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Dorothea Perkusic beantwortet Fragen rund um „Leben“ und „Liebe“

Mein Freund hat kaum Lust auf Sex und zieht sich zurück - was kann ich tun?

Ihr habt eine Frage rund um die Themen „Liebe“ und „Leben“? Dann seid Ihr in unserer Service-Rubrik „Liebesfragen“ genau richtig. Dort können unsere Plus-Abonnenten Dorothea Perkusic unter dem Betreff „Liebesfragen“ um Rat fragen. Jeder, der etwas auf dem Herzen hat, bekommt von der Einzel- und Paartherapeutin eine persönliche Antwort. Ausgewählte Fragen werden immer montags hier anonymisiert veröffentlicht.

Frage einer Frau:

Mein Freund und ich sind nun zwei Jahren ein Paar. Am Anfang lief es sexuell super. Nach etwa einem 3/4 Jahr wurde es dann plötzlich weniger. Mein Freund hat eine sehr schwere Vergangenheit. Er wurde von seiner Mutter verlassen als er zwei Jahre alt war und es gab keinen Kontakt mehr. Er hat in seiner Familie nie Liebe erfahren. Davon wusste ich vorher schon, ahnte allerdings nicht, dass dadurch zwischen uns nach ein paar Monaten alles anders wird. Wir haben in den letzten sechs Monaten nur zweimal miteinander geschlafen und ich weiß nicht mehr weiter. Ich habe als Frau viel Lust auf Sex, das ist ja oft anders herum. Ich habe auch schon versucht mit ihm zu sprechen. Darauf reagiert er aber genervt und vertröstet mich direkt, „es nervt, stress nicht so, irgendwann“. Er sagt, es liege nicht an mir, er habe einfach keine Lust. Und ich stehe vor einer Mauer und frage mich, wie wir daran arbeiten können! Was kann ich tun? 

Antwort von Dorothea Perkusic:

Ich kann verstehen, dass die Situation schwer für Sie ist und Sie nicht weiter wissen. Sie möchten Ihren Freund nicht unter Druck setzen, ihm aber dennoch auch sexuell nahe sein. Das ist zunächst keine einfache Situation und für Sie frustrierend. 

Ich denke, Sie haben die Zusammenhänge bereits richtig kombiniert. Es liest sich für mich ganz so, als hätte Ihr Freund eine Bindungsangst. Diese tritt meist erst dann deutlich auf, wenn sich Beziehungen festigen und verbindlicher werden. Sozusagen dann, wenn es eigentlich verlässlich, sicher und vertraut wird, so wie bei Ihnen beiden, nach mehreren Monaten. Das kann daran liegen, dass Ihr Freund die traurige und vor allem auch traumatische Erfahrung gemacht hat, von seiner engsten und wichtigsten Bezugsperson verlassen zu werden, seiner Mama. In der Sexualität zeigt sich diese Bindungs- und Verlustangst dann in diesem Fall womöglich verstärkt im Rückzug. Es gibt Menschen, die „überkompensieren“, das heißt, Sex wird auffällig häufig gewollt, quasi als Absicherung der Liebe. Andere ziehen sich zurück und meiden jegliches „Risiko“, sich auf zu viel Liebe, Nähe und Zweisamkeit einzulassen. Steht dies doch unmittelbar in Zusammenhang mit der Gefahr, wiederholt so sehr enttäuscht und fallen gelassen zu werden. 

Dorothea Perkusic auf Instagram

Sprechen Sie Ihren Freund behutsam auf dieses Thema an. Fragen Sie ihn, ob er vielleicht Angst hat oder selbst nicht so recht weiß, was ihn zurückhält, Ihnen körperlich nahe zu sein. Natürlich kann es sein, dass er generell einfach nicht so viel Lust auf Sex hat wie Sie oder sich unter Druck gesetzt fühlt, ohne, dass Sie dies auslösen wollen. Allerdings vermute ich genau wie Sie, dass die Gründe anders gelagert sind. 

Es wäre so oder so sicher sinnvoll, wenn er sich mit dem Verlassen-werden von seiner Mutter und der lieblosen Atmosphäre innerhalb der Familie auseinandersetzt. Denn solche Erfahrungen prägen jeden Menschen im Fühlen und Handeln und müssen irgendwann verarbeitet werden. Wenn Ihr Freund lernen möchte, sein Leben wirklich uneingeschränkt genießen zu können und zu vertrauen, wird er sich seinen Ängsten und Widerständen stellen müssen. Jedoch muss er dies selbst wollen und erkennen, dass ihn diese schlechten Erfahrungen möglicherweise nach wie vor dabei beeinträchtigen, sich auf das Leben und die Liebe zu Ihnen ganz einzulassen. Sie können ihn dabei unterstützen, indem Sie versuchen nicht zu drängen und zu fordern. Begegnen Sie Ihrem Freund verständnisvoll und liebevoll und versuchen Sie ihm, Sicherheit zu geben. Fragen Sie ihn, was er braucht, um sich mit Ihnen sicher fühlen zu können und bitten Sie ihn, auf Sie zuzugehen. Ich wünsche Ihnen, dass er sich öffnen kann und Sie gemeinsam einen Weg finden.

Ihr habt eine Frage rund um die Themen Leben & Liebe? Schreibt an Einzel-, Paar- und Sexualtherapeutin Dorothea Perkusic. Alle Fragen werden beantwortet, ausgewählte anonymisiert veröffentlicht.

Rubriklistenbild: © dpa/Patrick Pleul

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