Mühle, Milch und markige Stammtischparolen

Gisela Sengl und Judith Bogner auf Erkundungstour im Landkreis Mühldorf

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Landkreis Mühldorf - Die Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl und ihre Parteikollegin beziehungsweise Landtagswahlkandidatin Judith Bogner suchten das Gespräch mit mehreren gewerblichen Unternehmern aus dem Landkreis.

Erste Gesprächspartnerin war Müllermeisterin Monika Drax, Inhaberin der traditionsreichen Drax-Mühle am Hochhauser Bach in der Gemeinde Rechtmehring. Mit von der Partie war Bea Rieger, Abteilungsleiterin Markenentwicklung von Tagwerk eG als Expertin auf der Vertriebsseite.

Müllermeisterin Monika Drax verarbeitet mit einem Team von 20 Mitarbeitern 1000 Tonnen Getreide im Jahr und gehört damit zu den kleineren mittelständischen Mühlenbetrieben. Judith Bogner, Kandidatin für den Landtag, und Landtagsabgeordnete Gisela Sengl, agrarpolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion und Nummer 3 auf der Liste der oberbayrischen Grünen, sowie weitere Parteimitglieder ließen sich den Mahlvorgang erklären und informierten sich über die Anliegen der Mühlen-Chefin.

In einem 2016 komplett neu umgebauten Mahlsystem entstehen in insgesamt 16 Mahlvorgängen 30 verschiedene Produkte. Diese verkauft die Drax-Mühle an Bäckereien der Umgebung, an Wiederverkäufer, im Online-Shop oder im gut sortierten Mühlenladen. Das Getreide kauft die Müllermeisterin Monika Drax im Umfeld von ungefähr 50 Kilometer an. Dabei gilt die Devise: Qualität, sorgfältiges Müllerhandwerk, bewusster Umgang mit dem Naturschatz Getreide, kurze Wege vom Erzeuger zum Verbraucher. In der Mühle werden auch bodenständige, überlieferte Getreidesorten wie Rotkornweizen, Ur-Dinkel der Sorte Oberkulmer Rotkorn, Einkorn, Kamut und Emmer verarbeitet. Die Vermarktung dieser, vom Speiseplan nahezu verschwundenen Sorten, leistet sie einen wichtigen Beitrag zu deren Erhaltung. Die Unterstützung mittel- und kleingewerblicher Betriebe sowie die Förderung von regionalen Produkten, ist – so betonten beide Politikerinnen – „Bündnis 90 – Die Grünen“ ein besonderes Anliegen. Mehr Informationen zur Produktpalette der Mühle gibt es von Montag bis Samstag im Mühlenladen oder an einem Aktionstag am 27. Oktober im Rahmen der "Geschichtstage im Landkreis Mühldorf".

Die Grünen im Gespräch mit Unternehmern und Gewerbetreibenden im Landkreis Mühldorf

Als nächstes stand der Besuch bei 50 milchproduzierenden Damen auf dem Programm. Diese fühlen sich auf dem Bio-Hof von Alfons Linner in Rainbach kuh-wohl, denn – anders als viele Artgenossinnen – gehen sie täglich auf die Wiese direkt am Hof und kümmern sich selbst um ihr Futter. Morgens und abends liefern sie ihre Milch im Stall ab. Der Milchertrag fällt bei diesen Kühen in Vollweidehaltung geringer aus als bei Tieren, die lebenslang im Stall stehen, dafür geht es den Tieren aber gut. Das Kuhwohl liegt dem studierten Bio-Landwirt Alfons Linner und seiner Familie ebenso am Herzen wie einrücksichtsvoller Umgang mit der Natur, der eine nachhaltige Nutzung bei deren gleichzeitiger Erhaltung erst ermöglicht. Neben dem Grünland bewirtschaftet die Familie auf ungefähr 50 Prozent der Fläche Ackerland mit Kartoffel- und Getreideanbau. 90 im Obstgarten und auf der Wiese frei laufende Hühner bereichern das Angebot mit zahlreichen Eiern und mit ihrem Fleisch.

Während Alfons Linner unter anderem das aus eigenem Getreide selbst gebackene Brot auf dem Bauernmarkt in Haag anbietet, gibt es das Rindfleisch über "Naturland" zu kaufen. Landwirt Linner und dessen Vater Alfons Linner - Bürgermeister der Gemeinde Kirchdorf– stellten den Hof Anfang der 1980er Jahre gemeinsam auf Bio-Produktion um. Sie ziehen an einem Strang, wenn es um gesunde Landwirtschaft und einen möglichst schonenden Umgang mit dem Nutzvieh geht. Damit, so stellten die Besucherinnen fest, tragen sie zu einer naturnahen, die natürlichen Ressourcen schonenden Nahrungsmittelerzeugung bei, die die "Grünen" unterstützen und auszubauen wollen.

Den Abschluss der Erkundungsfahrt im Landkreis machte ein realsatirisches Stammtischgespräch, in dem Anke Foyle, Erika Schalper und Rolf Gottstein viele gängige Vorurteile gegenüber einer grünen Politik satirisch auf den Tisch brachten. So erfuhren die Zuhörer im gut gefüllten Saal des Haager Hofgarten vom Wundermittel "Glyphosan", das inzwischen zwar verboten sei, aber wo doch noch viele Kanister im Keller stünden und es die Einfahrt so schön sauber mache, könne man schließlich die Reste noch aufbrauchen. Schließlich sei der dort wuchernde Löwenzahn kreuzgefährlich, und erst der Giersch! Dagegen helfe am besten das "Glyphosan", zum Teil noch vom Opa hinterlassen, aber immer noch gut und: "so eine Qualität gibt es heute gar nicht mehr!"

Die Stammtischler ereiferten sich darüber, dass die grünen Politiker Fahrradwege statt A 94 und B 15 neu bauen und das Rauschmittel Cannabis als Schmerzmittel legalisieren wollten. Unmöglich! Darauf könne man nur mit bayerischem Bier anstoßen – und Prost! Die erstaunten Zuhörer erfuhren des Weiteren, dass der Mensch nicht am Klimawandel mitgewirkt habe und daher auch keine Klima-Flüchtlinge aus inzwischen unbewohnbaren Regionen aufnehmen müsse. Und Prost!

In der anschließenden, angeregten Diskussion antworteten Gisela Sengl und Judith Bogner auf Fragen und Anregungen der Teilnehmer. Dabei zeigte sich, dass ihnen der Ausbau des ÖPNV wichtig ist, sie sich aber auch um sauberes (Trink)Wasser, um Arten- und Landschaftsschutz, um Flächenverbrauch und um Vergeudung von Lebensmitteln Gedanken machen.

"Geiz ist geil" ist eine Parole von vorgestern, an die Stelle von mehr Konsum soll ein bewussterer Umgang mit Nahrungsmitteln, mit deren Produktion und ein Überdenken unseres Konsumverhaltens treten. Die Wege dazu sind vielfältig: so sollten bereits existierende Vorschriften und Gesetze eingehalten und deren Einhaltung dann auch durchgesetzt werden.Eine Wende zu einer umweltverträglicheren Lebensweise muss bereits in der Erziehung der Kinder im Elternhaus und in den Schulen ansetzen. Judith Bogner und Gisela Sengl machten deutlich, dass sie sich für diese Ziele einsetzen werden. Dazu brauchen sie nur noch den Auftrag der Wähler.

Pressemitteilung von Bündnis 90/Die Grünen - Kreisverband Mühldorf

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