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Linke-Kandidatin über Gauck: "Zu viel Nutte in der Politik!"

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Die Bundestagsabgeordnete der Linken und Kandidatin bei der Wahl des Bundespräsidenten, Luc Jochimsen, hat über Joachim Gauck gesagt: "Das ist zu viel Nutte in der Politik!"

Berlin - Eklat im Kampf um das Bundespräsidenten-Amt. Linken-Kandidatin Luc Jochimsen hat sich vor dem Besuch von Joachim Gauck bei ihrer Fraktion vulgär-abfällig über den rot-grünen Kandidaten geäußert.

Von ihrer Partei werde Gauck nicht eine Stimme bekommen, sagte Jochimsen dem NDR vor dem Besuch des Kandidaten. Gauck sei ein bürgerlicher Kandidat und habe sich gegenüber der Linkspartei unversöhnlich gezeigt. Unter anderem habe er die Linke als nicht regierungsfähig bezeichnet.

Anschließend pöbelte Jochimsen ins Mikro: "Dann sollen wir so jemanden wählen? Das ist zu viel Nutte in der Politik!" Jochimsen fällt innerhalb kurzer Zeit abermals mit einer skandalösen Äußerung auf. Erst vor knapp zwei Wochen hatte sie behauptet, die DDR sei kein Unrechtsstaat gewesen. So, als ob es die Stasi-Foltergefängnisse, den unerbittlichen Überwachungsapparat und die Mauertoten nie gegeben habe.

Ungeachtet von Jochimsens primitivem Interview-Ausfall hat Gauck am Dienstagnachmittag das Treffen mit der Partei Die Linke im Bundestag als “sehr sachlich, sehr aufgeschlossen, auch fair“ gelobt. Jochimsen reichte er nach seinem Eintreffen bei der Fraktion sogar die Hand. So, als ob nichts gewesen wäre. Gauck ging auf die Provokation der früheren Linksaußen-Journalistin (von 1994 bis 2001 Chefredakteurin des HR) und jetzigen Linken-Bundestagsabgeordneten nicht ein.

Die Bundestagsabgeordnete der Linken und Kandidatin bei der Wahl des Bundespräsidenten, Luc Jochimsen, begrüßt am Dienstag in der Links-Fraktion im Bundestag in Berlin Joachim Gauck (M), Kandidat von SPD und Grünen für das Amt des Bundespräsidenten. Rechts sitzt der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Bundestag, Gregor Gysi.

“Es gab auch eine erstaunliche Bereitschaft zum Zuhören, gerade wenn ich auch über meine Prägung als Jugendlicher nach dem Krieg gesprochen habe“, sagte der 70-Jährige am Dienstag in Berlin. Auf die Frage, ob er die Partei von sich habe überzeugen können, antwortete er: “Da müssen Sie einfach dort fragen.“ Die Linke hatte bislang eine Wahl Gaucks zum Bundespräsidenten ausgeschlossen und mit Luc Jochimsen eine eigene Kandidatin aufgestellt. Vor dem Treffen sagte Gauck, er wolle die Linke davon überzeugen, ihn zum Bundespräsidenten zu wählen. “Wenn ich irgendwo hingehe, stelle ich mir immer vor, da wäre jemand, den man überzeugt“, erklärte er. “Meine Botschaft von einer Freiheit, die als Verantwortung daherkommt, müsste eigentlich von jedem Demokraten verstanden werden.“ Er bekräftigte, dass er nicht der Kandidat einer Partei sei. Es gebe bei jeder Partei etwas, was er nicht mittrage.

Joachim Gauck: Der Kandidat im Porträt

Joachim Gauck: Der Kandidat im Porträt

Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten. © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Gaucks Gegenkandidaten sind Christian Wulff (CDU, l.), der Kandidat der schwarz-gelben Regierung und Luc Jochimsen für die Linkspartei. © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Joachim Gauck mischt sich gern ein. Und er ist “wortmächtig“, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel dem früheren DDR- Bürgerrechtler bescheinigt. © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Als Gauck im Januar 70 Jahre alt wurde, kam die Kanzlerin selbst (hier mit ihrem Mann Joachim Sauer, l.) und und würdigte Gauck als “Versöhner, Einheitsstifter und Mahner“. © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Schon als Pfarrer in Rostock (Foto) habe er dazu beigetragen, dass aus dem Widerstand gegen die DDR-Diktatur eine Massenbewegung wurde, sagte Merkel. © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Noch heute erinnern Gaucks tragende Stimme, die ausgewogenen Sätze und die ruhige Art an den früheren Kirchenmann. © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Nach der Wiedervereinigung wurde Gauck erster Chef der Stasi- Unterlagen-Behörde, die er bis zum Jahr 2000 leitete. Die Aufarbeitung zu organisieren - ohne Rache an den Stasi-Tätern - war eine gewaltige Aufgabe und historisch ohne Vorbild. © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Der einstige Oppositionelle hat sich mit der Leitung einen bleibenden Namen gemacht. Noch heute sagen manche “Gauck-Behörde“, obwohl sie nun seit zehn Jahren von Marianne Birthler geleitet wird. © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Vergessen werden dürfe nicht, wie die DDR-Staatssicherheit das Volk bespitzelte und Menschen ihre Zukunft nahm, hat Gauck immer wieder gemahnt. © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Gaucks große Anliegen sind “Gerechtigkeit in der Gesellschaft“ und die innere Einheit. © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Gauck appelliert an die Menschen, sich nicht zurückziehen, sondern aktiv ihre Rechte wahrzunehmen (hier mit Klaus Wowereit,l). © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Joachim Gauck weiß aus bitterer Erfahrung, das Demokratie nicht selbstverständlich ist: “Eine solche Gesellschaft mit Bürgerrechten und Pressefreiheit werde ich immer mit Dankbarkeit und Glück anschauen.“ Er habe in den ersten 50 Jahren seines Lebens auf demokratische Errungenschaften verzichten müssen. © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Gauck legt auch öffentlich den Finger in die Wunde: Die Deutschen jammerten lieber, als sich über Erfolge zu freuen (hier mit der SPD-Führungsriege). “Deutsche fühlen sich gern schlecht“, mahnt er. © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Gegen diese “Verdruss-Süchtigkeit“ wolle er sich auch einsetzen. “Für ein gutes Miteinander braucht es die Erfahrungen der anderen“, sagt Gauck (hier mit der Führungsriege von Bündinis90/Die Grünen). © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Der Vater von vier Kindern und mehrfache Großvater engagiert sich auch im Verein “Gegen Vergessen für Demokratie“. Als Vorsitzender kümmert er sich zusammen mit vielen Mitstreitern um die Aufarbeitung der Geschichte der Diktaturen in Deutschland. (Foto: Bei der Verleihung des Point-Alpha-Preises des Kuratoriums Deutsche Einheit hält Gauck die Festrede) © dpa
Joachim Gauck Bundespräsident
Mit Nachdruck sagt Gauck: “Wir sind gegen Rechtsradikale und andere Feinde der Demokratie.“ © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Dem stets korrekt gekleideten Gauck fliegen viele Sympathien zu (hier mit dem zurückgetretenen Bundespräsidenten Horst Köhler, M.). © dpa
Joachim Gauck Bundespräsident
Als Gauck mit seinem Erinnerungsbuch “Winter im Sommer - Frühling im Herbst“ auf Lesereise war, freute er sich über das Interesse. “ © dpa
Joachim Gauck Bundespräsident
Ich habe nur aufmerksame Zuhörer, ich kenne nichts anderes“, sagt der frühere Seelsorger. Von Jutta Schütz © dpa

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Der Kandidat von SPD und Grünen lobte das Treffen als frei von Schuldzuweisungen. “Ich muss nicht bereuen, dieser Einladung gefolgt zu sein“, sagte er. Natürlich habe auch die Frage von Bundeswehreinsätzen, etwa in Afghanistan, eine Rolle gespielt. Von einigen Reaktionen zeigte er sich indes überrascht, etwa als er über seine “Kernbefindlichkeit gegenüber der “nationalsozialistischen Barbarei“ gesprochen habe. “Ich hatte manchmal den Eindruck, das hatten die noch nicht gehört“, sagte er. Er habe auch einige Zeit darauf verwendet zu erklären, dass er von Hause aus Antifaschist sei, und die Diktaturen nicht gleichsetze. “Ich denke, dass hat jetzt jeder verstanden, dass ich da nicht in eine falsche Schublade eingeordnet werde“, sagte er. “Ich kann meine Lebensgeschichte und meine persönlichen politischen Erfahrungen nun nicht deshalb plötzlich verflüssigen, weil ich einer freundlichen Einladung folge.“

fro/apn 

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