Merkel: Energiewende ist machbar

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Präsident der Bundesnetzagentur Jochen Hohmann (r) äußern sich am Dienstag in Bonn bei einer Pressekonferenz.

Bonn - Die Bundesnetzagentur schlägt seit Monaten Alarm: Der langsame Ausbau der Stromtrassen gefährde die Energiewende. Nun kam Kanzlerin Merkel nach Bonn und verkündete: Es geht doch.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hält ungeachtet aller technischen Probleme und politischen Zweifel am vorgesehenen Zeitplan für den Atomausstieg fest. “Die Energiewende, so wie wir sie vor einem Jahr beschlossen haben, ist machbar“, sagte sie am Dienstag bei einem Besuch der Bundesnetzagentur in Bonn. Die Bundesregierung fühle sich den Zielen absolut verpflichtet. Es bleibe beim Ausstieg aus der Atomkraft bis zum Jahr 2022. Über Pfingsten waren angesichts des schleppenden Netz- und Kraftwerksausbaus sowie drohender Strompreis- Erhöhungen auch in der schwarz-gelben Koalition Zweifel an der Realisierbarkeit der Energiewende laut geworden.

Merkel hatte das Thema in den vergangenen Wochen zunehmend zur Chefsache gemacht. In regelmäßigen Treffen mit den 16 Ministerpräsidenten will sie nun Probleme beim Atomausstieg und der Energiewende identifizieren.

Merkel gab sich zuversichtlich, dass mit sich beschleunigenden Genehmigungsprozessen manche derzeit beklagten Rückstände beim Netzausbau noch aufgeholt werden können. Den ihr in Bonn von den vier Netzbetreibern vorgelegten nationalen Netzentwicklungsplan bezeichnete sie als ganz wichtigen Schritt. “Wir nähern uns einen ganz großen Schritt den Dingen, die im Rahmen der gesamten Planung bis 2022 geleistet werden müssen“, sagte sie.

Die Energiewende sei eine Herkulesaufgabe, sagte der Chef des Netzbetreibers Tennet, Martin Fuchs, bei der Übergabe des Netzentwicklungsplanes an Merkel, Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler. “Aber wir sagen von unserer Seite: Deutschland kann es schaffen.“ Die Energiewende sei jedoch kein Selbstläufer. Damit sie gelinge, sei der Schulterschluss aller Beteiligten notwendig.

Der Netzentwicklungsplan berücksichtige insbesondere den Ausbau der erneuerbaren Energien, sagte Fuchs. Über die Hälfte der im Plan definierten Maßnahmen seien danach in bestehenden Trassen vorgesehen. Hinzu kämen rund 1700 Kilometer neue Trassen, für Drehstromverbindungen. Erstmalig in dieser Größenordnung in Europa seien zudem 2100 Kilometer Hochspannungsleitungen in Gleichstromtechnik geplant. Dort solle aus vier Korridoren von Nord nach Süd Energie in großem Maßstab übertragen werden.

Insgesamt rechnen die Netzbetreiber für den Aus- und Umbau bis 2022 mit Kosten von etwa 20 Milliarden Euro. Weitere Einzelheiten des Netzentwicklungsplans wollen die Netzbetreiber an diesem Mittwoch in Berlin bekanntgeben.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, erinnerte daran, dass es nicht nur um rund 4000 Kilometer Stromautobahn gehe. Der Strom müsse ja auch verteilt werden. Dabei gehe er von einem Verteilnetz von 198 000 Kilometern aus, das auch noch gebaut werden müsse. Im Deutschlandfunk schlug er zudem eine Straffung von Gerichtsverfahren vor, um ordnungsrechtlich schneller voranzukommen.

dpa

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