Paris und London schließen neuen Verteidigungspakt

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Nicolas Sarkozy und David Cameron (re.).

London - Die beiden Atommächte Großbritannien und Frankreich wollen ihre Zusammenarbeit in der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik massiv ausweiten.

Ein entsprechendes Abkommen wollten der britische Premierminister David Cameron und der französische Präsident Nicolas Sarkozy am Dienstag in London unter Dach und Fach bringen. Geplant sind unter anderem die gegenseitige Nutzung von Flugzeugträgern, eine Zusammenarbeit bei Atomwaffentests und die Bildung einer etwa 5.000 Mann starken gemeinsamen Truppe für Auslandseinsätze, wie aus Regierungskreisen in London verlautete.

Auch die Kooperation bei der Entwicklung neuer unbemannter Drohnen sowie in der Satellitenkommunikation und U-Boot-Technologie soll ausgebaut werden. Gewährsleute erklärten, außerdem würden London und Paris vermutlich den Austausch von Geheimdienstmaterial verstärken. Ziel ist die Einsparung von Kosten in den Verteidigungshaushalten auf beiden Seiten des Ärmelkanals.

In einem am Dienstag in den Zeitungen “Daily Telegraph“ und “Le Figaro“ veröffentlichten Brief erklärten frühere ranghohe Mitarbeiter aus Sicherheitskreisen - darunter der Ex-Chef des britischen Geheimdienstes MI6, Richard Dearlove -, beide Staaten sollten zudem über ein mögliches gemeinsames Atomwaffenprogramm nachdenken. “Großbritannien und Frankreich haben hier ein echtes gemeinsames Interesse“, sagte Cameron am Montag vor Abgeordneten. “Es gibt viele Gebiete, auf denen wir zusammenarbeiten und unsere Möglichkeiten verbessern können - und gleichzeitig Geld sparen können.“

Die britische Regierung hat im Oktober Kürzungen beim Verteidigungshaushalt in Höhe von acht Prozent über die kommenden vier Jahre angekündigt. Sarkozy sprach von einem beispiellosen Abkommen und erklärte, die enge Zusammenarbeit werde ein noch nie da gewesenes “Klima des Vertrauens“ schaffen. Beide Seiten betonten zugleich, dass die Unabhängigkeit beider Armeen und beider Länder nicht angetastet werden solle.

Cameron erklärte, weder Großbritannien noch Frankreich würden durch das Abkommen in ihren Möglichkeiten eingeschränkt, künftig allein Militäreinsätze durchzuführen. “Partnerschaft ja. Aber Souveränität aufgeben? Nein“, sagte der Regierungschef vor Abgeordneten.

Von David Stringer

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