„Das glaubt hier keiner“

Donald Trump droht - bayerischer Bürgermeister reagiert jedoch ganz gelassen

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Bye-bye Deutschland? Der Bürgermeister von Grafenwöhr schenkt Donald Trumps Drohung wenig Glauben.

Donald Trump erwägt nach eigenen Angaben einen Abzug der US-Truppen aus Deutschland. Ein bayerischer Bürgermeister nimmt‘s gelassen - er nimmt ganz andere Indizien wahr.

Update vom 22. August 2019: Der Bürgermeister der oberpfälzischen Stadt Grafenwöhr Edgar Knobloch geht nicht davon aus, dass US-Präsident Donald Trump seine Drohung wahr macht und seine Truppen aus Deutschland teilweise abzieht. Solche Aussagen gebe es immer wieder. „Das glaubt hier keiner“, sagte der CSU-Politiker. Dennoch sorgten solche Drohungen jedes Mal für eine gewisse Unruhe. Knobloch zufolge gibt es keine Signale, die auf einen tatsächlichen Abzug hindeuteten. Im Gegenteil: Der Standort sei in den vergangenen Jahren gewachsen, zurzeit würden eine Schule und eine Wartungshalle gebaut.

Trump hatte im Juni bei einem Besuch des polnischen Präsidenten Andrzej Duda in Washington eine Verlegung von US-Soldaten aus Deutschland nach Polen ins Spiel gebracht - aus Verärgerung über Deutschlands Militärausgaben. Kurz vor der anstehenden Europareise Trumps verschärften die USA ihre Drohungen.

Grafenwöhrs Bürgermeister unterstrich, dass durch die US-Truppen schließlich auch Kosten anfielen, etwa die Vorhaltung der Infrastruktur. An Wasserversorgung und Abwasser beteiligten sich die Amerikaner. Aber auch die Umwelteinflüsse müssten bedacht werden oder der erhöhte Verwaltungsaufwand.

Von den Menschen in Grafenwöhr werde das aber akzeptiert, weil das Miteinander zwischen Einheimischen und Amerikanern stimme. Zum Verwaltungsaufwand zählt Knobloch beispielsweise die Zahl der Trauungen. So gebe es in der Stadt deutlich mehr Hochzeiten von Amerikanern als von Einheimischen.

Die Amerikaner fühlten sich in Grafenwöhr gut aufgehoben. Die wirtschaftliche Bedeutung des Standortes zeige sich allein an der Zahl der gastronomischen Betriebe. Mehr als 30 Wirtshäuser und Cafés gebe es in der Stadt. Dort kämen die Menschen zusammen. Bei Veranstaltungen wie dem Schützen- oder dem Fischerfest seien etwa 50 Prozent der Besucher Amerikaner, sagte Knobloch. „Da haben sich schöne Freundschaften entwickelt.“ Fotos vom gemeinsamen Feiern mit den US-Amerikanern hatte Knobloch erst Anfang August auf Facebook gepostet.

Ein anderer US-Amerikaner kritisiert derweil Deutschland scharf: Der Starökonom Paul Krugman. Er sagt: „Die Welt hat ein Deutschlandproblem.“

Auch auf dem G7-Gipfel in Biarritz gibt es bereits im Vorfeld Spannungen um Donald Trump. Zum Newsticker geht es hier lang.

Trumps US-Botschafter verschärfen Druck auf Deutschland - Ministerpräsident nimmt‘s locker

Update vom 19. August 2019: Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat gelassen auf den angedrohten Teilabzug von US-Soldaten aus Militärstandorten in Deutschland reagiert. „Ich glaube, dass hier eine Drohkulisse aufgebaut werden soll und halte es nicht für sehr wahrscheinlich, dass die Androhungen umgesetzt werden sollen. Eine Verlegung würde erheblichen logistischen und finanziellen Aufwand bedeuten und wäre in der Sache nicht zu rechtfertigen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

US-Präsident Donald Trump begründet seine Überlegungen zur Truppenverschiebung von Deutschland nach Polen mit den aus seiner Sicht mangelnden Militärausgaben Berlins.

Trumps US-Botschafter verschärfen Druck auf Deutschland - und drohen

US-Präsident Trump. USA drohen mit Truppenabzug. 

Erstmeldung vom 13. August 2019: Berlin/Warschau - Kurz vor den geplanten Europa-Reisen von US-Präsident Donald Trump verschärfen die USA ihre Drohungen mit einem Teilabzug ihrer Truppen aus Deutschland. Diesmal ist es allerdings nicht Trump selbst, der sich äußert - stattdessen spielen zwei seiner Botschafter eine Art Drohungs-Pingpong über Landesgrenzen hinweg.

„Es ist wirklich beleidigend zu erwarten, dass der US-Steuerzahler weiter mehr als 50.000 Amerikaner in Deutschland bezahlt, aber die Deutschen ihren Handelsüberschuss für heimische Zwecke verwenden“, sagte der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, der Deutschen Presse-Agentur. Um die amerikanischen Steuerzahler zu entlasten, plant Trump außerdem drastische Einschnitte bei der legalen Migration.

USA/Trump droht: Truppen sollen nach Osten verlegt werden

Zuvor hatte die US-Botschafterin in Polen, Georgette Mosbacher, getwittert: „Polen erfüllt seine Zahlungsverpflichtung von zwei Prozent des BIP gegenüber der Nato. Deutschland tut das nicht. Wir würden es begrüßen, wenn die amerikanischen Truppen in Deutschland nach Polen kämen.“ Trump hatte eine Truppenverlegung von Deutschland nach Polen bereits im Juni bei einem Besuch des polnischen Präsidenten Andrzej Duda in Washington ins Spiel gebracht.

Grenell pflichtete den beiden bei. „Präsident Trump hat Recht und Georgette Mosbacher hat Recht“, sagte er. „Zahlreiche Präsidenten haben die größte Volkswirtschaft Europas gebeten, für ihre eigene Verteidigung zu zahlen. Das ist eine Bitte, die sich über viele Jahre und viele Regierungen hingezogen hat.“ Nun sei man an dem Punkt angelangt, an dem die Amerikaner und der US-Präsident reagieren müssten.

Deutschland ist das Land, in dem die meisten US-Truppen in Europa stationiert sind. Und nach Japan ist es der zweitgrößte Auslandsstandort der US-Streitkräfte überhaupt. Die Kommandozentralen für die US-Truppen in Europa und Afrika sind in Stuttgart, der wichtigste Luftwaffenstützpunkt der USA im rheinland-pfälzischen Ramstein und einer der größten Truppenübungsplätze Europas im bayerischen Grafenwöhr.

US-Soldaten in Deutschland - USA/Trump droht

Insgesamt sind 35.000 US-Soldaten in Deutschland. Hinzu kommen 17.000 amerikanische und 12.000 deutsche Zivilisten, die von den US-Truppen beschäftigt werden. Zehntausende weitere Arbeitsplätze hängen von den amerikanischen Streitkräften ab.

Gerüchte über eine Truppenreduzierung aus Verärgerung über die deutschen Militärausgaben gibt es schon länger. Sie wurden aber zunächst dementiert. Grenell kündigte im September sogar noch eine Aufstockung um 1500 Soldaten an.

USA wollen Truppen aus Deutschland abziehen.

Inzwischen scheint sich das Blatt gewendet zu haben. Deutschland liegt bei den Verteidigungsausgaben trotz eines deutlichen Plus mit angestrebten 1,36 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im laufenden Jahr weit unter dem Nato-Ziel von zwei Prozent. Bis 2024 will die Bundesregierung zwar 1,5 Prozent erreichen. An der mittelfristigen Finanzplanung ist das aber nicht abzulesen. Dort stehen für 2023 1,24 Prozent.

Aktuell sind die Amerikaner zudem verärgert über das klare Nein Deutschlands zu einer Beteiligung an der US-Militärmission zum Schutz von Handelsschiffen vor iranischen Angriffen im Persischen Golf. Auch die US-Bitte um Bodentruppen für den Anti-IS-Kampf in Syrien wurde prompt abgeschlagen. Ob die „Tornado“-Aufklärungsflugzeuge der Bundeswehr in Jordanien stationiert bleiben, ist unklar, weil sich die SPD dagegen wehrt.

Video: USA drohen Deutschland mit Truppenabzug

USA/Trump droht: Verhältnis mit Deutschland angeschlagen?

Bezeichnend für das angeschlagene Verhältnis zwischen den USA und Deutschland sind Trumps Europa-Reisepläne Ende August und Anfang September. Der US-Präsident reist am 24. August zunächst zum G7-Gipfel in den französischen Badeort Biarritz, wo er auf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) treffen wird.

Bei einer zweiten Europa-Reise kurz darauf macht er wieder einmal einen Bogen um Deutschland. Vom 31. Juli bis zum 3. August besucht er mit Dänemark und Polen zwei Länder, die in zentralen Streitfragen mit Deutschland auf der Seite der USA stehen. Das gilt vor allem für die umstrittene Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 zwischen Deutschland und Russland.

In Polen dürfte zudem die von der dortigen Regierung sehnlichst erwartete Stationierung von US-Truppen konkretisiert werden. Gut möglich, dass es dann auch schon eine Ansage gibt, von wo die Truppen dorthin verschoben werden.

Wie merkur.de* berichtet, hat Trump das Weiße Haus wegen einer Aussage zu seiner Frau Melania in Bedrängnis gebracht. Die Erklärung klingt haarsträubend. Aus einem ekligen Grund droht der kommende G7-Gipfel in den USA auszufallen.

Donald Trump ist für seine mitunter holprigen und oft unüberlegten Aussagen bekannt. Jetzt könnte ihm allerdings ein großer Skandal rund um ein Versprechen an den Kragen gehen - denn ein Whistleblower im US-Geheimdienst erhebt schwere Vorwürfe gegen Trump. Ein anderes Telefonat bringt Donald Trump noch weiter in die Bredouille - denn der US-Präsident soll Australien um Hilfe gebeten haben. 

Droht Donald Trump ein Amtsenthebungsverfahren? Der US-Präsident sieht bei sich kein Fehlverhalten und schiebt die Verantwortung auf die Presse und die Demokraten.

Im Norden Syriens bahnt sich ein Offensive der türkischen Truppen an. Die USA zeihen sich aus dem Gebiet zurück. Dafür wird Trump sogar von den eigenen Leuten kritisiert.

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

dpa

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