Merkel gegen Steinbrück

TV-Duell mit zwei Siegern: Raab und Merkels Kette

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Die Halskette von Angela Merkel und Stefan Raab als Moderator standen im Fokus des TV-Duells.

Berlin - Beim einzigen direkten Schlagabtausch zwischen Merkel und Steinbrück blieb es ziemlich sachlich. Einen klaren Sieger gibt es nicht, doch Stefan Raab überraschte als Polit-Moderator positiv.

Peer Steinbrück braucht zwei Minuten, um sich mit Attacken gegen Angela Merkel dem Millionenpublikum am Fernseher als Bundeskanzler zu empfehlen. Er appelliert mit Blick auf die Dame neben ihm am Sonntagabend im TV-Studio Berlin-Adlershof an die Bürger: „Lassen Sie sich nicht einlullen.“

Steinbrück sieht Deutschland im Stillstand, die Kanzlerin hangele sich von einem ergebnislosen Gipfel zum anderen. Merkel warnt die Wähler vor Steuererhöhungen, wenn sie SPD wählten. Das zerstöre Arbeitsplätze und verhindere den dringend nötigen Schuldenabbau.

Die beiden Spitzenpolitiker bleiben aber während der 90-minütigen Veranstaltung fair. Sie argumentieren hart in der Sache und verzichten weitgehend auf Polemik und persönliche Angriffe. Sie wenden sich auch zu und schauen sich in die Augen. Zweimal wird Merkel ermahnt, dass sie länger antworte als Steinbrück. Die Kanzlerin lässt sich aber auch nicht von ProSieben-Entertainer Stefan Raab unterbrechen und ermahnt vielmehr ihn, er möge sie ausreden lassen. Steinbrück verzichtet auf billige Wahlversprechen und garantiert etwa keine sinkenden Strompreise.

Besonders scharfe Angriffe Steinbrücks versucht Merkel mit einem Lächeln zu parieren. So bei seinem Vorwurf, sie habe in der NSA-Geheimdienstaffäre ihren Amtseid verletzt, weil sie Schaden nicht vom deutschen Volk abwende. Er versichert, er würde als Kanzler nicht wie Merkel wochenlang auf Informationen aus Washington über das Ausmaß der US-Ausspähungen warten, sondern handeln. Merkel kontert: „Ich handele nicht erst und denke dann nach, sondern mache es umgekehrt.“

Lebhaft kommentiert: 173.000 Duell-Tweets auf Twitter

Steinbrück setzt auf scharfe Abgrenzung der SPD von der Union. Er preist sich als Politiker mit „Kompassweisung“, Merkel wirft er eine Politik des „Ungefähren“ und „vier Jahre schwarz-gelben Kreisverkehr“ vor. Steinbrück: „Ich möchte die Wählerinnen und Wähler motivieren, in die Schachteln hineinzugucken.“ Er will ein Reformpaket mit einem gesetzlichen flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde. Ferner will er mit höherer Besteuerung von Spitzenverdienern mehr Geld in Kitas und Schulen pumpen.

Merkel will dagegen regional- und branchenspezifische Lohnuntergrenzen - verhandelt von den Tarifpartnern und nicht vom Gesetzgeber bundesweit verordnet. Sie verweist auf die gute wirtschaftliche Lage Deutschlands und die niedrige Arbeitslosigkeit. Auch deshalb sehen Demoskopen bisher kaum Wechselstimmung.

Immer wieder weicht Merkel Festlegungen aus, etwa bei der Pkw-Maut. Als Steinbrück auf „Klartext“ hierzu pocht, macht sie schließlich klar: „Mit mir wird es eine Maut für Autofahrer im Inland nicht geben.“ Mit dem Zusatz „im Inland“ verhindert sie gerade noch einen Frontalcrash mit CSU-Chef Horst Seehofer, der ohne Maut für Ausländer keinen Koalitionsvertrag unterschreiben will.

Als Raab Merkel fragt, ob bei ihr im „Wahl-O-Mat“ wegen ihrer vielen Richtungswechsel nicht womöglich die SPD als Ergebnis herauskommen könne, betont Merkel: „Ich glaube, dass da gut CDU rauskommen kann.“ Raab - wie immer ohne Krawatte - durfte erstmals das Duell mitmoderieren, neben Kloeppel, Maybrit Illner (ZDF) und Anne Will (ARD).

Lesen Sie auch unseren Live-Kommentar zum TV-Duell

Das Duell wurde im Vorfeld zu Steinbrücks letzter Chance aufgeladen. Schließlich dümpelt die SPD in Umfragen bei 22 bis 25 Prozent, während die Union auf rund 40 Prozent kommt.

Ein Twitter-Account für Merkels Halskette

„Hätte, hätte, Fahrradkette“ - dieser Satz ist zu einem Markenzeichen von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück geworden. Während des TV-Duells war es aber Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die mit einer schwarz-rot-goldenen Halskette Aufmerksamkeit auf sich zog. Während des 90 Minuten langen Duells sammelte der spontan eingerichtete Twitter-Account @schlandkette rund 4000 Follower. Der Tweet „Hätte, hätte, Deutschlandkette“ gehörte zu den am meisten verbreiteten Kurznachrichten des Abends.

Sieger ist Stefan Raab

Stefan Raab, der Neuling in der TV-Duell-Runde, hatte mit Kanzlerin Angela Merkel einige Probleme - mit SPD-Herausforderer Peer Steinbrück fiel ihm der Umgang deutlich leichter. Seine Versuche, Merkel beim TV-Duell am Sonntagabend zu unterbrechen und mit Zwischenfragen zu konfrontieren, scheiterten an der Durchsetzungsfähigkeit der Regierungschefin, die sich von ihrem Redefluss nicht abbringen ließ.

Bei Raabs Frage, ob es den Deutschen finanziell nach weiteren vier Merkel-Jahren besser oder schlechter gehe, ließ die Kanzlerin trotz mehrfacher Anläufe kein Raab-Nachhaken zu. Auch als Raab wissen wollte, ob es kreative Ideen zur Staatsfinanzierung gäbe, blieb Merkel trotz Zwischenfragen bei ihrer Linie.

Originell, aber einstudiert wirkte sein Zahlenspiel, als Raab der Bundeskanzlerin vorrechnete, dass Deutschland erst im Jahr 2184 schuldenfrei sei, wenn jetzt mit dem Abbau begonnen würde. Als Raab die Kanzlerin anmahnte, ihr Zeitbudget einzuhalten, lächelte sie verständnisvoll. Etwas Leben kam mit Raabs Frage an Steinbrück in die Diskussion, welche Partei er denn wählen solle, wolle er eine großen Koalition mit Steinbrück als Vizekanzler.

In sozialen Netzwerken erntete Stefan Raab für seine Art der Befragung viel Lob.

CDU: Raab war eine Bereicherung beim TV-Duell

Die CDU hat die Rolle Stefan Raabs beim TV-Duell als Bereicherung gewertet. „Er war eine gute und wichtige Stimme in dem Quartett“ der Moderatoren, sagte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe am Montag nach einer Sitzung des Vorstands seiner Partei in Berlin. Raabs Fragen seien oftmals nahe an dem gewesen, wie am Arbeitsplatz oder Zuhause über Politik diskutiert werde. Dies tue der politischen Debatte insgesamt gut.

Das TV-Duell in Bildern

Das TV-Duell in Bildern

Umfragen zufolge wünscht sich übrigens die Mehrheit genau das, was Steinbrück und Merkel in Sendung ablehnten. Eine große Koalition.

dpa

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