Liebesfragen: Dorothea Perkusic beantwortet Deine Fragen rund um „Leben“ und „Liebe“

Was bedeutet es, für eine Beziehung zu „arbeiten“?

Ein Paar am Bodensee, Symbolbild Beziehung
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Paar am See (Symbolbild)

In unserer Service-Rubrik „Liebesfragen“ könnt ihr Dorothea Perkusic unter dem Betreff „Liebesfragen“ Eure Fragen rund um die Themen „Leben“ und „Liebe“ stellen. Jeder Ratsuchende bekommt von der Einzel- und Paartherapeutin eine persönliche Antwort. Ausgewählte Fragen werden immer montags hier anonymisiert veröffentlicht.

Frage eines Mannes:

Ich höre und lese immer mal wieder, dass man für eine gute Beziehung arbeiten muss. Was ist damit gemeint und worin besteht die Arbeit?

Dorothea Perkusic:

Vielen Dank für Ihre gute Frage! Der Begriff „Arbeit“ ist bei vielen Menschen leider eher negativ besetzt. Mühevoll, schweißtreibend, verpflichtend, immer im Modus des Aushaltens und Abwartens, bis das Wochenende naht. Daher mag diese Bezeichnung im Zusammenhang mit Liebe durchaus den ein oder anderen irritieren, steht dies doch zunächst nicht in Verbindung mit dem, was wir uns von einer Beziehung erhoffen: Leichtigkeit, Freude und mühelose Unbeschwertheit.

Eine Liebesbeziehung glücklich und am Laufen zu halten, ist sicherlich mit Arbeit verbunden, wir könnten es, um es angenehmer zu bezeichnen, auch etwas liebevoller „Pflege“ nennen. Nach der ersten Verliebtheitsphase, gefolgt von den ein oder anderen Streitereien, Verletzungen und Konflikten, wird es uns erschwert, diesen meist völlig unkomplizierten und sich gegenseitig geradezu verherrlichenden Zustand dauerhaft aufrecht zu erhalten.

Der Deckel passt plötzlich nicht mehr so ganz perfekt auf den Topf und es entstehen die ersten inneren, heimlichen Fragestellungen und Hinterfragungen, ob das Gericht, das wir da zubereiten, auch wirklich unseren Geschmack so genau trifft, wie wir dachten, oder ob unser emotionaler Hunger vielleicht doch nicht genährt werden kann. Es braucht dann persönlichen Einsatz und auch ein Stück weit Verpflichtung, das was uns kostbar ist, mit festem Blick aufeinander zu pflegen. Wir müssen der Zweisamkeit eine tiefere Bedeutung geben. Dazu braucht es eine echte Bereitschaft, wertschätzend und interessiert miteinander umzugehen und auch bei Meinungsverschiedenheiten im Austausch zu bleiben.

In einer Beziehung drücken wir laufend verbal und nonverbal unsere Empfindungen aus. Die positiven und auch die negativen, wie Unsicherheiten, Blockaden, Ängste, Wut, Enttäuschung. Dabei machen wir uns gegenseitig Angebote, doch bitte damit umzugehen, emotional verbindlich zu sein, sensibel, sicher und stabil. Für eine anhaltend glückliche Beziehung ist es wichtig, diese jeweiligen Befindlichkeiten nicht zu ignorieren, sich immer wieder aufzuraffen, sich einander zuzuwenden, einzulenken, aufmerksam zu sein, um nicht emotional abzukühlen. Das Gute am Partner und der Beziehung stärker zu gewichten, als das Negative, als seine Schwächen und Fehler.

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Paare die erstmal in einer Negativspirale gefangen sind, kommen da nur schwer raus, da sie das Tolle am Partner nicht mehr sehen und nur noch in Zweifeln und Enttäuschung baden und folglich inneren Rückzug antreten. Die Arbeit an der Beziehung besteht also im unermüdlichen Einsatz, einander zugewandt zu bleiben, zu begreifen, dass es nicht immer darum geht, Lösungen zu finden, sondern vielmehr um Akzeptanz und Achtung. Das sich Versteifen auf Lösungen und Pläne, führt häufig eher zu noch mehr Auseinandersetzungen, Missverständnissen und verletzender Distanz, durch den immer währenden Vorwurf „du verstehst mich einfach nicht“. Dies kommt einer Niederlage gleich.

Viel besser ist es daran zu arbeiten, sich erstmal nur zuzuhören und Empathie zu zeigen. Sich gegenseitig bewusst wahrzunehmen und zu fragen, was sind die Bedürfnisse, was ist bedrückend, was fehlt, wie geht es uns wirklich? Meistens spüren wir, was ist und das sollte angesprochen werden. Damit Beziehungen gelingen und Liebe erhalten bleibt, braucht es weniger große Gesten, als mehr die Kleinen. Neugierig zu bleiben, respektvoll miteinander umzugehen, sich liebevoll zu begegnen. Dies erfordert, wenn es nicht mehr ganz so leicht und unbeschwert geht, eine gewisse Disziplin. Ähnlich, wie sich zum Sport aufzuraffen, einfach weil man weiß, dass es einem gut tun wird und einen Mehrwert bringt, auch wenn wir nicht immer Lust darauf haben. Und genauso wie wir in unserem zu Hause die Böden wischen, erfordert auch unser Beziehungshaus Pflege, Instandhaltung und Hingabe… Das können wir selbst beeinflussen und sich die Mühe zu machen, die Bereitschaft dafür einzubringen und zu erhalten, ist das, was mit Arbeit gemeint ist.

Dorothea Perkusic

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