Zeil: Timoschenko frei - oder andere EM-Spielorte

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Wirtschaftsminister Zeil will den Druck auf die Ukraine erhöhen.

München - Soll die Fußball-EM in der Ukraine wie geplant stattfinden, soll man sie boykottieren? Darüber denken nun auch bayerische Politiker nach - kommen aber zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) hat eine Verlegung der Fußball-EM ins Gespräch gebracht, falls die Ukraine im Fall der inhaftierten Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko nicht einlenkt. “Die UEFA sollte in diesem Fall ernsthaft über alternative Spielorte nachdenken“, sagte Zeil der am Freitag erscheinenden “Bayerischen Staatszeitung“. Von der Ukraine müsse “ein klares Zeichen der Humanität und der demokratischen Reife kommen“. “Andernfalls halte ich es nicht für tragbar, wenn der ukrainischen Regierung die Gelegenheit gegeben würde, den Fußball zu einer positiven Selbstdarstellung zu nutzen“, betonte der FDP-Politiker.

Der europäische Fußballverband UEFA hat Forderungen nach einer Verlegung der EM-Spiele aber bereits eine klare Absage erteilt. “Das bekäme man in so kurzer Zeit nicht hin“, hatte UEFA-Turnierdirektor Martin Kallen dazu der “Süddeutschen Zeitung“ (Montag) gesagt.

Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) sprach sich für einen EM-Boykott durch Politiker aus. “Regierungsmitglieder aus europäischen Ländern sollten mit ihrem Boykott der Spiele in der Ukraine für Demokratie und Rechtsstaat in der ehemaligen Sowjetrepublik eintreten“, sagte Spaenle der “Passauer Neuen Presse“ (Donnerstag). Die bevorstehende Fußball-Europameisterschaft werde “durch den politischen Alltag in der Ukraine von einem schwarzen Schatten überlagert“.

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Der Prozess gegen Timoschenko und ihre Haftbedingungen bewiesen, dass der Rechtsstaat dort mit Füßen getreten werde. Zugleich stellte Spaenle klar, dass die EM selbst durchaus stattfinden sollte. Eine Absage der Meisterschaft würde die Sportler wie auch Polen als zweites Austragungsland “zu Unrecht bestrafen“, sagte er.

Justizministerin Beate Merk (CSU) sagte der “Staatszeitung“: “Gerade als Justizministerin finde ich die Vorstellung unerträglich, in einem Stadion zu sitzen, wenn wenige Kilometer entfernt eine Konkurrentin des Regierungschefs aus politischen Gründen inhaftiert ist und keine angemessene medizinische Behandlung bekommt.“ Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) argumentierte dagegen, es sei noch verfrüht, sich “zum gegenwärtigen Zeitpunkt für oder gegen einen Politikerboykott“ der Fußball-EM auszusprechen.

dpa

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