Im In- und Ausland

Langjährige Weggefährten trauern um Genscher

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Tiefe Trauer um Hans-Dietrich Genscher.

Berlin - Tiefe Trauer um Hans-Dietrich Genscher. Viele Politiker heben seine tragende Rolle bei der deutschen Wiedervereinigung hervor. Kohl würdigt ihn auch als Weggefährten und Gorbatschow nennt ihn einen richtigen Freund.

Als „einen Weggefährten, auf den ich mich auch menschlich stets verlassen konnte“ hat Alt-Kanzler Helmut Kohl Hans-Dietrich Genscher gewürdigt. Genscher habe „wie kein Zweiter das Amt des deutschen Außenministers im In- und Ausland geprägt“, hieß es in einem persönlichen Nachruf Kohls in der „Bild“-Zeitung.

Kohl betonte: „Wie viele andere Menschen auch denke ich in diesem Moment vor allem an seine Verdienste um die Wiedervereinigung unseres Landes am 3. Oktober 1990, die wir in nicht einmal einem Jahr ab Mauerfall am 9. November 1989 in vielen zähen und schwierigen Verhandlungen in Frieden und Freiheit, ohne Blutvergießen und mit Zustimmung unserer Nachbarn und Partner und - für mich existenziell - als Mitglied der Nato erreicht haben.“

Kohl würdigte zudem, dass es der FDP-Vorsitzende Genscher gewesen sei, der „im Herbst 1982 gegen vielerlei Widerstände gestanden hat und einen Regierungswechsel möglich machte“.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble schrieb ebenfalls in einem persönlichen Nachruf für das Blatt: „Wir schätzten uns. Wir haben eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet. Er besuchte mich 1990 im Krankenhaus, kurz nach dem Attentat, das mich seither an den Rollstuhl fesselt. Wenige Wochen zuvor hatten wir noch die deutsche Einheit gefeiert.“

Gemeinsam hätten sie unter der Führung Helmut Kohls die Weichen für die Wiedervereinigung gestellt, so Schäuble. „Immer hat er daran geglaubt, dass die Teilung unseres Landes einmal überwunden wird. Er war Deutscher aus tiefstem Herzen - und er war ein überzeugter Europäer. Weil er immer wusste, dass Deutschland am besten in einem geeinten Europa aufgehoben ist.“

Der langjährige Außenminister starb am Donnerstagabend im Kreis seiner Familie in seinem Haus im rheinischen Wachtberg-Pechin im Alter von 89 Jahren an Herz-Kreislauf-Versagen.

Slowakischer Außenminister bewunderte Genscher

Der slowakische Außenminister Miroslav Lajcak hat sich von der Nachricht vom Tod des langjährigen deutschen Außenministers Hans-Dietrich Genscher erschüttert gezeigt. „Hans-Dietrich Genscher war ein großartiger Mensch, den ich schon als Kind bewunderte. Ich empfinde es als großes Glück, dass ich ihm als slowakischer Außenminister vor zwei Jahren eine der höchsten Auszeichnungen unseres Landes verleihen konnte. Er spielte eine außerordentliche Rolle bei der Gestaltung des neuen Europa und der Überwindung der europäischen Teilung.“

Tschechischer Außenminister: „Ausnahmepersönlichkeit“

Der tschechische Außenminister Lubomir Zaoralek hat den gestorbenen Hans-Dietrich Genscher als eine „Ausnahmepersönlichkeit“ gewürdigt. Schwerlich finde sich jemand, der wie Genscher die Hoffnung auf die friedliche Wiedervereinigung Deutschlands und Europas verkörpert habe, teilte der Sozialdemokrat am Freitagabend mit. Genscher hatte am 30. September 1989 Tausenden DDR-Flüchtlingen in der deutschen Botschaft in Prag die Ausreise verkündet.

„Weil er selbst aus Ostdeutschland stammte, hat er die Teilung nie anerkannt, ohne aber den bestehenden Graben zwischen Ost und West zu vertiefen“, merkte Zaoralek an. „Nicht nur die FDP, sondern auch Deutschland und Europa verlieren mit Hans-Dietrich Genscher eine Ausnahmepersönlichkeit“, fügte der 59-Jährige hinzu.

dpa

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