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Dorothea Perkusic beantwortet die 150. Liebesfrage

Lust und Frust im Bett: Lieber nachgeben, obwohl man nicht will oder einfach mitmachen?

Anlässlich dieses Jubiläums habe ich die vielen Fragen, die mich in den vergangenen drei Jahren erreicht haben, mal überflogen. Dabei konnte ich eine klare Tendenz erkennen, welche Fragen meine Leser am häufigsten zu beschäftigen scheinen.

Neben Betrug, Fremdgehen, Affären, Außenbeziehungen, wie auch immer man es bezeichnen mag, dreht es sich um Lust und  Lustlosigkeit. Herausstechend hierbei ist, dass mich viele Frauen gefragt haben, was sie tun können, um mehr Lust zu kriegen. „Ich würde so gerne wollen, aber ich will einfach nicht und weiß nicht, wie ich das ändern kann“ - ein Satz, den ich auch in meiner Praxis, insbesondere in der Arbeit mit Frauen, oft höre. Ein Thema, welches mich seit vielen Jahren beschäftigt, da es so komplex und facettenreich ist, wie jeder einzelne Mensch. 

Daher werde ich heute keine aktuelle Leserfrage beantworten, sondern auf die Frage eingehen, was man tun kann, um etwas zu wollen, was man offensichtlich nicht so richtig will. Die Antwort liegt eigentlich bereits in der Fragestellung. Sie lautet: aufzuhören, etwas von sich zu verlangen oder zu tun, was man nicht will, was nicht gut tut, was nicht genussvoll erlebt wird oder was nur okay ist. Das bedeutet nicht nur die eigenen Grenzen zu achten, sondern grundsätzlich auf das eigene Gefühl und das Empfinden zu achten. 

Dazu kann es unter anderem den Mut brauchen, „nein“ zu sagen. Mut deshalb, weil ein „nein“ vom Partner häufig als Zurückweisung erlebt wird oder auch in der eigenen Bewertung eher negativ ausfällt. Es braucht die Bereitschaft, näher darauf einzugehen und zu gucken, was lehnt man eigentlich ab und wie kann man dafür sorgen, in ein erotisches Erlebensfeld zu kommen, zu dem man „ja“ sagen und welches man lustvoll genießen kann. Die wenigsten Menschen lehnen Sex generell ab, sondern erleben eher das, was dabei stattfindet als nicht lohnenswert, nicht genussvoll oder auch unangenehm.

Was braucht es also, um die eigene Sexualität selbst gestalten zu können?

Dazu muss man meist genauer hinsehen und verschiedene Dinge mit einbeziehen. Zum Beispiel die Herkunft und Prägungen, die Erziehung, die sexuelle Entwicklung, das Erlebte, das persönliche Umfeld und damit auch die alltäglichen Gegebenheiten. Um etwas gestalten zu können, braucht es Zeit und Interesse sich dem zu widmen. Was dann kommt, ist ein Prozess. Sich auf Spurensuche zu begeben und die Bereitschaft, sich auf diesen Prozess einzulassen, kann Angst machen. Angst vor Verlust oder einfach vor Neuem. 

Wenn ein Mensch nicht „mehr“ Sex haben möchte, dann entweder, weil er geradewegs zufrieden ist, wie es ist, oder weil er nicht zufrieden ist und deshalb lieber vermeidet. Dann hilft es auch nicht weiter, darüber zu verzweifeln, dass man so gerne wollen würde, etwas zu wollen, was man lieber vermeidet. Jede Vermeidung hat ihren Grund. Es sind diese individuellen Gründe, die es gilt wirklich zu verstehen. Weshalb vermeide ich etwas, was genau will ich dabei vermeiden, was lehne ich ab oder was befürchte ich? Wer sich erlaubt, das herauszufinden, kann sich entscheiden, ob es lohnt den Preis den eine Veränderung möglicherweise mit sich bringt zu zahlen, oder nicht.  

Dorothea Perkusic auf Instagram 

Es ist die aufrichtige Verbindung, die ein Mensch mit sich selbst zulässt, die eine tiefe Verbindung zu einem anderen Menschen erst möglich macht. Diese Verbindung braucht es, denn genau das ist es, was jeder sucht und was Lust auf „mehr“ macht. Wieviel dieses „mehr“ bedeutet, bleibt jedem freigestellt. Denn es gibt keine Vorschrift, wieviel „normal“ ist

Es gibt in dieser Vielschichtigkeit kein Rezept, kein Wundermittel und keine Patentlösung. Aber es gibt die Möglichkeit, den Weg einzuschlagen, etwas über sich zu lernen, Empfinden zu verändern, sich selbst zu akzeptieren und zu sich zu stehen - das macht den Raum, den Sexualität braucht weiter und schafft Platz für Möglichkeiten und Veränderungen.

Dorothea Perkusic

Sie haben eine Frage rund um die Themen Leben & Liebe?

Schreiben Sie an Einzel-, Paar- und Sexualtherapeutin Dorothea Perkusic. Alle Fragen werden beantwortet, ausgewählte anonymisiert veröffentlicht.

Rubriklistenbild: © pixabay

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