Überraschungs-Besuch in Afghanistan

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Überraschend besucht Verteidigungsminister Thomas de Maizière die Bundeswehr in Afghanistan.

Berlin - Ohne Pressebegleitung ist Verteidigungsminister de Maizière zu einem Truppenbesuch nach Afghanistan geflogen. Der Besuch soll nichts mit den jüngsten Ausschreitungen im Land zu tun haben, betont das Ministerium.

Wenige Tage nach blutigen Protesten gegen die Koran-Verbrennung durch US-Soldaten in Afghanistan ist Verteidigungsminister Thomas de Maizière zu einem nicht angekündigten Besuch bei der Bundeswehr im Norden des Landes eingetroffen. Nach einer Mitteilung der Bundeswehr informierte sich de Maizière am Montag in zwei Außenposten in der Provinz Baghlan südlich von Kundus über die Sicherheitslage.

Wenige Stunden vor dem Besuch wurde in der Region eine deutsche Patrouille beschossen. Dabei seien jedoch keine Soldaten zu Schaden gekommen, teilte die Bundeswehr mit.

In Baghlan habe der Minister auch mit Soldaten des Ausbildungs- und Schutzbataillons über die Einsatzbedingungen gesprochen. Zuvor war de Maizière nach Bundeswehrangaben auf dem Luftwaffenstützpunkt Termes in Usbekistan mit dem neuen Kommandeur der Internationalen Schutztruppe Isaf für Nordafghanistan, Bundeswehr-Generalmajor Erich Pfeffer, zusammengetroffen.

Wie ein Sprecher des Verteidigungsministerium betonte, war die Reise schon seit längerer Zeit geplant und keine Krisenvisite nach den jüngsten Unruhen in Afghanistan. Es ist der erste Truppenbesuch des Ministers in Afghanistan in diesem Jahr und der fünfte seit der Übernahme des Verteidigungsressorts. Der Minister wollte noch in der Nacht nach Deutschland zurückfliegen.

Vor zwei Wochen hatte die unbedachte Verbrennung von Koranbüchern auf der US-Militärbasis Bagram tagelange gewaltsame Proteste im ganzen Land ausgelöst. Dabei kamen mindestens 30 Afghanen ums Leben. Inzwischen hat sich die Lage beruhigt.

Demonstrationen hatte es auch an mehreren Bundeswehr-Standorten gegeben. Aus Angst vor Übergriffen räumten daraufhin deutsche Soldaten vorzeitig ihren Stützpunkt in der Stadt Talokan. Der Abzug war ursprünglich erst für März geplant gewesen.

Im Zuge der Ausschreitungen wurden zudem mindestens vier US-Soldaten von afghanischen Sicherheitskräften getötet. Zudem hatte ein afghanischer Offizier im Innenministerium in Kabul zwei US-Militärberater erschossen. Ob der Zwischenfall im Zusammenhang mit den Protesten stand, ist weiterhin unklar.

Die Isaf und mehrere westliche Regierungen hatten nach den Morden im Innenministerium vorübergehend ihre Experten abgezogen. Nachdem am vergangenen Donnerstag die ersten Isaf-Angehörigen in Behörden und Ministerien zurückgekehrt waren, nahmen an diesem Montag auch rund 50 zivile Mitarbeiter der Bundesregierung ihre Arbeit wieder auf.

dpa

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