Euro-Rettung: Deutsche Risiken bei einer Billion

Berlin/München – Die Risiken für Deutschland aus der Euro-Rettung werden mit Inkrafttreten des ESM nach Berechnungen von Bundestagsabgeordneten auf 1,05 Billionen Euro steigen.

Wie der Münchner Merkur in seiner (Donnerstag-)Ausgabe berichtet, geht dies aus mehreren Schreiben des Finanzministeriums an Unions-Parlamentarier hervor. Eine Gruppe von Abgeordneten um Johannes Singhammer (CSU) hat in einer konzertierten Aktion diese Risiken Deutschlands abgefragt. Die Antworten liegen der Zeitung vor.

Als Konsequenz erklärte Singhammer gegenüber dem Merkur: "Bei diesen gigantischen Haftungsrisiken muss der Bundesfinanzminister einen monatlichen Überblick vorlegen, um Transparenz zu gewährleisten."

Die Riskoposten im Einzelnen

Target-Salden: Rund 511 Milliarden Euro schuldeten zum Stand 31. Januar 2012 die Notenbanken der Südländer der Deutschen Bundesbank. Bricht der Euro zusammen, ist das Geld weg, warnt seit Wochen der Chef des ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn. Mittlerweile ist der sogenannte Target-2-Saldo auf rund 550 Milliarden Euro angewachsen.

Rettungsschirm EFSF: Auf Deutschland entfallen Gewährleistungen von maximal 211 Milliarden.

Permanenter Rettungsmechanismus ESM: Er soll künftig den Ankauf wackliger Staatsanleihen der Problemländer und direkte Hilfen an die Schuldenländer finanzieren. Der deutsche Haftungsanteil beträgt laut Bundesfinanzministerium 190 Milliarden.

Giftpapiere in EZB-Tresoren: Die Europäische Zentralbank hat für 219 Milliarden Ramsch-Anleihen der Schuldenstaaten angekauft. Die Bundesbank ist mit 27 Prozent am EZB-Kapital beteiligt. Macht einen deutschen Risikoanteil von 59 Milliarden.

Griechenland-Paket: Gut 22 Milliarden Euro hat Deutschland den Griechen im ersten Rettungspaket geliehen.

Aus dem EU-Etat wurden Hilfen im Rahmen von 60 Milliarden Euro zugesagt. Da der deutsche Anteil am EU-Haushalt 20 Prozent beträgt, entfallen 12 Milliarden auf Berlin. Als IWF-Kapitalgeber bürgt Deutschland für 3 Milliarden. Mit 49 Milliarden hat hat der Internationale Währungsfonds Portugal und Irland aus der Patsche geholfen. Der Kapitalanteil Deutschlands am IWF beträgt sechs Prozent. Macht summa summarum 1,049 Billionen Euro. Unklar ist noch, ob der EFSF parallel zum ESM weiterbestehen soll oder nicht – wäre das nicht der Fall, würden sich die deutschen Haftungsrisiken um einen dreistelligen Milliardenbetrag reduzieren.

MM

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Politik

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser