„Vielleicht wirkt das alles wie stärkendes Drachenblut für meinen Sohn“

Fall Guttenberg: Das sagt sein Vater

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Enoch zu Guttenberg (Archjivbild)

München - In all den Monaten, da die Plagiats-Vorwürfe über seinem Sohn Karl-Theodor zu Guttenberg zusammenschlugen, hat sein Vater eisern geschwiegen. Jetzt hat er sich geäußert.

Mehr als vier Monate nach dem Rückzug des einstigen CSU-Hoffnungsträgers aus der Politik, spricht Enoch zu Guttenberg erstmals über seine Gefühle und über seine Gedanken angesichts der Doktortitel-Affäre seines Sohnes, die „wie ein Tsunami“ über die Familie gekommen sei. Die tz zitiert die wichtigsten Äußerungen aus dem Interviewband „Enoch zu Guttenberg. Dirigent, Intendant, Umweltschützer“, der am Freitag im Propyläen Verlag erscheinen wird und über den der Focus vorab berichtete.

Enoch zu Guttenberg über den familiären Leistungsdruck

„Im Zusammenhang mit meinen großen Söhnen warnte mich einmal ein enger Freund: ‚Enoch, pass auf deine Söhne auf, die kennen dich nur mit großem Applaus, die erleben dich auf Konzertreisen vor vollen Häusern, du bist ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann, nimm diesen Druck für die Buben raus!‘ Vielleicht ist das tatsächlich ein enormer Leistungsdruck, unter dem wir da alle stehen.“

Über seine Solidarität zum Sohn nach dem Rücktritt

„Ach, ich wollte mich zu der ganzen Angelegenheit erst gar nicht äußern. Nicht, weil ich nichts zu sagen gehabt hätte, sondern weil es mich so irrsinnig aufgewühlt hat. Es gab ja viele Demos in den Tagen, ich habe alle abgesagt, weil Karl-Theodors politische Karriere ja kein Familienunternehmen ist und ich ihm lieber privat zur Seite stehen wollte. An dem fraglichen Tag der Demonstration in Guttenberg wollte ich mit meiner kleinen Familie in den Süden fahren, das war lange geplant. Und als wir durch den Ort fuhren, waren die Guttenberger gerade dabei, Podeste aufzubauen und die Demo zu organisieren (...) Da hatte ich ein so schlechtes Gewissen, dass ich meiner Frau gesagt habe: Umdrehen, ich muss da hin, ob ich will oder nicht.“

Über seine Haltung zur Plagiats-Affäre

„Ich kann nicht in den Kopf meines Sohnes schauen, aber ich denke, in sein Herz. Mir als Vater hat er jedenfalls nie Grund gegeben, an seiner Wahrhaftigkeit zu zweifeln. (...) Und ganz unabhängig von der Frage, was Karl-Theodor nun getan hat oder nicht: Wie man mit ihm in der Öffentlichkeit umgegangen ist, steht dazu in überhaupt keinem Verhältnis.“

Über den Umgang der Öffentlichkeit mit seinem Sohn

„Ich habe mit Schrecken festgestellt: In Deutschland lernt man wieder, kräftig nachzutreten, auch wenn einer längst am Boden liegt. Im Boxring jedenfalls ist das verboten. (...) Generell sollten wir uns alle wieder auf den Wertekanon des Neuen Testaments besinnen, immerhin eine der Grundlagen des christlichen Europas. (...) Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein…“

Über ein mögliches politisches Comeback seines Sohnes

„Es geht darum, wie und ob es meinem Sohn gelingt, den Menschen, die ihm vertrauten, denen, die ihn geliebt haben und noch lieben, die Sicherheit zurückzugeben, dass sie sich - trotz geschehener und eingestandener Fehler - nicht in ihm und seinem Charakter getäuscht haben. (...) Alles in allem: Was Karl-Theodor jetzt ausgelöst und mitgemacht hat, stellt sich für ihn und die Familie auf Dauer vielleicht wirklich als eine Art stärkendes Drachenblut heraus.“

Guttenberg: Die besten Sprüche zur Plagiats-Affäre

Guttenberg: Die besten Sprüche zur Plagiats-Affäre

Zurück zur Übersicht: Politik

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser