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Energiekrise

Unabhängig von Russland: Kann Rumänien Europa mit Gas aus dem Schwarzen Meer versorgen?

Die Petromar Central Platform steht im Schwarzen Meer.
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Die Petromar Central Platform fördert Erdgas im Schwarzen Meer.

Rumänien verfügt über große Gasvorkommen, die jahrelang nicht gefördert wurden. Das soll sich ändern, damit die EU nicht mehr auf Russland angewiesen ist.

Bukarest – Nicht nur Deutschland versucht, die Abhängigkeit von Gasimporten aus Russland zu verringern. Auch andere Staaten suchen Alternativen, seit der Ukraine-Konflikt die weltpolitische Lage radikal verändert. Einige Länder, wie Rumänien, können dabei auf eigene Vorkommen zählen. Dort zeichnet sich eine Trendwende ab. Denn die rumänische Regierung um den Premier Nicolae Ciuca will die bisherige Importpolitik aufgeben und durch mehr Eigenförderung auf die Gasimporte aus Russland verzichten.

Das Institute for Central Europe (IES) schätzt, dass bei Inbetriebnahme aller geplanten Lagerstätten in Rumänien die jährliche Gasförderung im Jahr 2025 auf fast 20 Milliarden Kubikmeter ansteigen könnte.

Gas für die EU: „Notwendige Mittel für eine solche Großaktion“ nicht vorhanden

Der rumänische Energieexperte Dumitru Chisăliță sieht aber nur eine theoretische Chance, dass Rumänien die Vorteile eines Gasimportlandes zukünftig nutzt, ähnlich wie Norwegen. Die Voraussetzung dafür wäre, dass rumänische Politiker sich verantwortungsvoll und professionell verhielten. „Der eigentliche Unterschied [zwischen Norwegen und Rumänien] besteht darin, dass Rumänien seine Entwicklung der wirtschaftlichen Aktivitäten nicht auf eine Auswahl der Besten gründet. Sie verfügt auch nicht über die notwendigen Mittel für eine solche Großaktion“, sagte Chisăliță fr.de von IPPEN.MEDIA.

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Die rumänische Wirtschaft gehörte vor 1989 zu den besonders energieintensiven im Ostblock. Neben Kohle wurden auch größere Mengen Erdgas genutzt. In den Spitzenzeiten, am Anfang der 1980er Jahre, verbrauchte Rumänien sogar 32 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Nach der Wende nahm der Verbrauch massiv ab und pendelte sich in den letzten Jahren bei 10 bis 11 Milliarden Kubikmetern ein. 2015 konnte Rumänien den Bedarf noch aus eigenen Quellen decken. Mit der Einführung von hohen Steuern und Abgaben für die Gasförderung ging die Eigenförderung stark zurück. Im Jahr 2020 lag sie bei 8,6 Milliarden Kubikmetern.

Gas aus Rumänien: Vorkommen viel größer als der eigene Verbrauch

Ins Blickfeld rückt jetzt vor allem die Eigenförderung auf dem Meer. Jahrelang blieb das Potenzial des Neptun Deep Erdgasfeldes im rumänischen Schwarzen Meer wegen Überregulierung ungenutzt. Die Investoren schreckten vor den juristischen und steuerlichen Schwierigkeiten zurück, die die rumänischen Regierungen Investoren in den Energiesektor auferlegt haben. Die steuerliche Belastung auf die Sondergewinne aus der Rohstoffförderung lagen zwischenzeitlich bei 15 bis 50 Prozent. Die Lizenzabgaben, die bis zu 13,5 Prozent betragen konnten, verteuerten die Gasförderung noch zusätzlich.

Die Umsetzung erscheint umso realistischer, als der staatliche Gaskonzern Romgaz die Hälfte des größten Gasfeldes Neptun Deep von ExxonMobil Anfang Mai übernommen hatte. Die andere Hälfte des Neptun Deep gehört der österreichischen OMV. Sollten die Arbeiten, wie versprochen, bald beginnen, würde Rumänien in einigen Jahren zu einem wichtigen Gasexporteur in Südosteuropa aufsteigen.

„Rumänien wird [nach der Inbetriebnahme von Neptun Deep] einen Gasüberschuss haben, seine Gasproduktion weit über den derzeitigen Inlandsverbrauch hinaus verdoppeln und ein Anbieter regionaler Energiesicherheit werden“, sagte der Energieminister Virgil Popescu.

Vorkommen im Schwarzen Meer: Bis zu 170 Milliarden Kubikmeter Erdgas

Rumänien hat mehrere Gasfelder vor der eigenen Küste. Im April kündigte der rumänische Premier Nicolae Ciuca an, dass bereits dieses Jahr Rumänien rund 1 Milliarde Kubikmeter Erdgas Offshore fördern wird. Das entspricht etwa 10 Prozent des jährlichen Verbrauchs. In der rumänischen Wirtschaftszone des Schwarzen Meeres werden bis zu 170 Milliarden Kubikmeter Erdgas vermutet. Allein Neptun Deep soll bis zu 100 Milliarden Kubikmeter Erdgas haben.

Im Hurezani Gas Hub wird das Erdgas in das rumänische Netz eingespeist.

Bei den Offshore-Förderanlagen, die schon in der zweiten Jahreshälfte in Betrieb gehen werden, handelt es sich um relativ küstennahe Gasvorkommen. Die Gasförderung auf hoher See wurde erst kürzlich rechtlich ermöglicht und bezieht sich speziell auf die Anforderungen des Gasfeldes Neptun Deep.

Bereits 2008 haben OMV Petrom, eine Tochterfirma der österreichischen OMV, und ExxonMobil Exploration and Production Romania, eine Tochterfirma von ExxonMobil aus den USA, eine Gesellschaft gegründet für die Nutzung von Neptun Deep. Die Anteile der Unternehmen liegen bei je 50 Prozent. Bis 2016 wurden Vorbereitungsarbeiten durchgeführt, die etwa 1,5 Milliarden Dollar gekostet haben. Im Jahr 2018, unter der sozialdemokratischen Regierung von Viorica Dăncilă, wurden weitere Verpflichtungen für die Energiebranche beschlossen. Im Rahmen dieser Reform sind unter anderem die Verpflichtung zur Veräußerung von Erdgas über einen einzigen Betreiber, der OPCOM, und eine Umsatzsteuer von 2 Prozent eingeführt worden. Das führte auch dazu, dass sich ExxonMobil seit dem Jahr 2019 aus dem Engagement in Rumänien wieder zurückziehen wollte.

Pipeline-Bau wiederbelebt: Bisher war Russland der Hauptversorger

Da die Eigenförderung wegen der Kosten rückläufig wurde, hat Rumänien ab 2016 bevorzugt mit Erdgas aus Russland geschlossen. Der Anteil des indirekt ins Land importierten Rohstoffes lag schließlich bei rund 10 - 15 Prozent. Rumänien hat aber keine direkten Verträge mit Gazprom abgeschlossen.

Das rumänische Erdgas soll zukünftig über die Gasleitung Bulgaria-Romania-Hungary-Austria (BRUA) weitergeleitet werden. Ursprünglich wurde mit der Fertigstellung des Projekts im Jahr 2021 gerechnet. Doch der Pipelinebau galt zwischenzeitlich als gescheitert. Mit der Übernahme der ExxonMobilanteile durch die Romgaz könnte der Bau der Pipeline jedoch neu belebt werden. Das wäre zu empfehlen, gerade auch deshalb, weil ein Großteil der Arbeiten dafür bereits stattgefunden hatte. Über die BRUA könnten dann auch Bulgarien, Ungarn und vor allen Österreich mit zusätzlichem Gas aus Rumänien versorgt werden. (Aleksandra Fedorska)

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