Gespräch nach ruppigen Personalstreit

Ein bisschen Frieden für die CSU: Söder will Ruhe zwischen Aigner und Kreuzer

Ilse Aigner, Chefin der CSU Oberbayern.
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Ilse Aigner, Chefin der CSU Oberbayern.

Die CSU will ein bisschen Frieden, ehe die Adventszeit beginnt. Am Montag mussten sich deshalb zwei Führungsleute unter vier Augen in ein Zimmer setzen, die gar nicht gut aufeinander zu sprechen sind:

München – Landtagspräsidentin Ilse Aigner und CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer haben einen Anlauf unternommen, ihren ungewöhnlich ruppigen Personalstreit zu entschärfen.

Man weiß nicht genau, wie freiwillig sie zusammenkamen am Rande einer Sitzung der Hanns-Seidel-Stiftung. Beteiligte erzählen von einer „nachdrücklichen Bitte“ des Ministerpräsidenten Markus Söder am Sonntag, die beiden sollten ihren Zoff eilig beilegen. Söder kann sehr nachdrücklich bitten. Aigner ging offenbar einen Schritt auf Kreuzer zu, bot per SMS ein Treffen an. „Wir haben gesprochen, es war ein gutes Gespräch“, sagt sie am Montagabend. Man sei sich einig, dass das Ergebnis der fraktionsinternen Wahlen vergangene Woche unglücklich sei.

Kandidaten aus Oberbayern fielen reihenweise durch

Bei den Wahlen für die Leiter von Arbeitskreisen – die obersten Fachpolitiker der CSU – waren etliche Kandidaten aus Oberbayern durchgefallen. Mehrere Frauen waren darunter. Das ist ungewöhnlich, weil die 22 oberbayerischen Abgeordneten in der Fraktion den größten Block bilden. Mit ein, zwei klugen Allianzen könnten sie ihre Kandidaten durchbringen. Die Absprachen vor allem mit München und Schwaben trugen jedoch nicht. Zuvor war zudem Ex-Minister Marcel Huber aus Mühldorf mit seiner Bewerbung als Fraktionsvize gescheitert.

Aigner macht für die Wahlniederlagen den Schwaben Kreuzer verantwortlich. Ihre Wut drückte sie gegenüber Journalisten aus, am Samstag sogar per Interview in Kreuzers schwäbischer Heimatzeitung. Dort warf sie dem Fraktionschef ungewöhnlich schroff mangelnden Einsatz für Frauen in Führungspositionen vor. Sie lud ihn öffentlich vor, sich am heutigen Dienstag in einer Runde mit oberbayerischen Abgeordneten zu erklären. „Hilflos“ trete er auf, schimpfte sie.

Offiziell sagt Söder zu Aigners Attacke nichts 

Wie klug Aigners Attacke war, wird in der CSU unterschiedlich bewertet. Gut, dass sie Klartext rede, sagen ihre Unterstützer. Söder soll sich grollend geäußert haben. Sie habe die Kandidaturen schlecht vorbereitet und schüre dann öffentlichen Streit darüber, wird er zitiert – offiziell sagt er dazu nichts. Nun steht die CSU als rückständig da in der Frauenförderung, dabei wollte Söder mit seiner Kabinettsbildung (41 Prozent Frauen auf CSU-Seite) dieses Bild verhindern.

Aus diesem Duell gehen also alle Beteiligten mit blauen Flecken. Auch Aigner: Das Murren über sie unter einzelnen – nicht allen – oberbayerischen Abgeordneten ist vernehmbar. Schon vor fünf Jahren hatte Aigner die Oberbayern bei den Fraktionswahlen in mehrere Niederlagen geführt. „Unglücklich, nicht zum ersten Mal“, mault ein einflussreicher Abgeordneter. Für Aigner ist die Doppelrolle heikel: Als Landtagspräsidentin soll sie moderierend über Streitfragen des Alltags stehen, steckt nun aber voll im Klein-Klein eines Zoffs um Fraktionsämter. Das hatte allerdings bei der Unterfränkin Barbara Stamm, der Vorgängerin, auch keinen gestört.

Das Gespräch der Oberbayern mit Kreuzer findet heute statt, eine halbe Stunde plant er ein. Moderat, „kein Scherbengericht“, sagt Aigner. Andere Abgeordnete pochen durchaus auf ein reinigendes Gewitter. Die Erdingerin Ulrike Scharf, die sich vergeblich um die Führung des Arbeitskreises Wirtschaft beworben hatte, erneuert ihre Kritik an Kreuzer. Der „Herr Fraktionsvorsitzende“ müsse sich fragen lassen, „wie er sich den weiteren Weg für die CSU-Fraktion ,ohne Frauen‘ vorstellt“, sagt Scharf.

Am Mittag treffen sich übrigens alle CSU-Abgeordneten zum Gruppenfoto. Mal sehen, wem da nach Lächeln zumute ist.

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