Geht er damit zu weit?

Kritiker Dieter Nuhr legt hart gegen Greta nach: „... dann haben wir Milliarden Tote“

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Satiriker Dieter Nuhr wählt über die Klimakampagne von Greta Thunberg drastische Worte.
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Der Kabarettist Dieter Nuhr attackierte Greta Thunberg bereits mehrfach in der ARD. Nun legt der Satiriker erneut gegen die Klima-Aktivistin nach. Wie ist es um seine Thesen bestellt?

München - Mit seinen zuweilen herablassenden Ausführungen über die Klimakampagne von Greta Thunberg hat sich Dieter Nuhr bei Teilen der Bevölkerung großen Unmut zugezogen. 

Bei Merkur.de* sprach der deutsche Kabarettist bereits über die harschen Reaktionen auf seine kritischen Statements bezüglich der schwedischen Aktivistin und ihre Bewegung. Dabei führte der 58-Jährige an, dass er in den vergangenen Jahren schon des Öfteren mit ökologischen Katastrophen-Szenarien konfrontiert wurde - das Ende der Welt aber nach wie vor nicht eingetreten sei.

Greta Thunberg: Dieter Nuhr „begrüßt Proteste“, beklagt aber Sichtweise

Zwar sagte der TV-Humorist in diesem Interview: „Ich kann nicht mehr tun, als in jeder Sendung betonen, dass ich die Proteste an sich begrüße, weil sie die Problemlösung vorantreiben, dass ich aber die Lösungsvorschläge der Bewegung für naiv und gefährlich halte.“

In einem Podcast ging es nun darum aufzuarbeiten, was Satire darf und wo denn die Grenzen dieser liegen würden. Weiterer Bestandteil dieser Aufarbeitung war auch eine vermeintlich „übellaunige Debattenkultur in Deutschland“.

Greta Thunberg polarisiert. Wie stehen Sie zu der Klima-Aktivistin? Machen Sie mit und stimmen Sie ab! 

Nuhr über Thunberg: „Blasphemie“ oder berechtigte Kritik?

Dabei wählte der polarisierende TV-Star gegenüber Journalist Michael Bröker zum Teil martialische Worte, die auf die Umweltaktivisten abzielten. So gab Dieter Nuhr in dem Dialog der Podcast-Reihe von Buchautor Gabor Steingart anfangs zu Protokoll, dass es den Reaktionen nach offenbar „Blasphemie“ gewesen sei, die Ikone Greta Thunberg satirisch durch den Kakao zu ziehen. Auf die Frage, ob er sich mit Thunberg und ihrer Bewegung vielleicht das falsche Opfer ausgesucht habe, betont Nuhr, dass er sich eher „das mächtigste Opfer der Welt“ ausgesucht habe. Begründung: Diese treffe sich schließlich mit den wichtigsten Staatschefs der Welt.

Dabei erläutert Dieter Nuhr seine Bedenken hinsichtlich der Klimabewegung von Greta Thunberg: „Die Forderungen laufen darauf hinaus, dass wir die Welthandelsordnung auflösen.“ Und dann drohen nach Meinung des Satirikers globale Auswirkungen, die sich die meisten Menschen kaum ausmalen könnten: „Wenn das passiert, dann haben wir nicht Millionen, sondern Milliarden Tote. Das läuft auch auf einen dritten Weltkrieg hinaus, wenn das passieren würde“, so die wagemutige These. Äußerungen dieser Art dürften möglicherweise der Grund sein, dass für viele Menschen die Grenze von Satire überschritten ist. 

Wie weit Satire gehen darf, wird immer wieder diskutiert - auch im Fall des bekannten Komikers Uwe Steimle, der offenbar kurz vor seinem Karriereende beim MDR steht.

Dieter Nuhr vs. Greta: Satire über Fridays for Future - These wackelt inhaltlich

Ähnlich fragwürdig erscheint ein Aspekt, der sich auf ein Zitat von Nuhr bei Merkur.de bezieht. Dort bekundete er nämlich folgende Einschätzung: „Ich bin schon so oft von Wissenschaftlern über das baldige Ende der Welt informiert worden, dass ich in der Tat nicht mehr zur Panik neige. Das fing mit dem Waldsterben und dem Ozonloch an, ging weiter mit dem Rinderwahnsinn und endete beim Stickoxid. Jedes Mal gab es wissenschaftliche Fakten. Und trotzdem wurden die Menschen immer älter als je zuvor ...“ Wie ist es um die Wahrheit der von Dieter Nuhr genannten Probleme bestellt, welche die durchaus bedeutsame Thematik von Schadstoffen in der Luft aufgreifen? 

Die Antwort: Erst als Folge der Diskussion um das Ozonloch wurde der Stoff FCKW, der sich auf die Ozonschicht auswirkt, in vielen Staaten der Welt verboten. Das Problem wurde erst danach kleiner - und nicht einfach so von selbst. Das Thema Waldsterben hingegen ist bis zum heutigen Tage leider allgegenwärtig: Weltweit, wie kürzlich in Brasilien oder Sibirien gab es massive Verluste zu beklagen, wenngleich beschleunigt durch vermeintliche Brandstiftung. In Deutschland plante Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner noch im August 2019 einen nationalen Krisengipfel. Nicht zuletzt ist auch das Thema Stickoxid-Grenzwerte ein Dauerbrenner und das nicht nur in der heimischen Industrie und Wirtschaft.

Im Netz sieht sich Nuhr aufgrund seiner Bemerkungen über die Klimakampagne von Greta Thunberg Gegenwind ausgesetzt, wenngleich er selbst bekundet, „besonders aus der politischen Mitte“ großen Zuspruch zu erhalten.

Greta Thunberg muss sich nicht nur Kritik stellen - die junge Klimaaktivistin kämpft auch damit, dass immer mehr Leute vorgeben, sie zu sein. Kürzlich lehnte sie außerdem aus Protest einen Umweltpreis ab, der mit knapp 50.000 Euro dotiert ist.

Dieter Bohlen schoss zuletzt heftig gegen Greta Thunberg und inszenierte sich danach als „Umweltpapst“ Seine Fans straften ihn dafür ab.

PF

*Merkur.de ist ein Angebot des bundesweiten Ippen Digital Redaktionsnetzwerks

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