Auf der Suche nach Erdgas

Erdgasstreit im Mittelmeer: Türkei schickt weiteres Bohrschiff

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Das türkisches Schiff "Yavuz" bohrt nun vor Zyperns Küste nach Erdgas.

Die Türkei entsendet ein weiteres Schiff vor die zypriotische Küste, um nach Erdgas zu bohren. Zypern fordert nun EU-Sanktionen - und wird von Griechenland unterstützt.

Update vom 14. Oktober 2019:

Unabhängig von der

türkischen Militäroffensive in Syrien

haben die EU-Staaten den Weg für Sanktionen gegen Ankara wegen Erdgas-Bohrungen vor der Küste Zyperns geebnet. Die europäischen Außenminister gaben am Montag bei ihrem Treffen in Luxemburg grünes Licht für einen rechtlichen Rahmen, um künftig Sanktionen gegen Organisationen, Firmen oder Einzelpersonen zu verhängen, die an den der EU zufolge "illegalen Bohrungen" beteiligt sind.

Die EU-Staaten erklärten in dem Streit erneut ihre "volle Solidarität" mit Zypern. Die Außenbeauftragte Federica Mogherini wurde aufgefordert, schnell Vorschläge für die Aufnahme in die Sanktionsliste zu unterbreiten.

Erdgasstreit im Mittelmeer: Türkei schickt weiteres Bohrschiff

Istanbul/Athen/Brüssel - Die Türkei hat für die Suche nach Erdgas ein weiteres Schiff ins östliche Mittelmeer entsandt - und dürfte damit einen Konflikt mit Zypern und Griechenland weiter anheizen. Die „Yavuz“, die am Donnerstag ausgelaufen ist, solle ab Anfang Juli für drei Monate in 3300 Metern Tiefe bohren, sagte Energieminister Fatih Dönmez am Donnerstag laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

Türkei bohrt nach Erdgas - auf zypriotischem Gebiet

Gebohrt wird vor der Mittelmeerinsel Zypern. Dort arbeiten schon zwei weitere türkische Schiffe innerhalb der sogenannten Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) von Zypern. In ihrer AWZ hat Zypern das alleinige Recht zur wirtschaftlichen Ausbeutung von Ressourcen. Eines der türkischen Schiffe hat bereits Probebohrungen nach Erdgas vorgenommen.

Der zyprische Präsident Nikos Anastasiades forderte beim EU-Gipfel am Donnerstag neben einer klaren Verurteilung der türkischen Aktivitäten auch Sanktionen, zum Beispiel das Einfrieren aller Gespräche zur Erweiterung der Zollunion. Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras schloss sich dem an. Griechenland ist eine Garantiemacht für die geteilte Insel, die EU-Mitglied ist. 70 Prozent der Zyprer haben zudem griechische Wurzeln. Sie leben vornehmlich im Süden der Insel.

Türkei schickt weitere Bohrschiffe - Folgen nun EU-Sanktionen?

Im jüngsten Entwurf der Gipfel-Schlussfolgerungen hieß es, die EU sei bereit, angemessen auf die illegalen Aktivitäten der Türkei zu reagieren.

Die Türkei wehrt sich gegen die Kritik. Ihrer Meinung nach hat die Türkei als Land mit der längsten Küste ebenfalls Anspruch auf die Meeresgegend. Sie sieht sich auch als Anwalt der türkischen Zyprer im Norden der Insel, der von türkischen Truppen besetzt ist.

In den vergangenen Jahren hatten Erdgaskonzerne im Auftrag der Republik Zypern westlich der Insel reiche Erdgasvorkommen entdeckt. Die Suche geht weiter. Ankara lehnt die Aktivitäten ab, weil sie ohne die Zustimmung der türkischen Zyprer vorgenommen würden - vor allem, solange der Konflikt um die geteilte Insel nicht gelöst sei. Währenddessen könnten auch Sanktionen seitens der Amerikaner drohen. Erdogan glaube jedoch nicht, dass die USA solche Maßnahmen ergreifen würde - alle News im Ticker. Außerdem deuten neueste Umfragen eine Pleite für Erdogans AKP bei der Istanbul-Wahl an. Der Grünen-Politiker Cemal Bozoğlu wird die Wahl in Istanbul vor Ort beobachten. Er glaubt, dass es bei einer Niederlage schwer für die Erdogan-Partei AKP wird, noch lange an der Macht zu bleiben. Wir haben mit dem gebürtigen Türken gesprochen.

Während der Erdgas-Konflikt vor der Küste Zyperns noch schwelt, hat sich der türkische Präsident Erdogan mit bedrohlichen Worten mit Blick auf Zypern gemeldet. 

dpa

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