Von Pürzlbach auf den Hochkranz

Ein Kalk-Klotz zwischen drei Gebirgsgruppen

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Abschreckend bauit sich der Hochkranz kurz vorm Beginn des Ostgrats auf.

Weißbach bei Lofer – Jeden Freitag lesen Sie hier unseren Wander-Tipp. Dieses Mal geht es vom Wanderparkplatz Pürzlbach auf den Hochkranz.

Der Hochkranz ist im Vergleich zu seinen prominenten Nachbarn der Loferer und Leoganger Steinberge sowie der Berchtesgadener Alpen eher unbekannt. Zu unscheinbar steht er zwischen den kahlen Zweitausendern. 


Und dennoch besticht dieser Berg in mehreren Aspekten: Einerseits stehen dem Ersteiger zwei Optionen, eine latschige und eine luftige, offen, andererseits gelangt man in vergleichsweise kurzer Zeit auf diesen Kalk-Klotz am Rande der Kallbrunnalm. Und nicht zuletzt kann sich auch das Panorama sehen lassen: Während Watzmann, Hocheisspitze und Reiter Alm zum greifen nah scheinen, grüßen aus der Ferne die Tauern und das Karwendel. Gute Gründe also, diesen Berg in Angriff zu nehmen.

Die Wanderung im Überblick

Berg/Gipfel: Hochkranz, Berchtesgadener Alpen, 1.953 Meter


Höhenmeter der Wanderung: Circa 1.000 Höhenmeter

Wanderparkplatz/Adresse fürs Navi: Parkplatz P 2, Pürzlbach 2, 5093 Pürzlbach (Gebühr: 2 Euro)

Gehzeit: Zweieinhalb bis drei Stunden.

Schwierigkeit: Je nach Route luftige IIer-Kletterei über den Ostgrat, oder seilversichert über Latschen auf den Gipfel; schwierig

Einkehrmöglichkeiten: Jausenstationen Pürzlbach, Kallbrunnalm (1.454 Meter)

Wann sollte man aufpassen? Bis zum Kühkranz leichte Wanderung durch Weidegebiet (Vorsicht Kühe!), danach je nach Route ausgesetzte Kletterei oder seilversichert steil nach oben: Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind vonnöten!

Ist die Wanderung für Anfänger geeignet? 1/5 Punkte: Jeder Weg nach oben ist mit „schwarz“ gekennzeichnet, darum sollten Anfänger eher auf's benachbarte Seehorn ausweichen, das zwar länger, aber technisch einfach ist.

Für Familien mit Kindern geeignet? 2/5: Nur Kinder mit Erfahrung im Klettern sollten sich auch auf den Hochkranz wagen, zu ausgesetzt und steil ist manchmal das Gelände.

Für Hunde geeignet? 1/5: Auch für Hunde ist dieser Berg aufgrund der steilen Passagen eher tabu. Zudem könnte die Passage durch die Almweiden zusätzlich problematisch werden.

Lohnt der Gipfel-Ausblick? 4/5: Die hohen Berge rundrum erlauben fast kein weitreichendes Panorama, aber dennoch schöner Blick auf den Pinzgau mit den Hohen Tauern, die Berchtesgadener Alpen, die Loferer und Leoganger Steinberge bis zum Karwendel und Rofan in Tirol.

Drei Gründe, warum sich die Wanderung lohnt

Die Aussicht: Zwischen 300 und 760 Meter höher sind die umliegenden Berge des Hochkranzes. Und dennoch kann der Hochkranz aufgrund seiner recht exponierten Lage überzeugen, weswegen eine vergleichsweise schöne Aussicht gegeben ist.

Kallbrunnalm: 16 bayerische und 14 österreichische Bauern bewirten das 253 Hektar umfassende Gebiet der Kallbrunnalm in Form einer Agrargemeinschaft, was sie zur größten zusammenhängenden Almfläche der Berchtesgadener Alpen macht. Nicht alle Gebäude werden für die Landwirtschaft genutzt, an einigen kann auch Essbares erstanden werden. Außerdem ist die Lage ideal, um sich nach dem Gipfelsieg zu stärken.

Abwechslung: Steigt man zuerst über dichten Wald und einen Fahrweg Richtung Kallbrunnalm auf, lichten sich die Bäume ab ungefähr 1.400 Metern. Dann über blumenreiche Almwiesen und Latschen auf das Plateau des Kühkranzes, ehe beim Gipfelsturm geklettert werden muss.

Los geht's

Der Nebel lichtet sich und unser heutiges Ziel wird sichtbar!

Wir starten am Parkplatz Pürzlbach, den wir durch eine kleine Straße, die von der Hirschbichlstraße abzweigt, erreichen. Dort passieren wir erst eine Schranke, dann können wir nach fünf Minuten entscheiden: Rechts über die Straße, aber länger, oder links kürzer über den Steig. Nach gut 20 Minuten stoßen wir zum ersten Mal in den Wald. Nach einer halben Stunde zweigt der Weg von der Fahrstraße ab und wir gehen über eine kleine Brücke, überqueren einen Quellbach. Nach einem scheinbar kurzen Stück zurück wird erstmalig der Blick auf unser heutiges Ziel frei und durch eine Rechtskurve sind wir bestätigt, auf dem richtigen Weg zu sein. Bald lichtet sich der Wald und auch der Fahrweg vereinigt sich wieder mit unserem. Doch nicht lange: Vor den Jausenstationen geht’s wieder links weg und wir schrauben uns über Serpentinen nach oben. Noch ist der Weg breit, aber zwanzig Minuten nach dem Abzweig verabschieden wir uns endgültig davon uns wechseln auf einen schmalen Pfad, der mäßig steil nach oben führt. 

Ein luftiger Aussichtsberg im Reich von Watzmann & Co.

Steil ragt der Gipfelbereich des Hochkranz vom unweit entfernten Kühkranz auf. © Simon Schmalzgruber
Unser Startpunkt hüllt sich in dichten Nebel. © Simon Schmalzgruber
Gute fünf Minuten nach Start unserer Tour haben wir die Wahl: links kürzer, aber unwegsamer, oder rechts, länger und bequemer. © Simon Schmalzgruber
Bald vereinigen sich die Wege aber wieder. © Simon Schmalzgruber
Der Nebel und die Brücke, die wir gleich überqueren werden, geben diesem Teil der Tour einen geheimnisvollen Touch! © Simon Schmalzgruber
Bald wird der Nebel aber lichter... © Simon Schmalzgruber
...bis wir ihn schließlich hinter uns lassen. © Simon Schmalzgruber
Naja okay, zwei oder drei Nebelflecken müssen wir dann schon noch durchqueren!  © Simon Schmalzgruber
Kurz vor den Einkehrmöglichkeiten der Kallbrunnalm biegen wir links ab. © Simon Schmalzgruber
Gut eine Stunde sind wir laut den Wegweisern schon unterwegs und es sind nur noch rund 540 Höhenmeter zu absolvieren. © Simon Schmalzgruber
Weiter den Fahrweg hinauf. © Simon Schmalzgruber
Nun wieder links! © Simon Schmalzgruber
Der Fahrweg endet und wir betreten den Steig. © Simon Schmalzgruber
Ein Feeling wie man es auch von Schottland oder Irland kennt! © Simo n Schmalzgruber
Ein Weidezaun wird jetzt überwunden! © Simon Schmalzgruber
Wir nähern uns der Nebelgrenze... © Simon Schmalzgruber
...und endlich: strahlend blauer Himmel! © Simon Schmalzgruber
Wir müssen noch eine Latschengasse durchqueren, dann sind wir schon am Fuße des Hochkranz. © Simon Schmalzgruber
Hier trennen sich die Wege: Links geht's über den Normalweg, rechts in IIer-Kletterei via Ostgrat zum Gipfel. © Simon Schmalzgruber
Option Eins, Ostgrat. © Simon Schmalzgruber
Ein erster Vorgeschmack... © Simon Schmalzgruber
...und plötzlich wird's luftig! © Simon Schmalzgruber
Rasch gewinnen wir jetzt an Höhe. © Simon Schmalzgruber
Dies ist das einzige Seil am Ostgrat, ansonsten muss frei geklettert werden! © Simon Schmalzgruber
Und nochmal ein kleiner Rückblick. © Simon Schmalzgruber
Die beste Route müssen wir uns auf dem Grat stets selbst suchen! © Simon Schmalzgruber
Auch wenn diese Felsen auf den ersten Blick unüberwindbar erscheinen, sind sie in Wirklichkeit mit ein paar Griffen zu überwinden. © Simon Schmalzgruber
Ein seltenes Naturschauspiel: Schwach sind ein sogenanntes "Brockengespenst" mitsamt einer regenbogenfarbigen Glorie zu sehen. © Simon Schmalzgruber
Diese Felsen noch und dann sind wir wieder auf dem Normalweg! © Simon Schmalzgruber
Option zwei: Normalweg. © Simon Schmalzgruber
Wir büßen erst mal ein paar Höhenmeter ein... © Simon Schmalzgruber
...aber keine Angst: Im Nebel landen wir nicht mehr... © Simon Schmalzgruber
...denn jetzt geht es wieder bergauf! © Simon Schmalzgruber
Hier helfen uns mehr Seile beim Aufstieg... © Simon Schmalzgruber
...wie auch durch diese Latschengasse. © Simon Schmalzgruber
Einmal noch hochalpiner Dschungel, bevor der Gipfel erreicht ist. © Simon Schmalzgruber
Unter Umständen muss man sich gar bücken! © 
Langsam wird es lichter... © Simon Schmalzgruber
Sogenannte "Bierhenkel" helfen uns kurz unter dem Gipfel. © Simon Schmalzgruber
Auf 1.953 Metern über dem adriatischen Meer thront das Gipfelkreuz, so wie auch wir gleich auf der Bank thronen werden! © Simon Schmalzgruber
Unsere Aussicht erstreckt sich bei klarem Wetter neben dem Steinernem Meer auch bis zur Goldberggruppe, die sich aber leider großteils in Wolken hüllt... © Simon Schmalzgruber
...zumindest lassen sich die nördlichen Dreitausender der Glocknergruppe blicken: © Simon Schmalzgruber
Der Fuscher-Kapruner Kamm mit Kempsenkopf (3.090 Meter), Hoher Tenn (3.368 Meter), Großes Wiesbachhorn (3.564 Meter), Bratschenköpfen (3.413 Meter / 3.400 Meter) und Klockerin (3.422 Meter) © Simon Schmalzgruber
Der Großglockner zeigt wiederum nur seinen Trabanten, die Glocknerwand (3.721 Meter) © Simon Schmalzgruber
Das stark erschlossene Kitzsteinhorn (3.206 Meter) wird noch von den Wolken verschont, während sich am Hocheiser (3.206 Meter) knapp zwei Kilometer weiter die Wolken brechen. © Simon Schmalzgruber
Der Blick nach Westen zeigt neben dem Kitzbüheler Horn (1.996 Meter) die Bergwelt des Karwendels und des Rofans... © Simon Schmalzgruber
...in welchem der Guffert (2.194 Meter) die markanteste Erhebung ist! © Simon Schmalzgruber
Hinter dem Kitzbüheler Horn erhebt sich das Karwendel. © Simon Schmalzgruber
Von den Chiemgauer Alpen sind allerdings nur Reifelberg (1.909 Meter) und Sonntagshorn (1.961 Meter) zu erkennen. © Simon Schmalzgruber
In den Loferer Steinbergen dominiert das Große Ochsenhorn (2.511 Meter) die Szenerie. © Simon Schmalzgruber
Südlich davon: Die Leoganger Steinberge mit dem spitz aufragenden Kuchelhorn (2.505 Meter), das aber nicht die höchste Erhebung des Bergstocks ist - das ist das Birnhorn (2.634 Meter) direkt dahinter. © Simon Schmalzgruber
Zu Hochkalter (2.607 Meter) und Watzmann (2.713 Meter) haben wir einen tollen Blick... © Simon Schmalzgruber
...wie auch zur Reiter Alm (2.286 Meter). © Simon Schmalzgruber
Der Grat, der über die Palfelhörner (2.222 Meter) dem Watzmann vorgelagert ist, markiert die deutsch-österreichische Grenze. © Simon Schmalzgruber
Die Hocheisspitze (2.523 Meter) bricht hingegen mit ihrer Südwestseite mehrere hundert Meter eindrucksvoll ab. © Simon Schmalzgruber
Über dem Nebelmeer ragen auch die Spitzen des Steinernen Meeres, die hier vor allem vom Großen Hundstod (2.594 Meter) präsentiert werden, der hinter dem Seehorn(2.321 Meter) aufragt. © Simon Schmalzgruber
Auch der Herbst hat seine wahnsinnig schönen Seiten! © Simon Schmalzgruber
Ein einziges Seil hilft uns, wenn wir den Berg über den Ostgrat besteigen.

Unterwegs muss einmal ein Zaun über eine Holzleiter überwunden werden, ansonsten ist das Ganzetechnisch noch nicht problematisch. Wir gewinnen immer mehr an Höhe und nach gut zwei Stunden unterwegs liegt uns der Hochkranz endlich zu Füßen. Nun können wir entscheiden: Entweder links durch die Latschen seilgesichert nach oben, oder geradeaus über den Ostgrat in ausgesetzter und ungesicherter IIer-Kletterei nach oben. Jede Variante hat ihren Reiz, für den Abstieg sollte man jedoch die erste Option ziehen. Kurz unterm Gipfel vereinigen sich die beiden Routen wieder und über „Bierhenkel“ geht es in wenigen Minuten zum höchsten Punkt des Hochkranzes. Berg Heil! Abstieg wie Aufstieg.

Die passende Bekleidung und Ausrüstung zum Wandern und für andere Outdooraktivitäten, finden Sie bei McTREK im Aicherpark Rosenheim.

Simon Schmalzgruber

Quelle: rosenheim24.de

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