Stasiunterlagen-Behörde: Birthler wehrt sich gegen Vorwürfe

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Die Bundesbeauftragte für die Stasiunterlagen Marianne Birthler.

Berlin - Die Bundesbeauftragte für die Stasiunterlagen, Marianne Birthler , wehrt sich gegen Vorwürfe, ihre Behörde vernachlässige die Erforschung von Stasi-Aktivitäten im Westen.

Die “Westarbeit“ der Stasi spiele eine “hervorragende Rolle“ in der Forschungsarbeit, sagte Birthler am Dienstag im ARD -“Morgenmagazin“. Man habe in den vergangenen Jahren “sehr umfangreiche Publikationen“ dazu vorgelegt, sagte Birthler.

Sie betonte aber auch, dass die Behörde für die Forschung begrenzte Kapazitäten habe. “Zunächst sind wir Dienstleister und geben Unterlagen an externe Nutzer heraus. Und dann haben wir auch noch eine kleine Forschungsabteilung, in der wir eigene Projekte verfolgen.“

Selbst die Wissenschaft habe nicht daran gedacht, dass Kurras, der vor 42 Jahren den Studenten Benno Ohnesorg erschossen hatte, ein Stasi-Spion gewesen sein könnte. “Die Kurras- Unterlagen waren die ganze Zeit zugriffsfähig. Man muss nur auf die Idee kommen, zu vermuten, dass er für die Stasi gearbeitet hat“, sagte Birthler. Auf die Idee sei aber keiner gekommen, “auch nicht Wissenschaftler, die sehr intensiv zur Studentenbewegung geforscht haben.“

Die Birthler-Behörde legte in Berlin ihren Tätigkeitsbericht vor. “Die Tatsachen ergeben ein völlig anderes Bild“, sagte sie bei der Vorstellung des Berichts für die vergangenen zwei Jahre in Berlin. Die Westarbeit der Stasi habe “schon immer einen hohen Stellenwert“ in der Forschungsarbeit ihrer Behörde gehabt und sei im Vergleich zu anderen Themenfeldern “wahrscheinlich am intensivsten bearbeitet worden“. Es gebe acht umfangreiche Publikationen dazu, allein in den vergangenen beiden Jahren seien 172 Forschungs- und Medienanträge bearbeitet worden, betonte Birthler.

Die Stasi-Akten-Behörde war zufällig auf siebzehn Aktenordner gestoßen, die den ehemaligen Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras, der 1967 den Studenten Benno Ohnesorg erschossen hat, als inoffiziellen Stasi-Mitarbeiter entlarven. Namhafte Wissenschaftler hatten daraufhin die Arbeit der Birthler-Behörde kritisiert und gefordert, die Forschungsarbeit an das Bundesarchiv zu delegieren.

 dpa/ap

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