Spekulationen: Guttenberg als CSU-Chef oder Kanzler?

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, rechts), der CSU-Chef Horst Seehofer (links) und Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (Mitte) unterhalten sich. Es wird spekuliert, dass Guttenberg als CSU-Chef oder Kanzler werden könnte?

München - Wegen des Umfragetiefs der Union kocht die Gerüchteküche: Soll Karl-Theodor zu Guttenberg im Notfall den CSU-Vorsitz übernehmen? Oder sogar Kanzler werden? Er selbst bestreitet offiziell jegliche Ambitionen.

CSU-Chef Horst Seehofer hat angebliche Pläne über einen Amtsverzicht zugunsten von Karl-Theodor zu Guttenberg zurückgewiesen. Nach eigenen Angaben will Seehofer bei der nächsten Wahl wieder als Parteivorsitzender antreten. “Natürlich, eindeutig“, sagte der bayerische Ministerpräsident am Donnerstagabend in Berlin. “Das Gerede darüber wird allmählich langweilig und lächerlich.“

Die “Bild“-Zeitung hatte unter Berufung auf eine nicht genannte Quelle berichtet, Seehofer habe in Absprache mit dem CSU- Verteidigungsminister seine mögliche Bereitschaft zum Verzicht auf den Parteivorsitz 2011 erklärt, falls die Umfragewerte nicht aus dem Keller kommen.

Guttenberg wird schon seit einigen Monaten von vielen in der CSU als kommender Vorsitzender gesehen. Manche CSU-ler scherzen sogar, das sei “unvermeidlich“. CSU-Landtagsabgeordnete in München werteten die Zeitungsmeldung nicht als Anzeichen, dass es eine solche Absprache tatsächlich gibt. “Vorstellbar ist alles, aber ich glaub's nicht“, sagte ein CSU-Mann. Der Bericht gilt aber als klares Indiz, dass interessierte Kreise Druck auf Seehofer machen.

Vermengt wird die Diskussion mit dem Schicksal von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). In der CSU kursiert seit Monaten eine Dominotheorie: Wenn die Union im Super-Landtagswahljahr 2011 mit seinen sechs Wahlen Baden-Württemberg und andere Länder verlieren sollte, würde auch Merkel stürzen. Unter Umständen käme dann Guttenberg sogar als Kanzler in Betracht.

Die Junge Union sieht Guttenberg als Hoffnungsträger. “Karl- Theodor zu Guttenberg spricht mit seiner hohen Glaubwürdigkeit viele Nichtwähler und frühere Stammwähler an, so dass er in ganz kurzer Zeit ein unverzichtbarer Hoffnungsträger geworden ist“, sagte der Chef der Nachwuchsorganisation, Philipp Mißfelder, der “Leipziger Volkszeitung“. Das CDU-Präsidiumsmitglied zeigte in der “Saarbrücker Zeitung“ (Freitag) aber Verständnis für CDU-Chefin Merkel. Es sei nicht ihre Aufgabe, nur einen Flügel zu repräsentieren.

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe hielt Guttenberg in einem Interview der Zeitungen der WAZ-Gruppe für ein Kommunikationstalent: “Das ist er. Wie auch (Arbeitsministerin) Ursula von der Leyen.“

Guttenberg äußert sich im ZDF

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat ihm nachgesagte Ambitionen auf das Kanzleramt bestritten. Im “Heute Journal“ des ZDF sagte er am Donnerstagabend: “Ich weise immer wieder darauf hin, dass ich mich gerade mal anderthalb Jahre in der ersten oder zweiten Reihe, vielleicht sogar eher in der dritten Reihe der Politik befinde, und da wäre es völlig anmaßend über Dinge nachzudenken, über die manche in bizarren Gedankenwelten gerade nachdenken.“

Er konzentriere sich einzig darauf, “dass ich Bundesverteidigungsminister sein darf, hier gerade eine große Reform anstoßen durfte ­ und diese umzusetzen erwarten die Soldaten von mir“, sagte Guttenberg. “Das ist eine riesige Aufgabe, und die habe ich anzunehmen, und die gehe ich mit ganzem Herzen und Freude an.“

lby

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