Konkurrenz für Dieter Reiter (SPD)

Grüne planen den Angriff auf Münchens OB-Sessel

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Freude bei den Grünen am Wahlabend.
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Katzenjammer bei der SPD, forsche Töne bei den Grünen: Nach der Europawahl starten die Sozis eine trotzige Plakataktion. Die Grünen sprechen unterdessen selbstbewusst bereits vom Angriff auf den OB-Sessel.

München - Eigentlich schien die Favoritenstellung von Dieter Reiter (SPD) für die OB-Wahl 2020 unantastbar zu sein. Doch seit dem abermals spektakulären Erfolg der Grünen bei der Europawahl mit 31,2 Prozent der Stimmen in München werden die Töne der Parteigranden forscher. „Die Landtagswahl war ganz offensichtlich keine Eintagsfliege“, sagt der Fraktionschef im Maximilianeum, Ludwig Hartmann. Und voller Euphorie fügt er an: „Wir können jetzt ernsthaft vom Ziel sprechen, demnächst einen grünen Oberbürgermeister zu stellen.“

Oha! Bislang hieß es in der Partei eher zurückhaltend, die Kandidatin Katrin Habenschaden sei noch zu unbekannt, um Dieter Reiter wirklich herauszufordern – nach diesem Wahlabend scheint nun plötzlich alles möglich. Die Grünen setzen bei der OB-Wahl nicht mehr auf Platz, sondern auf Sieg. Habenschaden selbst hat erkannt, „dass die sozialökologische Bewegung immer stärker wird und wir den richtigen Nerv treffen“. Und für die neue Münchner Europaabgeordnete der Grünen, Henrike Hahn, steht fest: „Die Umweltpolitik voranzutreiben, die klare Kante, die wir gegen Rechts gezeigt haben – all das drückt sich in Zahlen aus.“ Die „Fridays for Future“ lassen grüßen.

Hoffnung bei OB-Wahl München 2020: Grüne bei Wählern zwischen 18 und 30 stärkste Partei

Es ist auch der Sog dieser jungen Umweltbewegung, der die Grünen auf der Großstadt-Erfolgswelle schwimmen lässt. Das belegen alle Nachwahlumfragen. Die Öko-Partei ist bei jungen Menschen der Altersklasse von 18 bis 30 Jahren mit Riesenabstand beliebteste Partei. Vor allem bei Frauen. Die Grünen verkörpern aktuell das moderne, ökologische Lebensgefühl der Großstädter. Und sie haben es geschafft, sowohl linksalternative als auch bürgerliche Wählerschichten anzusprechen. Ansonsten wären Rekordergebnisse von über 30 Prozent und in einigen Hochburgen wie der Ludwigs-/Isarvorstadt, Au-Haidhausen und der Schwanthalerhöhe sogar über 40 Prozent nicht erklärbar.

Die SPD hat am Montag fast 1000 neue Plakate aufgestellt.

Und die SPD? Hat in München keine Hochburgen mehr. Eine Partei, die auch in der Landeshauptstadt vom katastrophalen Bundes- und Landestrend zerrieben wird. Weil die Grünen den Umweltschutz besetzen, weil die CSU die Sicherheitspolitik besetzt und weil ganz offensichtlich auch das soziale Profil der SPD nicht mehr wahrnehmbar ist. Wie sonst sollte man das Desaster von 11,4 Prozent erklären können? Der Slogan „Die München-Partei“ ist eine Fassade, die immer mehr zu bröckeln beginnt. Die Stimmung in der Rathaus-SPD, so war zu hören, war gestern von großem Katzenjammer geprägt.

OB-Wahl München 2020: SPD will Angriff der Grünen abwehren

OB Reiter redet unterdessen am Montag Klartext: „Wir werden in den nächsten Monaten deutlich machen, dass der überragende Erfolg Münchens untrennbar mit der SPD verbunden ist.“ München sei nicht nur wirtschaftlich erfolgreich, sondern vor allem auch „sozial, weltoffen und innovativ“. Die Abschaffung der Kita-Gebühren, kostenloses Essen für bedürftige Rentner, die eigene kommunale Mietpreisbremse, der Rückkauf von zig GBW-Wohnungen zum Mieterschutz – all das sorge für ein soziales Gleichgewicht in der Stadt.

Um dies zu unterstreichen, haben die Genossen am Montag annähernd 1000 Plakate aufgestellt. Darauf war beispielsweise zu lesen „Isar: Erholung, Natur, Baden – ohne Kommerz: Dafür steht die SPD.“ Man wolle in die Offensive gehen und zeigen, wofür die SPD stehe, erklärte der Münchner Partei-Vize Roland Fischer auf Anfrage unserer Zeitung. Die Idee zu der Aktion sei nicht erst am Sonntagabend entstanden. „Wir haben uns das schon etwas länger überlegt.“ Die Entscheidung sei dann aber am Sonntag gefallen. „Die Ergebnisse haben uns bestärkt.“

Zum Wahlerfolg der Grünen bei der Europwahl lesen Sie hier einen Kommentar von Merkus-Chefredakteur Georg Anastasiadis.
Die bayernweiten Ergebnisse finden sie hier: Europawahl 2019 in Bayern: Grüne als Gewinner, SPD am Abgrund

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