Sorge um Autosektor

Merkel will Beziehungen zu Brasilien stärken

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (l.) mit Brasilien Präsidentin Dilma Rousseff bei einem Treffen am 26. Januar 2013.

Brasília - In der Hauptstadt Brasília trifft Kanzlerin Merkel auf eine arg geschwächte Präsidentin. Auch für deutsche Unternehmen droht durch die Krise Ungemach. Sorgen gibt es um den Regenwald.

Deutschland will die Zusammenarbeit mit dem in eine schwere Krise geratenen Brasilien stärken. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kam in der Nacht zum Donnerstag (MESZ) begleitet von sechs Ministern und mehreren Staatssekretären in der Hauptstadt Brasília an, wo am Donnerstag die ersten deutsch-brasilianischen Regierungskonsultationen auf dem Programm stehen. Zunächst gab es ein Abendessen im Palácio da Alvorada, der Residenz von Dilma Rousseff. Für Merkel ist Brasilien Schlüsselland für ganz Lateinamerika beim Kampf um mehr Klimaschutz und die Bewältigung politischer Krisen.

Bei dem Treffen soll es Neuzusagen des Entwicklungsministeriums für Klimaschutz und zum Schutz des Tropenwaldes in Höhe von rund 551 Millionen Euro geben, davon 525 Millionen als Kreditzusagen. Der Löwenanteil von gut 428 Millionen Euro ist für den Bereich erneuerbare Energien gedacht, 123 Millionen Euro sollten dem Tropenwald zu Gute kommen.

Die Umweltstiftung WWF forderte ein klares Signal, dass die Regierung Rousseff keine Schutzzonen aufweicht. Es gebe große Sorgen wegen Gesetzesinitiativen, die das Aufbrechen von Waldschutzzonen und geschützter Territorien der indigenen Bevölkerung für Bergbau und Agrarproduktion zum erklärten Ziel haben, sagte der politische Leiter des WWF in Deutschland, Alois Vedder, der Deutschen Presse-Agentur.

Rousseff hofft, dass der Besuch ihr auch innenpolitisch Rückenwind gibt, da sie wegen vieler wirtschaftlicher und politischer Probleme dramatisch an Zustimmung verloren hat - diese liegt nur noch bei acht Prozent. Deutschland wird in vielerlei Hinsicht als Vorbild gesehen. Sorgen bereitet deutschen Unternehmen vor allem der Einbruch beim Konsum - der Autoabsatz in Brasilien sank im zweiten Quartal um 20,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Am Mittwoch verkündete die Zentralbank pünktlich zum Besuch Merkels, dass es eine Finanzspritze von 3,1 Milliarden Reales (805 Millionen Euro) für den Automobilsektor bis Ende des Jahres geben soll. Auch die deutschen Autobauer mussten ihre Produktion deutlich drosseln und ließen sie in einzelnen Werken sogar zeitweise ruhen. Deutsche Unternehmen beschäftigen rund 250 000 Menschen in Brasilien.

Die deutschen Exporte in das fünftgrößte Land der Welt lagen 2014 bei 11,8 Milliarden Euro, die Importe aus Brasilien (unter anderem Eisenerz, Soja, Kaffee, Öl) gingen um sieben Prozent auf rund 6,6 Milliarden Euro zurück. Das Land liegt auf Platz 23 der wichtigsten Handelspartner. Sorgen bereiten der Bundesregierung Bürokratie und Rechtsunsicherheit für Unternehmen in Brasilien.

Mit Merkel sind die Minister Frank-Walter Steinmeier (Außen/SPD), Hermann Gröhe (Gesundheit/CDU), Barbara Hendricks (Umwelt/SPD), Christian Schmidt (Landwirtschaft/CSU), Alexander Dobrindt (Verkehr/CSU) und Gerd Müller (Entwicklung/CSU) in Brasilia.

dpa

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