"Besonderer Moment"

Merkel besucht KZ-Gedenkstätte in Dachau

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht am 20.08.2013 im ehemaligen Konzentrationslager in Dachau bei München (Bayern) vor dem Mahnmal und dem ehemaligen Wirtschaftsgebäude, das heute das Museum der Anlage beherbergt.

Dachau - Historischer Tag in Dachau: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am Dienstag das ehemalige Konzentrationslager in Bayern besucht. Sie sprach von einem "besonderen Moment".

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am Dienstagabend die KZ-Gedenkstätte Dachau besucht. Sie legte am Internationalen Mahnmal einen Kranz nieder und besichtigte anschließend zwei historische Räume des Museums. Dort sprach sie auch mit einer Gruppe Überlebender. Es war der erste Besuch eines amtierender deutschen Regierungschefs in der KZ-Gedenkstätte. Eingeladen worden war die Kanzlerin von dem Holocaust-Überlebenden und Präsidenten der Lagergemeinschaft Dachau, Max Mannheimer.

Merkel (M) unterhält sich mit Überlebenden des Holocaust

„Für mich ist es ein sehr besonderer Moment“, sagte Merkel. An die Überlebenden gewandt sagte sie, jeder KZ-Häftling habe seine persönliche Lebensgeschichte, die von den Nazis grausam durchbrochen oder ausgelöscht worden sei. „Die Erinnerung an diese Schicksale erfüllt mich mit tiefer Trauer und Scham.“ Den Deutschen bleibe die Verantwortung, sich gegen jede Form von Rechtsextremismus und Antisemitismus zu erheben, betonte die Kanzlerin. Die Erinnerungen müssten von Generation zu Generation weitergegeben werden. „Junge Menschen müssen wissen, welches Leid von Deutschland ausgegangen ist“, sagte Merkel.

Spaenle: "Zentrales Zeichen für die Erinnerungskultur in Deutschland"

Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) wertete den Besuch als „zentrales Zeichen für die Erinnerungskultur in Deutschland“. Damit zeige die Kanzlerin, dass der Auftrag der Mütter und Väter des Grundgesetzes, des „Nie wieder einer menschenverachtenden totalitären Herrschaft auf deutschem Boden“ lebendig sei.

Der Direktor der Bayerischen Gedenkstätten, Karl Freller, betonte, die KZ-Gedenkstätten seien Erinnerungs- und Lernorte als Zeugnisse gegen Verleugnung, Verharmlosung und Vergessen. Mit ihrer Anwesenheit setze Merkel ein Zeichen gegen alle Feinde der Demokratie und für die Opfer von Ausgrenzung, Verfolgung und Gewalt. Der in München stattfindende NSU-Prozess zeige, dass der Wahn, andere Menschen als minderwertig zu sehen, immer wieder aufkeime. Engste Begleiter seien dabei Hass-, Gewalt- und Mordlust. Der doppelte Auftrag laute deshalb heute: Es dürfe nie wieder Opfer und Täter geben, so Freller.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Besuch in Dachau

Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Besuch in Dachau

Der Besuch hatte vorab für politische Diskussionen gesorgt, weil er in einem kurzen Zeitfenster zwischen zwei Wahlkampfauftritten in Erlangen bei Nürnberg und der Stadt Dachau stattfand. Dort trat Merkel im Anschluss in einem Bierzelt auf und wiederholte ihre Mahnung unter Hinweis auf die nahe KZ-Gedenkstätte: „Nie wieder darf passieren, dass Menschen unter uns schutzlos sind, nur weil sie aus einem bestimmten Land kommen, einer bestimmten Religion angehören, einer politischen Gesinnung, einer sexuellen Orientierung. Nie wieder dürfen sie deshalb benachteiligt und ermordet werden, mitten unter uns“, sagte die Kanzlerin.

Auch auf den Länderfinanzausgleich kam Merkel im Bierzelt zu sprechen. Dabei stellte sie sich klar auf die Seite von Geberländern wie Bayern und Hessen. „Ich bin auch dafür, dass wir beim Länderfinanzausgleich was machen“, sagte Merkel. „Es kann nicht richtig sein, dass sich einige Länder, die von anderen Ländern Geld kriegen, einfach gebührenfreie Kitas leisten“, kritisierte die Bundeskanzlerin und betonte: „Da muss es Standards geben, da muss man Absprachen treffen, das geht nicht lange gut.“ „Es muss Anreize geben für die, die schwächer sind, sich anzustrengen“, forderte Merkel. Und für stärkere Länder müsse es Anreize geben, dass sie auch etwas von dem behalten dürften, was ihre Stärke ausmache. „Ich glaube, das ist aus dem Lot gelaufen.“

Kanzlerin Merkel zu Gast im Bierzelt in Dachau

Kanzlerin Merkel zu Gast im Bierzelt in Dachau

Der Historiker Wolfgang Benz hatte zuvor den Zeitpunkt des Besuchs der KZ-Gedenkstätte gegenüber dem Bayerischen Rundfunk kritisiert. „Da gäbe es andere, weniger provinzielle, weniger verschämte Gelegenheiten.“ Auch Grünen-Fraktionschefin Renate Künast äußerte ihr Missfallen an der Termin-Kombination.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, verteidigte dagegen auf „spiegel-online“ die Kanzlerin. Er halte nichts davon, sich jetzt in eine Meckerecke zu stellen. Hätte Merkel nur den Wahlkampfauftritt wahrgenommen, „hätte man sie wiederum dafür kritisieren können, dass sie nicht die KZ-Gedenkstätte besucht hat“. Graumann lobte die Visite der Kanzlerin. Sie setze damit ein Zeichen, „dass das Grauen eben nicht nur im Osten, sondern mitten unter uns in Deutschland stattgefunden hat“.

Das im März 1933 von den Nationalsozialisten eröffnete KZ Dachau diente als Modell für spätere Konzentrationslager und als „Schule der Gewalt“. In den zwölf Jahren seines Bestehens waren dort und in den Außenlagern mehr als 200.000 Menschen inhaftiert. Mehr als 43.000 Häftlinge wurden ermordet. Am 29. April 1945 befreiten US-amerikanische Truppen die Überlebenden. Die Gedenkstätte wird jährlich von 800.000 Personen besucht.

kna/dpa

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