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Dorothea Perkusic beantwortet Fragen rund um „Leben“ und „Liebe“

Ich möchte mich von meinem Mann trennen, aber ich habe Angst vor ihm: Was soll ich tun?

In unserer Service-Rubrik „Liebesfragen“ können unsere Plus-Abonnenten Dorothea Perkusic unter dem Betreff „Liebesfragen“ Fragen rund um die Themen „Leben“ und „Liebe“ stellen. Jeder Ratsuchende bekommt von der Einzel- und Paartherapeutin eine persönliche Antwort. Ausgewählte Fragen werden immer montags hier anonymisiert veröffentlicht.

Frage einer Frau: 

Ich bin seit fast dreißig Jahren mit meinem Mann verheiratet und wir haben eine erwachsene Tochter. Ich möchte mich eigentlich seit vielen Jahren trennen, aber ich habe mich nie getraut. Erst wollte ich warten, bis unsere Tochter etwas größer ist. Dann wollte ich damit warten, bis sie zumindest ausgezogen ist und auf eigenen Füßen steht. Das ist nun seit knapp zehn Jahren der Fall. Mein Mann ist sehr impulsiv. Er hat mir nie so richtig etwas getan, mir nur ein oder zweimal eine Ohrfeige gegeben, als er betrunken war. Dafür hat er sich auch entschuldigt. Aber er schreit viel herum, packt mich an den Armen und beschimpft mich, wenn ihm etwas nicht passt oder schubst mich weg, wenn ich ihm auf die Nerven gehe. Das scheint häufig der Fall zu sein, denn recht machen kann ich ihm sowieso nichts. Ich habe wirklich Angst davor, was passiert, wenn ich mich trenne, auch davor, dass er sich selbst etwas antut. Wie kann ich es machen oder was kann ich  tun, damit ich es wirklich schaffe? Oder denken Sie, wir könnten es in einer Paartherapie miteinander hinkriegen? Eigentlich liebe ich ihn nicht mehr und finde ihn ekelig. Was soll ich tun?

Antwort von Dorothea Perkusic:

Vielen Dank für Ihre Frage und Ihr Vertrauen! Ich erlaube mir, Ihnen ganz direkt und unverblümt zu antworten, auch wenn dies im ersten Moment vielleicht uneinfühlsam wirken könnte. 

Ich denke nicht, dass Sie in einer Paartherapie etwas erreichen können, was eine für Sie persönlich erstrebenswerte Entwicklung sein könnte. Denn Sie schreiben, Sie lieben Ihren Mann nicht mehr und möchten ihn seit Jahren, um nicht zu sagen Jahrzehnten verlassen. Es geht in meinen Augen nicht darum, gemeinsam etwas hinzukriegen, wofür bis dato vermutlich auch Ihr Mann nicht bereit war, denn dies würde sein „Einsehen“ voraussetzen. Es geht darum, dass Sie  glücklich sind, respekt- und liebevoll behandelt werden sich wohl, sicher und geborgen fühlen können. All das ist nicht der Fall! Ihr Mann ist gewalttätig Ihnen gegenüber! Das ist Missbrauch! Wenn Ihr Mann Ihnen eine Ohrfeige verpasst, Sie an den Armen packt, schubst, auf eine Art und Weise berührt die Ihnen Angst macht oder wehtut, verbal verletzend und übergriffig gemein ist, dann hat er bereits eine absolute Grenze überschritten und Ihnen „richtig“ etwas getan, denn all  das IST Gewalt. 

Dorothea Perkusic auf Instagram 

Was bedeutet in Ihrem Denken, jemandem „richtig“ etwas zu tun? Was würden Sie einer anderen  Frau raten, zum Beispiel Ihrer Tochter, wenn sie so etwas erleben würde? Wann würden Sie es in Ihrem eigenen Fall als massiv bewerten? Wenn Ihr Mann Sie krankenhausreif schlägt? Gewalt ist, einen anderen Menschen bewusst zu verletzen, Unterlegenheit, Schwäche oder Angst auszunutzen. Auf körperlicher und genauso auch auf emotionaler Ebene. Gewalt ist auch, einen  anderen Menschen mit Worten zu verletzen, ihn abzuwerten und abfällig zu behandeln, Angst einzujagen, mit Druck Erpressung und Drohungen zu agieren, ihn böse zu beschimpfen. All das ist auch Gewalt. Im Unterschied zur körperlichen Gewalt ist diese nur nicht sichtbar. Ihr Mann versucht, Sie an ihn zu binden, indem Sie Angst haben müssen, er würde sich etwas  antun, wenn Sie ihn verlassen, auch das ist Gewalt. Und es liegt in seiner Verantwortung und Entscheidung, wie er mit Ihnen und auch mit sich und seinem Leben umgehen möchte. 

Ich möchte Sie mit der Deutlichkeit meiner Worte keinesfalls verletzen oder aufhetzen. Ich möchte Sie aufwecken. Hören Sie auf, Ihren Mann in Schutz zu nehmen. Auch wenn nicht alle Zeiten in Ihrer Ehe schlecht gewesen sind, sind Sie vermutlich eine Meisterin im Beschönigen, Relativieren und Aushalten. Ihr Mann ist nicht das Opfer, sondern der Täter! Egal welche Gründe Ihnen auch einfallen mögen, sein Verhalten Ihnen gegenüber zu erklären, zu „verstehen“, zu entschuldigen  oder zu rechtfertigen - diese Gründe zählen nicht, denn es sind falsche Gründe. Wenn Ihr Mann Probleme hat seine Emotionen zu regulieren, mit negativen Gefühlen umzugehen, ganz egal welche Art von Problemen er haben könnte, dann rechtfertigt dies noch lange nicht, so mit Ihnen, seiner Frau und der Mutter Ihrer gemeinsamen Tochter umzugehen.

Schützen Sie sich (und auch Ihre Tochter, selbst wenn sie nicht mehr bei Ihnen lebt) und leben Sie Ihrer Tochter nicht weiter vor, dass es auch nur ansatzweise nötig oder richtig sein könnte, eine solche Situation auszuhalten und zu akzeptieren. Ihr Mann hat Ihnen über viele und zu viele Jahre hinweg Gewalt angetan und Sie damit tief verletzt, innerlich und äußerlich. Sie lieben ihn nicht und finden ihn ekelig. Sie fühlen sich verantwortlich und abhängig, doch verantwortlich sind Sie nie für die Taten eines anderen und aus der Abhängigkeit können Sie herausfinden! 

Suchen Sie sich bitte dringend Hilfe und Unterstützung. Einen so großen Schritt ohne Rückhalt und Hilfe zu gehen ist schwer bis unmöglich. Es wird Ihnen helfen, jemanden zur Seite zu haben, der Sie stärkt, liebevoll aber neutral und sachlich berät und Ihnen dann hilft, das Erlebte zu verarbeiten.  

Melden Sie sich gerne direkt bei mir, wenn Sie Hilfe annehmen wollen. Es gibt verschiedene  Möglichkeiten und Adressen. Ich berate und unterstütze Sie dabei gerne unverbindlich. Trennen Sie sich, um dem ein Ende und den ersten Stein zu setzen für ein schönes Leben - Ihr  Leben! Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen Kraft und Mut und alles Gute!

Dorothea Perkusic

Sie haben eine Frage rund um die Themen Leben & Liebe?

Schreiben Sie an Einzel-, Paar- und Sexualtherapeutin Dorothea Perkusic. Alle Fragen werden beantwortet, ausgewählte anonymisiert veröffentlicht.

Rubriklistenbild: © pixabay

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