Kurdische Autonomieregionen

Irak: Kurden stellen sich gegen Dschihadisten

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Irakische Freiwillige im Süden des Irak. Die Regierung setzt nun auf die autonomen kurdischen Regionen.

Bislang hat die Krise im Irak den Kurden genutzt. Im Kampf gegen die Isis-Dschihadisten spielen sie eine wichtige Rolle. Sogar Rufe nach der PKK sind schon laut geworden.

Mit ihrem brutalen Vormarsch hat die Terrorgruppe Isis den Irak in eine neue Krise gestürzt. In der spielen auch die Kurden eine wichtige Rolle. Kurdische und irakische Streitkräfte haben sich neu formiert, sie leisten zusammen mit zahlreichen Freiwilligen Gegenwehr. Im Norden des Landes und in der Region um Kirkuk stellen sich die Kurdenverbände den Dschihadisten entgegen.

Bislang haben die Kurden im Irak vom Vormarsch der radikalislamischen Milizen profitiert. Die Peschmerga, militärische Kraft der autonomen kurdischen Regierung im Nordirak, übernahm die symbolisch und strategisch bedeutsame Stadt Kirkuk, nachdem die irakische Armee von dort geflohen war.

Der Präsident der kurdischen Autonomieregion, Massud Barsani, rief die Bevölkerung zur Gegenwehr auf. „Es ist die Pflicht aller in der Region Kurdistan, die Peschmerga und die kurdischen Sicherheitskräfte zu unterstützen“, erklärte er. Pensionierte Peschmerga-Angehörige forderte er auf, ihre früheren Militäreinheiten zu kontaktieren.

Nechirvan Barsani, Regierungschef der kurdischen Provinzen im Nordirak, räumte der Verteidigung der Kurdengebiete „oberste Priorität“ ein. Dem Nachrichtensender BBC sagte er, der beste Weg aus der Krise wäre die Einrichtung einer eigenständigen Sunnitenregion - ähnlich den autonomen kurdischen Gebieten.

Die Peschmerga-Soldaten haben sich den Ruf erworben, die einzige Streitmacht im Irak zu sein, die sich den Dschihadisten erfolgreich entgegenstellen konnte. Denn sie konnten die Isis (Islamischer Staat im Irak und in Syrien) aus ihren Regionen fernhalten. „Kurden sind historisch Opfer des Terrorismus. Deshalb betrachten wir die Isis als terroristische Gruppe und sollten gegen sie kämpfen“, zitiert die kurdische Nachrichtenseite „Rudaw“ den einflussreichen kurdischen Politiker Saadi Pira.

Die schiitische Bevölkerung im Irak folgt dem Ruf ihrer religiösen Führer und rüstet sich für einen Krieg gegen die sunnitischen Isis-Kämpfer. Der Konflikt hat viele Bereiche der irakischen Wirtschaft lahmgelegt. Die kurdischen Gebiete aber verfolgen weiter ihre Geschäfte mit der angrenzenden Türkei, einem ihrer wichtigsten Handelspartner. Ihre Öl-Exporte könnten sogar noch zunehmen.

Allen Zugewinnen zum Trotz, sind mit der neuen Krise für die Kurden auch Risiken verbunden. Sie haben zwar neues Land gewonnen, doch das heißt auch, dass ihre Streitkräfte nun verteilt an den Fronten mit der Isis stehen. Deren Kämpfer konnten an neue militärische Ausrüstung gelangen, etwa geländegängige Fahrzeuge und schwere Waffen aus den USA, nachdem irakische Soldaten von ihren Posten geflüchtet waren.

Eine Frage ist, ob die Kurden Kirkuk halten könnten, falls es der irakischen Regierung gelänge, die Isis-Kämpfer zurückzudrängen, und sie die Rückgabe der Stadt verlangen sollte. Die Peschmerga-Truppen jedenfalls bereiten sich auf einen langen Kampf vor. Ihre Führer haben angekündigt, Kirkuk niemals aufzugeben. Die Stadt ist neben ihrem Ölreichtum historisch bedeutsam für kurdische Nationalisten. Die streben nach Autonomie oder einem eigenen Staat für die rund 30 Millionen Kurden, die im Südosten der Türkei, im Norden Syriens, im Irak sowie einigen westlichen Regionen des Irans leben.

Die Kurden im Nordirak haben sich im Wesentlichen selbst regiert, nachdem die internationalen Truppen im ersten Golfkrieg 1991 eine Flugverbotszone geschaffen hatten, um die Kurden zu schützen, und irakische Truppen die Region verließen. Dass es den Isis-Kämpfern bislang nicht gelungen ist, im Irak auf kurdisches Territorium vorzudringen, spricht für die Stärke der kurdischen Regierung. Ihr ist es gelungen, verhältnismäßig stabile Institutionen aufzubauen.

Zu Beginn der aktuellen Irak-Krise waren auch Rufe laut geworden, die militärischen Kräfte der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im Kampf gegen die Isis einzusetzen. Die bewaffnete Gruppe PKK kämpft seit 1984 für einen eigenen Kurdenstaat oder ein Autonomiegebiet im Südosten der Türkei. Die Forderungen nach ihrer Unterstützung kommen zu einer Zeit, in der sich die türkische Regierung um ein Friedensabkommen mit der PKK bemüht. Der Waffenstillstand besteht, allen Spannungen zum Trotz, schon seit mehr als einem Jahr.

dpa

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