Unser Wander-Tipp fürs Wochenende

Die Königin der Touren im Landkreis Traunstein: Staufen-Überschreitung

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Der Staufen im Abendlicht vom Högl aus.

Inzell/Adlgaß - Freitag lesen Sie hier unseren Wander-Tipp. Dieses Mal geht es von Adlgaß zu einer der längsten Bergtouren im Landkreis Traunstein: der Staufen-Überschreitung.

Wie der Wächter des Rupertiwinkels steht er da, der „Staffa“. Damit ist aber nicht der Hochstaufen gemeint, wie er im Volksmund gerne genannt wird, sondern vielmehr der gesamte Gebirgsstock. Nicht nur der Hochstaufen findet sich darin, sondern beispielsweise auch Gamsknogel, Zwiesel und Mittelstaufen, welche heute allesamt bestiegen werden. Es wartet auf uns eine großartige Tour, deren Rang vielleicht nur noch vom Sonntagshorn-Nordanstieg streitig gemacht werden kann.

Die Wanderung im Überblick

Berg/Gipfel: Gamsknogel, 1.750 Meter , Zwiesel, 1.782 Meter, Zennokopf, 1.756 Meter, Mittelstaufen, 1.610 Meter, Hochstaufen, 1.772 Meter, Chiemgauer Alpen

Höhenmeter der Wanderung: 1.480 Höhenmeter

Wanderparkplatz/Adresse fürs Navi: Parkplatz Adlgaß, 83334 Inzell

Gehzeit: zehn Stunden

Schwierigkeit: Lange und kräftezehrende Tour, Kondition und Trittsicherheit müssen unbedingt vorhanden sein!

Einkehrmöglichkeiten: Forsthaus Adlgaß am Anfang der Tour, Reichenhaller Haus, 1.750 Meter

Wann sollte man aufpassen? Ein Großteil der Tour bewegt man sich auf dem Grat, der mal mehr, mal weniger ausgesetzt wird und zudem leichte Kletterstellen (UIAA I) aufweist. Zudem bewegt man sich über große Zeit der prallen Sonne ausgesetzt im Bergmassiv. Angesichts keiner existenten Stärkungsmöglichkeit zwischen Gamsknogel und Hochstaufen sollte also an 4-6 Liter Wasser im Gepäck gedacht werden, um Dehydration zu vermeiden. Außerdem muss unbedingt beachtet werden, dass die Tour nur bei stabilen Wetterverhältnissen unternommen werden kann!

Ist die Wanderung für Anfänger geeignet? 1/5 Punkte: Aufgrund der Länge der Tour kommt die Staufen-Überschreitung nur für Bergsteiger mit hinreichender Erfahrung infrage, die mit Kletterstellen betraut sind. Eine Tour auf den Hochstaufen oder den Zwiesel kann allerdings zumindest versucht werden.

Für Familien mit Kindern geeignet? 2/5: Nur Kinder mit absolut erfahrenen Papas und Mamas sollten diese Bergfahrt unternehmen, da der Weg stellenweise viel zu schmal und ausgesetzt für Kinderbeine ist.

Für Hunde geeignet? 2/5: Selbiges gilt für Hundehalter: Nur wenn bereits Touren von derartigem Kaliber unternommen wurden, kann die Staufen-Überschreitung in Angriff genommen werden.

Lohnt der Gipfel-Ausblick? 5/5: So mühsam all die Strapazen wie unter anderem gut 300 Höhenmeter tiefe Abstieg ins Roßkar und dem folgenden Gegenanstieg, so grandios ist die Aussicht. Durch seine nach Norden exponierte Lage überzeugt nicht nur der Tiefblick zu Frillensee und ins gesamte Alpenvorland östlich des Chiemsees, sondern auch der Ausblick nach Süden, der sich bei jedem Gipfel ein bisschen ändert, kann sich sehen lassen: Die nahen Bergstöcke der Berchtesgadener Alpen zeigen sich von einer eindrucksvollen Seite, ebenso wie das Kaisergebirge im Westen, Dachstein im Osten und im Süden Teile der Hohen Tauern und der Zillertaler Alpen.

Drei Gründe, warum sich die Wanderung lohnt

Die Aussicht: Aufgrund der langen Zeit auf dem exponierten Grat hat man glatt das Gefühl, zu fliegen, wandert man doch so hoch zwischen Saalachtal und Alpenvorland. Doch auch auf andere Erhebungen hat man eine tolle Sicht: Wie an einer Perlenkette aufgereiht zeigen sich die markantesten Bergstöcke der Berchtesgadener Alpen in der Nähe, Dachstein, Großglockner und Großvenediger präsentieren sich in der Ferne.

Einsamkeit: Herrscht auf Hochstaufen und Zwiesel meist viel Betrieb, so ist die Passage zwischen den beiden Bergen, das genaue Gegenteil. Unter Umständen kommt einem auf dem gut zweieinhalbstündigen Part niemand entgegen. Perfekt also für diejenigen, die die Ruhe und die Einsamkeit suchen und in sich gehen wollen!

Abwechslung: Wandert man erst über Almwiesen, dann durch einen Urwald empor, wird das Gelände mit zunehmender Höhe immer schrofiger und steiler. Zwischen Zwiesel und Hochstaufen gelangt man dann vom Latschenwald in die karge Kalksteinwüste des Roßkars, ehe der Gegenanstieg wieder fruchtbarere Vegetation verspricht.

Auf geht's!

Wir starten unsere große Unternehmung am Parkplatz Adlgaß. Da wir früh aufbrechen sollten, um der (Nach-)Mittagshitze zumindest teilweise zu entgehen, haben wir weniger Probleme, einen Parkplatz finden, als diejenigen, die „nur“ Frillensee, Hochstaufen oder Zwiesel ansteuern. Die „klassische“ Staufen-Überschreitung führt eigentlich über den „Staffa“ ins Roßkar hinunter, wieder zum Zwiesel hinauf, rüber zum Gamsknogel und via Kohleralm zurück zum Parkplatz. Um uns den Schlenker zu ersparen, den wir über die Kohleralm machen müssten, gehen wir aber andersrum und fokussieren uns auf das, was diese Tour ausmacht: Die herrliche Gratwanderung im östlichsten Bergstock der Chiemgauer Alpen. Nach gut fünf Minuten und einem gemütlichen Aufstieg über die schon mehrmals ausgebesserte Asphaltstraße erreichen wir schon das Forsthaus Adlgaß. Dies können wir uns merken, wenn wir uns nach der Tour für die geleisteten Anstrengungen kulinarisch belohnen wollen. Wir schlängeln uns durch den Biergarten und gelangendurch ein Drehkreuz auf die Almwiese. 

Erste Ausblicke auf den Chiemsee ergeben sich!

Nach gut 100 Metern treten wir in den Wald ein. Zuerst über einen schmalen und komfortablen Sandweg, bald aber schon über einen kleinen Pfad geht es angenehm schattig empor. Verlaufen können wir uns schlecht, denn der Weg zum Zwiesel hinauf ist gut ausgeschildert! Nach gut eineinviertel Stunden bekommen wir erste Ausblicke: Einerseits ins Salzachtal, andererseits zum Chiemsee rüber. Mit zunehmender Höhe wird das Gelände steiler und schrofiger, hin und wieder müssen wir zum ersten Mal die Hände zur Hilfe nehmen. Nach gut zwei Stunden geht die Tour richtig los: Die Zwiesel-Nordseite mit ihrem schattigen (Latschen-)Wald liegt hinter uns, nun befinden wir uns auf dem Grat, auf dem sich von 1350 bis 1810 die Grenze zwischen Österreich und Deutschland befand; heute befindet sich dort die Grenze zwischen den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land. Ein Wegweiser zeigt uns an, dass der Gamsknogel nur noch 15 Minuten von uns entfernt ist. Auch wenn dieser nicht auf unserem eigentlichen Tourenverlauf liegt, einen Besuch ist er wert, zumal man dadurch schon mal ein Gespür dafür kriegt, was die nächsten drei, vier Stunden auf uns zukommen wird. 

Über den latschig-schrofigen Bergrücken geht es zügig zum 1.750 Meter hohen Westabschluss des Grates, an dem wir kurz vor unserem ersten Gipfelkreuzerstmals am Stahlseil anpacken müssen. Nach kurzer Rast mit tollen Ausblicken auf Inzell, den Chiemsee und die Chiemgauer Alpen drehen wir wieder um und wenden uns dem höchsten Punkt unserer Tour, dem 1.782 Meter hohen Zwiesel, zu. Wieder durch Latschen, Schrofen und an Seilen vorbei treffen wir wieder auf den Wegweiser, der uns30 Minuten zu unserem nächsten Gipfel veranschlagt. Immer mal wieder am Seil und steilen Felswänden entlang scheint der Schwierigkeitsgrad langsam, aber sicher zu steigen. Kurz nachdem wir den Zwiesel erreicht haben, ist mit dem 1.756 Meter hohen Zennokopf unser nächstes Gipfelkreuz in greifbarer Nähe, den wir in nicht mal fünf Minuten erreicht haben. Hier bietet es sich an, noch einmal ordentlich Kraft zu tanken, denn jetzt warten über 300 Meter Abstieg ins Roßkar und ein genauso anstrengender Gegenanstieg auf uns. 

Wahrlich majestätisch: Die Staufen-Überschreitung

Blick in das karge Roßkar hinunter.

Schier unüberwindbar und abschreckend scheint der zweieinhalbstündige Weiterweg zum Hochstaufen hinüber. Und dennoch merken wir bei den ersten Abstiegsmetern, dass es garnicht so schlimm wird: Wirklich heikle Passagen wie ein bedrohlich vor uns stehender Pfeiler ziemlich am Anfang werden lässig rechts umgangen. Mit dem Einbüßen von immer mehr Höhenmetern bekommen wir auch mehr und mehr von unserem Weiterweg zu sehen: Plötzlich erkennen wir, dass auch den steil über dem Roßkar aufragenden Kalktürmen durch einen schmalen Pfad rechts ausgewichen wird. Durch den schattigen Latschenwald geht es weitgehend angenehm immer tiefer und tiefer, bis dertiefste Punkt der Überschreitung des Bergstocks erreicht ist. Mit Blick auf Bad Reichenhall hinunter überqueren wir diese doch recht eindrucksvolle Schotterhalde, ehe nun der anstrengendste Teil der Tour folgt. Mal mit, mal ohne Seil geht es über den Latschenwald wieder hinauf und haben dabei keine Chance, der nun gnadenlos brennenden Nachmittagssonne zu entkommen. 

Diesem gefährlichen Felsturm wird rechts ausgewichen.

Die Kombination von heißen Temperaturen und hoher körperlicher Belastung machen diesen Part zu einem wahrlichen Kraftakt. Teilweise geht es nun sehr ausgesetzt zwischen Felswand und Abgrund weiter in Richtung Mittelstaufen, unserem nächsten Etappenziel. Immerhin bleibt uns aber das Überklettern weiterer bedrohlicher Felspfeiler erspart. Glücklicherweise ist der Weggut markiert, weswegen wir uns auch hier schlecht verlaufen, beziehungsweise versteigen können. Über zahlreiche, mit Seilen entschärfte Steilstufen und erste Vorgipfel gelangen wir immer näher an den Mittelstaufen, bis er nach gut zweieinviertel Stunden ab Zwiesel erreicht ist. Völlig unscheinbar steht die breite Wiesen- und Latschenfläche des 1.610 Meter hohen Gipfels zwischen den bedrohlichen Felstürmen inmitten des Bergstocks. 

Auch auf Salzburg hat man einen tollen Blick!

Eine Viertelstunde später sind die letzten Seilsicherungen überwunden und wir befinden uns auf dem von Reichenhall kommenden Normalweg – endlich! Wenig anspruchsvoll geht es auf nun wieder breiteren Wegen zügig in Richtung Hochstaufen. Der Kulminationspunkt ist schon in Sichtweite, allerdings müssen wir ein letztes Mal an einem Felswandl vorbeischlüpfen. Auf den letzten Höhenmetern bergauf geht es an Reichenhaller Haus und Staufenkapelle vorbei und nach sieben anstrengenden Stunden haben wir das fünfte und letzte Gipfelkreuz unserer Tour erreicht! Durch die geleistete Arbeit können wir nun umso mehr den herrlichen Blick auf Reichenhall, Salzburg, das Alpenvorland, die Berchtesgadener Alpen sowie Dachstein und Tauern genießen. Sollte die Brotzeit aufgebraucht sein, kann man sich am Reichenhaller Haus, das mit einer Lage auf 1.750 Metern Höhe die höchstgelegene Hütte der Chiemgauer Alpen ist, stärken, ehe es wieder an den Abstieg geht. 

Dieser verläuft jedoch wieder schattig über die Nordseite, sodass man nicht mehr allzu großen Anstrengungen unternehmen muss. Manchmal ist noch unsere Konzentration und Trittsicherheit gefragt, aber nach gut zweieinhalb Stunden sind wir endlich wieder an unserem Ausgangspunkt angelangt. Erschöpft, aber glücklich können wir nun unsere gut zehnstündige Tour ausklingen lassen – ob am nahen Forsthaus Adlgaß, einer anderen Einkehrmöglichkeit oder daheim bleibt jedem selbst überlassen!

Die passende Bekleidung und Ausrüstung zum Wandern und für andere Outdooraktivitäten, finden Sie bei McTREK im Aicherpark Rosenheim.

Simon Schmalzgruber

Quelle: rosenheim24.de

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