Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Dorothea Perkusic beantwortet Fragen rund um „Leben“ und „Liebe“

Ich ziehe mich in Beziehungen schnell zurück, kann es sein, dass ich ein Trauma habe?

In unserer Service-Rubrik „Liebesfragen“ können unsere Plus-Abonnenten Dorothea Perkusic unter dem Betreff „Liebesfragen“ Fragen rund um die Themen „Leben“ und „Liebe“ stellen. Jeder Ratsuchende bekommt von der Einzel- und Paartherapeutin eine persönliche Antwort. Ausgewählte Fragen werden immer montags hier anonymisiert veröffentlicht.

Frage eines Mannes: 

Ich bin 48 Jahre alt und seit fünf Jahren mit meiner Lebensgefährtin zusammen. Das ist die erste Beziehung, in der ich mich richtig wohl fühle. Nachdem ich nicht mehr der Jüngste bin, konnte ich mich schon ein paar Jahre selbst beobachten und dabei fällt mir auf, dass ich mich schnell zurückziehe, wenn es schwierig wird. Meine Freundin fühlt sich davon dann immer verletzt. Ich habe viel gelesen über Trauma und würde gerne wissen, ob es sein kann, dass ich in bestimmten  Situationen komisch reagiere, weil manche Dinge in meiner Kindheit quer gelaufen sind. Mein Vater war meiner Mutter gegenüber gewalttätig. Uns Kindern hat er meistens nichts getan aber ich musste oft dazwischen gehen (ich bin der Älteste  von drei Kindern), wenn er meine Mutter geschlagen hat. Kann es sein, dass ich deswegen Schwierigkeiten in meinen eigenen Beziehungen hatte? Wie kann ich erkennen, ob ich ein Trauma habe? 

Antwort von Dorothea Perkusic:

Es tut mir leid für Sie, dass Sie in Ihrer Kindheit soviel Leid erfahren mussten. Was Sie erlebt haben, ist sehr schlimm. Die von Gewalt in der Kindheit betroffenen Opfer erlebten es häufig noch bedrohlicher, wenn sie miterleben mussten, dass  einem anderen Familienmitglied und erst recht der Mutter Gewalt angetan wird, als wenn sie selbst geschlagen und misshandelt wurden.  

Dass solch schlimme Erfahrungen Sie in Ihren Gefühlen und Reaktionen zu einem großen Teil geprägt haben, ist völlig normal und die daraus entstandenen Verhaltensmuster sind die logische Konsequenz. Genau das wirkt sich dann auch auf spätere, eigene Beziehungen im Erwachsenenalter aus. Es ist gut, dass Sie sich selbst in Ihren Reaktionen beobachten und hinterfragen, denn genau so, können Sie etwas nachhaltig verändern und aus alten Verhaltensmustern bewusst  aussteigen. So können tiefe Verletzungen heilen, denn Sie übernehmen als nun erwachsener Mann Verantwortung für Ihr Befinden und können nur wenn Sie sich selbst gut spüren können auch mitteilen, was Sie brauchen. 

Ich nenne ein paar Beispiele, die Hinweis geben können, auf mögliche Traumata. 

  • 1. Wenn Sie sich häufig wie ohnmächtig fühlen, ausgeliefert, handlungsunfähig,  machtlos, wie gelähmt, erstarrt. 
  • 2. Wenn Sie Probleme haben zu vertrauen, immer misstrauisch und in Hab-acht Stellung sind und alles hinterfragen, in einer kaum erklärlichen, inneren  Überzeugung, dass nichts wirklich gut ist.
  • 3. Das bedingt, dass Sie stets wachsam sind und eben misstrauisch.
  • 4. Wenn Sie Angst haben vor Ablehnung.
  • 5. Wenn Sie Verlustängste und/oder Bindungsängste haben, die Ihnen „eigentlich“ unbegründet erscheinen. Die Begründung liegt möglicherweise nicht im Heute, sondern in den früheren Erfahrungen. 
  • 6. Wenn Sie ein hohes Maß an Leidensfähigkeit an sich feststellen. Indem Sie beispielsweise in für Sie schädlichen Situationen verharrt haben (siehe Gefühl der Starre und Ohnmacht) oder im Gegenteil, sofort die Tür hinter sich zuschlagen und dadurch nicht in der Lage sind, Konflikte konstruktiv auszutragen. Von Gewalt betroffene Opfer befinden sich oft in einer stetigen  Wiederholung, toxischer Beziehung. 
  • 7. Wenn Sie sich in bestimmten Situationen als emotional taub erleben. Passivität, Vermeidung und Rückzug waren früher Überlebensstrategien! 
  • 8. Wenn Sie häufig Scham- oder Schuldgefühle haben und ein schlechtes  Selbstwert-Gefühl. 

Dies sind nur ein paar Beispiele in denen Sie sich vermutlich deutlich  wiederkennen.  

Es ist stark und mutig, dass Sie sich Ihren Verletzungen stellen und sich bewusst nach vorne bewegen. Vielleicht können Sie Ihrer Partnerin ein wenig erzählen und sie teilhaben lassen. So kann Sie besser nachvollziehen, weshalb Sie sich in  bestimmten Situationen „verschanzen“. Wenn Sie zum Beispiel weiß, dass dies Ihrem Selbstschutz dient, der früher mal auf diese Art und Weise notwendig war, dann nimmt Sie Ihren Rückzug nicht automatisch persönlich und fühlt sich weniger weggestoßen und alleingelassen. So kann Ihre Liebe und das Vertrauen wachsen und das ist gut für den Heilungsprozess.

Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute!

Dorothea Perkusic

Dorothea Perkusic beantwortet Fragen rund um „Leben“ und „Liebe“

Schreiben Sie an Einzel-, Paar- und Sexualtherapeutin Dorothea Perkusic. Alle Fragen werden beantwortet, ausgewählte anonymisiert veröffentlicht.

Rubriklistenbild: © pixabay

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Sie haben aber die Möglichkeit uns Ihre Meinung über das Kontaktformular zu senden.

Die Redaktion