Wahl-Dämpfer in Brasilien

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Wahlen in Brasilien.

São Paulo - Brasiliens Wahlkampf geht in die Verlängerung. Die Regierungsfavoritin Dilma Rousseff verpasste entgegen Umfragetrends bei der Präsidentschaftswahl den Sieg im ersten Durchgang.

Als hätte es Präsident Luiz Inácio Lula da Silva gewusst. Seine Wunschnachfolgerin Dilma Rousseff verpasste den angestrebten Sieg im ersten Wahlgang und muss in vier Wochen in die Stichwahl. “Ich habe auch nicht im ersten Wahlgang gewonnen, weder 2002 noch 2006. Es dauert nur 30 Tage länger, wenn es in die zweite Runde geht“, hatte der scheidende Präsident Stunden vor dem Wahlergebnis bei seiner Stimmabgabe gesagt. Die 62-jährige Rousseff gewann zwar mit knapp 47 Prozent die meisten Stimmen. Es reichte aber nicht für die erforderliche Mehrheit von über 50 Prozent. So war sie dann am Abend auch nicht in Feierlaune.

Hölzern trat sie vor ihre Anhänger und versprach dem Wahlvolk, in den kommenden vier Wochen noch mehr Details über ihre Vorschläge zu präsentieren. “Morgen (Montag) beginnt die zweite Etappe“, rief sie heiser ins Mikrofon. Während die linke Politikerin im Wahlkampf gerne und oft Namen und Erfolge ihres Ziehvaters Lula erwähnte, nannte sie ihren Mentor jetzt kein einziges Mal. Ihr Herausforderer, der Ex-Gouverneur des reichen und wichtigen Bundesstaates São Paulo, José Serra, hat nun einen Vorteil: Er weiß, wie es im zweiten Wahlgang zugeht. Schon 2002 schaffte er es in die Stichwahl. Damals verlor er gegen einen zu mächtigen Gegner mit dem Namen Lula. Dass es nun erneut in die Verlängerung geht, hat er allerdings weit weniger seinem Ergebnis von rund 33 Prozent zu verdanken als vielmehr der grünen Ex-Umweltministerin Marina Silva, die einen fulminanten Wahlkampf absolvierte.

Entsprechend gelöst war die Stimmung im grünen Feldlager. Die 52- Jährige wurde mit frenetischem Beifall als Siegerin des Wahltages gefeiert. Nicht ganz zu Unrecht, denn sie konnte ihren Stimmenanteil im Vergleich zu vorherigen Umfrageergebnissen auf 19,4 Prozent nahezu verdoppeln. Brasilien habe jetzt eine zweite Chance. “Die Wählerstimmen gehören weder Dilma (Rousseff), noch (José) Serra noch Marina (Silva) - die Stimme gehört dem Wähler“, sagte sie. Wem werden ihre Stimmen zufallen? “Das ist die Millionen-Dollar- Frage“, sagte der renommierte Leitartikler der Zeitung “O Globo“, Merval Pereira, im Fernsehen. “Marina ist der große Trumpf. Nicht nur die Grünen-Partei, sondern vor allem Marina wird darüber entscheiden, wen sie unterstützt.“ Die Brasilianer stimmten am Sonntag nicht nur über die Präsidentschafskandidaten ab, sondern wählten zugleich hunderte Abgeordnete, Senatoren und Gouverneure. Auch in einigen Bundesstaaten stehen Stichwahlen an. Nach der Wahl ist vor der Wahl - das ist ein Fazit des Mega-Wahlsonntags in Brasilien.

dpa

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