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„Der ukrainische Präsident ist in Gefahr“

Ukraine-Konflikt: Kiew im Fokus - Historiker erklärt Putins „Ziel Nummer eins“

Die ukrainische Hauptstadt Kiew wird immer mehr zum Schauplatz von Wladimir Putins Angriffskrieg im Ukraine-Konflikt. Experten erklären Russlands Intention dahinter.

Kiew- Nur Stunden nach Beginn von Russlands Angriffskrieg im Ukraine-Konflikt* und landesweiten Luftangriffen rückt Wladimir Putins Heer von Norden, Osten und Süden aus ins Zentrum des Landes. Kiew gerät in den Fokus.* Verwunderlich ist das nicht, schließlich ist es die Hauptstadt der Ukraine. Daneben gibt es allerdings weitere Gründe, warum Putin es auf Kiew abgesehen hat.

Bereits am Donnerstag (24. Februar) nahm die russische Armee binnen weniger Stunden den Militärflughafen Hostomel ein. Er ist nur wenige Kilometer nordwestlich von Kiew gelegenen. Aus dem Norden bahnten sich derweil Panzereinheiten ihren Weg* in die ukrainische Hauptstadt. Nach Angaben des Generalstabs der ukrainischen Armee nähern sich zudem russische Truppen aus dem Nordosten und Osten der Hauptstadt.

Ukraine-Konflikt: Russlands „klares Ziel Nummer eins“ ist Kiew

Der französische Militärhistoriker Michel Goya sagt: „Klares Ziel Nummer eins ist es, Kiew einzunehmen.“ Es gehe Russlands Präsident Wladimir Putin* darum, in „wenigen Tagen“ eine „neue Regierung einzusetzen und die alte Regierung zu verfolgen, vielleicht durch den Einsatz von Spezialkräften“.

Alexandra Goujon, eine französische Ukraine-Expertin und Dozentin an der Universität von Burgund, fügt hinzu: „Der ukrainische Präsident ist in Gefahr.“ Putin habe im Zuge seines Angriffs von einer „Entnazifizierung“ des Landes* gesprochen. „Der russische Botschafter bei den Vereinten Nationen spricht von der Beseitigung der Junta, die in der Ukraine an der Macht ist.“

Ukraine-Konflikt: Widerstand gegen den russischen Angriffskrieg formiert sich

Präsident Selenskyj hat die Generalmobilmachung angeordnet und Reservisten im Alter zwischen 18 und 60 Jahren aus dem ganzen Land zu den Waffen gerufen. Dies sind insgesamt etwa 900.000 Menschen. Ob diese Reservekräfte ausreichend ausgerüstet und ausgebildet sind, um eine wirksame Rolle zur Unterstützung der 200.000 Berufssoldaten zu spielen, ist offen.

Ein ukrainischer Soldat bezieht Stellung. Russische Truppen haben den erwarteten Angriff auf die Ukraine gestartet und drangen in die Hauptstadt vor.

Auch die Zivilbevölkerung ist zum Widerstand aufgerufen: „Wir bitten die Bürger, uns über feindliche Bewegungen zu informieren, Molotowcocktails zu werfen und die Besatzer zu neutralisieren“, erklärte das ukrainische Verteidigungsministerium etwa nach Kämpfen in dem Kiewer Bezirk Obolonsky.

Ukraine-Konflikt: Nato-Staaten nach Einmarsch von Putins Russen in Alarmbereitschaft

„Wenn Russland die gesamte Ukraine vollständig unter seine Kontrolle bringen will, wird das sehr kompliziert werden. Es ist ein Land mit 40 Millionen Einwohnern. Es wird Widerstand in der Bevölkerung geben“, sagt Ukraine-Expertin Goujon.

Auch die Streitkräfte der Nato-Staaten sind in Alarmbereitschaft. Mehrere Einheiten sollen die Ostflanke des Bündnisses verstärken. Die Nato will jedoch nicht direkt in der Ukraine intervenieren. „Kein Land möchte Russland den Krieg erklären“, betonte kürzlich die französische Verteidigungsministerin Florence Parly mit Blick auf die Atomwaffen des Landes. Diese Karte veranschaulicht, wo der Ukraine-Krieg wütet und diese Karte zeigt die bereits eroberten Gebiete im Ukraine-Krieg.

Ukraine-Krieg: Welche Ziele visiert Russland als nächstes an?

Russland ist bislang von drei Seiten in die Ukraine vorgerückt*: Im Süden von der annektierten Halbinsel Krim bis zur Stadt Cherson am Fluss Dnjepr, im Norden von Belarus nach Kiew entlang zweier Routen nordöstlich und nordwestlich der Hauptstadt und im Osten von der russischen Stadt Belgorod bis zur ukrainischen Industriestadt Charkiw.

Dem Militärhistoriker Goya zufolge könnten das Gebiet östlich des Dnjepr und die Hafenstadt Odessa im Süden die nächsten Angriffsziele der russischen Armee sein. Odessa könnte durch Marineeinheiten im Schwarzen Meer angegriffen werden. Der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian schließt nicht aus, dass die ehemaligen Sowjetrepubliken Moldau und Georgien die nächsten Ziele der russischen Armee sein könnten. In beiden Ländern gibt es separatistische Gebiete, die sich nach Moskau orientieren. Alle Infos zum Ukraine-Konflikt in unserem News-Ticker. (AFP) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/AP | Emilio Morenatti

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