Schwere Kämpfe

Kampfhubschrauber bombardieren Aleppo

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Die Offensive der syrischen Regierungstruppen gegen die nördliche Handelsmetropole Aleppo hat begonnen.

Damaskus/Beirut - Assads Truppen wollen den Widerstand der Rebellen in Aleppo brechen. Im Morgengrauen startete ihre Offensive.

Mit einer Großoffensive wollen die syrischen Regierungstruppen von Rebellen kontrollierte Viertel der Wirtschaftsmetropole Aleppo zurückerobern. Dabei setzten sie am Samstag Panzer und Kampfhubschrauber ein, Aktivisten berichteten außerdem von Artilleriebeschuss. Die regierungstreue Zeitung “Al Watan“ bezeichnete die Kämpfe als “Mutter aller Schlachten“. Die Gefechte konzentrierten sich auf das Viertel Salaheddine. Der in Aleppo lebende Aktivist Mohammed Said sagte, in anderen Gebieten der Stadt tobten jedoch ebenfalls Kämpfe.

Etwa 1.000 Kämpfer der Freien Syrischen Armee seien nach Aleppo geeilt, um die Rebellen bei der Verteidigung der von ihnen gehaltenen Gebiete zu unterstützen. Den Regierungstruppen sei es noch nicht gelungen, in die Stadtviertel einzudringen. In einem Bericht des staatlichen Fernsehens hieß es, die Truppen hätten “Gruppen von Terroristen“ schwere Verluste zugefügt. Das Regime bezeichnet die Aufständischen als Terroristen.

Russland, ein langjähriger Verbündeter der syrischen Regierung, warnte vor einer drohenden Tragödie in Aleppo. Gleichzeitig erklärte der russische Außenminister Sergej Lawrow jedoch, es sei unrealistisch, von den syrischen Streitkräften zu erwarten, dass sie tatenlos zusähen, wie die Rebellen wichtige Städte einnehmen. Der türkische Außenminister Ahmed Davutoglu sagte, dass das Regime eine Stadt zerstöre, zeige, welches Ausmaß die Unterdrückung in Syrien erreicht habe.

Die syrische Regierung hatte zuvor mit einer schnellen Gegenoffensive den Aufstand in Damaskus niedergeschlagen. Dabei setzte sie auf schwere Waffen und Hausdurchsuchungen. Zahlreiche Menschen kamen ums Leben. Aktivisten der Opposition erklärten, sie rechneten in den kommenden Tagen mit einer ähnlichen Taktik in Aleppo. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, die Angriffe auf die Millionenstadt hätten vor Morgengrauen mit einem Bombardement mehrerer Gebiete begonnen. Rebellen hätten einige Panzerfahrzeuge zerstört.

22 Menschen, überwiegend Zivilpersonen, seien bei den Kämpfen am Samstag getötet worden, erklärte die Beobachtungsstelle. Insgesamt hätten die Gefechte in der vergangenen Woche in Aleppo schätzungsweise 162 Menschen das Leben gekostet, Regierungssoldaten nicht eingerechnet.

Mood rechnet mit Sturz des Regimes

Saudi-Arabien und andere Länder haben sich positiv zu einer möglichen Bewaffnung der Rebellen geäußert. Der saudiarabische König Abdullah rief vor einer Woche zu Spenden für “unsere Brüder in Syrien“ auf. Die amtliche saudiarabische Nachrichtenagentur meldete am Samstag, es seien schon mehr als 72 Millionen Dollar (knapp 59 Millionen Euro) eingegangen.

Der frühere Leiter der UN-Beobachtermission in Syrien, Generalmajor Robert Mood, erklärte am Freitag, es sei nur eine Frage der Zeit, bis das Regime in Damaskus stürze. “Es ist unmöglich, sich eine Zukunft in Syrien vorzustellen, in der die Personen, die derzeit an der Macht sind, an der Macht bleiben“, sagte er. Die Regierung könnte stürzen, wenn mehr Angehörige der Streitkräfte sich lossagten und der Opposition anschlössen.

Zwei von islamistischen Extremisten in Syrien verschleppte Journalisten kamen unterdessen frei. Der holländische Fotograf Jeroen Oerlemans und sein britischer Kollege John Cantlie wurden nach eigenen Angaben von syrischen Rebellen befreit und erreichten eine Woche nach ihrer Entführung die Türkei. Oerlemans sagte dem niederländischen Radiosender Business News am Freitag, er sei nicht sicher, von welcher Gruppe er und Cantlie verschleppt worden seien, er sei sich aber sicher, dass es sich bei den Entführern nicht um Syrer gehandelt habe.

Zwei vor acht Tagen verschleppte italienische Ingenieure wurden laut einem Bericht des staatlichen syrischen Fernsehens vom Freitagabend von den Streitkräften befreit. Bei einer Pressekonferenz in Damaskus sagte einer der Italiener, sie seien von einer Gruppe vermummter Männer auf dem Weg zum Flughafen entführt worden. Sie seien ausgeraubt und in einer kleinen Villa festgehalten worden.

Katholische Kirche ruft zu Spenden auf

Die katholische Kirche rief unterdessen zu Spenden für syrische Flüchtlinge auf. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, erklärte am Samstag in Bonn, immer mehr Menschen seien vor den Gefechten auf der Flucht. Ihre Zahl steige dramatisch. Die kirchlichen Hilfswerke Caritas international, Misereor, Missio und das Kindermissionswerk arbeiteten mit Partnerorganisationen in Syrien und den Nachbarländern zusammen.

dapd

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