Zentralrat bleibt standhaft

"Wir Juden lassen uns nicht einschüchtern"

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ARCHIV - Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden, ist zu Gast in Bremen in der jüdischen Synagoge (28.08.2011).

Berlin - Juden wollen sich nicht vom Überfall auf einen Rabbiner einschüchtern lassen und weiterhin auf offener Straße die Kippa tragen. Die Meinungen darüber gehen jedoch auseinander.

Nach dem brutalen Überfall auf einen Rabbiner in Berlin hat der Zentralrat der Juden in Deutschland dazu aufgerufen, die jüdische Religionszugehörigkeit nicht zu verstecken. "Ich lasse nicht zu, dass wir unser Judentum nur im Hinterzimmer ausleben dürfen", sagte Präsident Dieter Graumann dem Berliner "Tagesspiegel" (Samstag). "Wir Juden in Deutschland werden uns jedenfalls ganz sicher nicht einschüchtern lassen."

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Berlin, Gideon Joffe, hatte dagegen geäußert, er würde es Juden nicht empfehlen, in jedem Stadtteil Berlins mit einer Kippa herumzulaufen. Auch das Abraham Geiger Kolleg in Potsdam rät seinen Studenten, aus Sicherheitsgründen in der Öffentlichkeit eine unauffällige Kopfbedeckung zu tragen. Dort werden Rabbiner ausgebildet.

Der überfallene Rabbiner hatte die traditionelle jüdische Kippa am Dienstagabend getragen, als er im gutbürgerlichen Stadtteil Friedenau von vier - laut Polizei vermutlich arabischstämmigen - Jugendlichen zusammengeschlagen wurde. Er erlitt einen Jochbeinbruch. Seiner Tochter, die bei dem Überfall dabei war, drohten die Täter mit dem Tod.

Als Zeichen der Solidarität mit dem Rabbiner wollten Politiker und Kulturschaffende am Samstag eine Kippa tragen. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit forderte die Bürger auf, abends an der ersten Langen Nacht der Religionen teilzunehmen. "Das wäre ein Zeichen für den Rabbiner, so wie ich aus Solidarität mit ihm heute die Kippa trage", sagte der SPD-Politiker der Berliner Zeitung "B.Z." (Samstag).

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagte der "Berliner Morgenpost" (Samstag), er wünsche sich, dass auch die islamischen Bürger Solidarität zeigten. Genel Merkez, Mitglied der Türkischen Gemeinde, will sich nach eigenen Worten mit den "jüdischen Menschen solidarisieren". Schauspieler Ulrich Matthes betonte, er trage Kippa, "weil der Angriff leider kein Einzelfall war".

Als Reaktion auf die Attacke wollen mehrere Organisationen am Sonntag (12.00 Uhr) mit einer Kundgebung ihre Solidarität bekunden. Zu der Aktion in Sichtweite des Tatortes in Friedenau ist Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) als Rednerin angekündigt. Der Friedenauer SPD-Vorsitzende Serge Embacher sagte der Nachrichtenagentur dpa, der Stadtteil gelte sonst als friedlich: "Das soll auch so bleiben." Embacher rechnet mit bis zu 200 Teilnehmern auf dem Grazer Platz.

dpa

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