauf und durch die dichten Latschen wird der Ausblick immer toller: Zuerst auf die Brünndlingalm und den Chiemsee, dann immer weiter und weiter ins Alpenvorland. Nach gut eineinhalb Stunden stehen wir dann endlich auf dem Gipfel der 1484 Meter hohen Strohnschneid. Von dort grüßt auch schon unser heutiges Gipfelziel, der Hochfelln herüber! Auf dem Grat halten wir uns nun eine halbe bis dreiviertel Stunde auf, immer wieder sind leichte Kletterfertigkeiten gefragt. Die letzte halbe Stunde bis zum Gipfel ist es dann mit der Ruhe vorbei: unser Weg vereinigt sich mit der Hauptroute und andere Menschen werden uns nun wieder öfter unterkommen. Alles in allem geht es das letzte Stück jetzt aber unschwierig weiter und nach ein paar Serpentinen sind wir oben! Berg Heil! Für den Abstieg ist die leichte Route über die Bründlingalm zu empfehlen, da man sich dort eher schlecht verlaufen kann.

Der Wander-Tipp in Bildern: (Strohn)schneidig auf den „Felln“

Simon Schmalzgruber

Quelle: rosenheim24.de

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