Tod eines Soldaten überschattet Merkels Kundus-Besuch

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Angela Merkel am vierten Adventswochenende in Kundus. Ihr Besuch wird von dem Tod eines Soldaten überschattet.

Kundus - Merkel wollte den deutschen Soldaten in Afghanistan Weihnachtsgrüße überbringen, doch der Besuch wird von einer bitteren Nachricht überschattet: Ein junger Bundeswehr-Soldat starb bei einem Unfall.

Mehr als eineinhalb Jahre sind seit ihrem letzten Besuch bei der Truppe in Afghanistan vergangen. Anfang April 2009 war Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Anschluss an den Nato-Gipfel, der gerade eine neue Strategie für den erhofften Sieg über die Taliban beschlossen hatte, an den Hindukusch gereist. Heute ist von einem Sieg über die Aufständischen keine Rede mehr. Kurz vor Weihnachten stattete die Kanzlerin der Truppe am Samstag in Kundus erneut einen Blitzbesuch ab - aus Sicherheitsgründen war die Visite zuvor geheim gehalten worden.

Bilder von Merkels Blitzbesuch in Kundus

Merkel zu Blitzbesuch in Kundus (Dezember 2010)

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Bundeswehrsoldat in Afghanistan ums Leben gekommen

Auf der Reise ins Konfliktgebiet ereilte Merkel die traurige Nachricht, dass wieder ein Soldat in Afghanistan ums Leben gekommen ist, diesmal bei einem Unfall. Es ist der neunte tote Deutsche seit Jahresbeginn. Ihr erster Weg im deutschen Feldlager führte die Kanzlerin an den Ehrenhain, an dem sie der Soldaten gedachte, die am Hindukusch ihr Leben ließen.

Merkel spricht von "Krieg in Afghanistan"

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bei einem Truppenbesuch in Kundus von einem “Krieg“ in Afghanistan gesprochen. “Wir haben hier nicht nur kriegsähnliche Zustände, sondern Sie sind in Kämpfe verwickelt, wie man sie im Krieg hat“, sagte Merkel am Samstag vor mehreren hundert Soldaten im Feldlager der Bundeswehr. “Das ist für uns eine völlig neue Erfahrung. Wir haben das sonst von unseren Eltern gehört im Zweiten Weltkrieg.“ Das sei aber eine andere Situation gewesen, weil Deutschland damals Angreifer war.

Gefährlicher Norden Afghanistans

Bei Merkels Besuch im Frühjahr 2009 hatten die anderen Nationen der Internationalen Schutztruppe Isaf schon seit einiger Zeit damit aufgehört, den Deutschen vorzuhalten, dass sie ihren Dienst nur im vergleichsweise ruhigen Norden versähen. Die Gefechte mit den radikal-islamischen Taliban nahmen auch dort zu, immer mehr Bundeswehr-Soldaten starben. Insgesamt kostete der Einsatz inzwischen 45 von ihnen das Leben. 2009 hatte Merkel ebenfalls das Feldlager der Bundeswehr in Kundus besucht, sie war außerdem zu dem deutschen Stützpunkt in Masar-i-Scharif im Norden des Landes gereist. Sie hatte die Innenstadt von Masar-i-Scharif, ein Krankenhaus und ein Camp der Polizei besichtigt. Das ist heute anders.

Schwer gesichert fliegt die 56-jährige CDU-Politikerin bei diesem dritten Besuch seit 2007 zum Feldlager in Kundus. Ausflüge außerhalb der Campmauern sind diesmal nicht vorgesehen. Die Anschlagsgefahr ist zu hoch. Acht Soldaten der Bundeswehr wurden 2010 bei Anschlägen und Gefechten getötet - so viele wie in keinem anderen Jahr seit Beginn des Einsatzes. In Deutschland sind die Befürworter dieser Mission, die einst als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001 auf die USA begann, längst eine Minderheit. Auch im Bundestag bröckelt die Unterstützung. Die einstige Friedensmission ist längst zum Kampfeinsatz geworden.

Politik hat Bedenken

Immer mehr Abgeordnete von SPD und Grünen, die den Einsatz in ihrer Regierungszeit beschlossen und verlängerten, haben inzwischen schwerste Bedenken. Sie befürchten, dass die Mission in der Katastrophe endet: Nämlich dass die Truppen irgendwann abziehen werden, ohne dass das über seit mehr als drei Jahrzehnten in Krieg und Bürgerkrieg versunkene Land befriedet worden ist. Der Abzug aber soll jetzt bald beginnen. Das sagt auch die Merkel-Regierung. Während sie in einem sogenannten Fortschrittsbericht, der nach Ansicht der Linken eher die Rückschritte aufzeigt, das Datum offen lässt und einen Rückzug an Bedingungen knüpft, spricht Außenminister Guido Westerwelle (FDP) nun konkret von Ende nächsten Jahres. Dann soll die Zahl der deutschen Soldaten am Hindukusch nach seinen Worten erstmals verringert werden.

Isaf-Sprecher Josef Blotz mahnt dagegen, der Abzugsprozess müsse sich nach den Bedingungen in Afghanistan und nicht nach einem theoretischen Zeitplan richten. “Wenn Sie als Feuerwehr einen Brand in einem Hochhaus bekämpfen, dann sagen Sie ja auch nicht, um 19 Uhr ist Feierabend, egal, ob es dann noch brennt“, sagt der deutsche General. “Und selbst wenn das Feuer gelöscht ist, dann lassen Sie eine Brandwache da, damit es nicht wieder entflammt.“ Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der Merkel am Samstag begleitete, sieht das ähnlich. Erst am vergangenen Montag war er zuletzt bei der Truppe in Nordafghanistan, er hatte bei diesem Besuch eindringlich davor gewarnt, sich zu stark auf Abzugsdaten zu fixieren. “Diese Jahreszahlen machen nur Sinn, wenn sie auch verantwortungsvoll unterfüttert werden“, sagte er.

Kampfeinsatz 2014 beenden

Die Staats- und Regierungschefs der Nato-Staaten hatten auf ihrem Gipfel im November in Portugal beschlossen, den Kampfeinsatz bis 2014 zu beenden und Soldaten anschließend nur noch zur Ausbildung und Unterstützung der afghanischen Truppen im Land zu halten. Die Übergabe der ersten Provinzen von der Isaf in afghanische Verantwortung soll bis Mitte 2011 geschehen. Ende 2011 soll eine erste Bilanz des Übergabeprozesses gezogen werden bei einer Afghanistan-Konferenz wieder in Deutschland, in Bonn. Dort, wo dann vor zehn Jahren die Entsendung einer internationalen Truppe beschlossen worden war - im Glauben an einen baldigen Sieg über die Taliban und an Frieden in Afghanistan.

Ranghoher Taliban-Anführer getötet

Die NATO hat bei einem Luftangriff im Norden Afghanistans nach eigenen Angaben einen ranghohen Taliban-Anführer, Mullah Tor Jan, getötet. Dem Luftschlag am Freitag in der Provinz Baghdis ging ein Schusswechsel voraus, als verbündete afghanische und internationale Soldaten eine “bewaffnete Person“ in einen Höhlenkomplex verfolgten, wie das Bündnis am Samstag mitteilte. Tor Jan wird von der afghanischen Polizei für Sprengstoffanschläge und Angriffe auf Polizeiwachen verantwortlich gemacht.

dpa/dapd

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