Demo in Bahrain gewaltsam aufgelöst - vier Menschen getötet

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Bahrain - Bereitschaftspolizisten in Bahrain haben eine mehrtägige Protestaktion auf einem zentralen Platz in der Hauptstadt Manama mit Gewalt aufgelöst. International wächst die Sorge um die Lage im Golfstaat.

Nach Angaben von Ärzten gab es vier Tote. Der Außenminister äußerte später Bedauern über die Gewalt. Nach Räumung des seit Montag besetzten Platzes patrouillierten erstmals Soldaten und Panzer in der Hauptstadt. Der Platz mit einem 90 Meter hohen, eine Perle darstellenden Monument war nach dem Ende der Proteste auf dem Kairoer Tahrir-Platz zu einem Zentrum der Protestbewegung in der arabischen Welt geworden.

Demonstranten fordern bessere Lebensbedingungen

Auch in anderen arabischen Ländern gab es Tote und Verletzte bei Protesten: In Libyen wurden nach Angaben eines in der Schweiz lebenden Oppositionspolitikers 14 Demonstranten getötet. Nach Angaben auf Internetseiten der libyschen Opposition und eines Gaddafi-Gegners fanden in vier Städten des Landes am Donnerstag, der zum “Tag des Zorns“ ausgerufen worden war, Protestkundgebungen statt. Die Aufrufe zur Teilnahme an den Demonstrationen wurden wie auch in Tunesien und Ägypten über Facebook und Twitter verbreitet.

Bilder: Blutige Unruhen in Bahrain

Blutige Unruhen in Bahrain

Aus dem Süden Iraks gab es widersprüchliche Angaben über den Verlauf einer Demonstration in der Stadt Kut: Nach Angaben eines Sprechers der Provinz Wassit gab es drei Tote und 30 Verletzte, als Polizisten und steinewerfende Demonstranten aneinandergerieten. Die Leiterin der Gesundheitsbehörde der Provinz, Diaa al Abudi, sagte allerdings, ihr sei nur ein Todesfall bekannt, ein irakischer Soldat. 55 Personen seien verletzt worden.

In Kut hatten rund 2.000 Demonstranten Augenzeugen zufolge am Mittwoch ein Ende von Korruption, mehr Arbeitsplätze und eine bessere öffentliche Versorgung gefordert. In Basra gingen rund 600 Demonstranten mit denselben Forderungen auf die Straße. Sie verlangten zudem die Entlassung des Gouverneurs, weil der nichts für Basra getan habe. Weitere Proteste wurden aus den ebenfalls im Süden gelegenen Städten Nassir und Nassirija gemeldet.

Äußerste Härte in Manama

In Bahrain vertrieben Bereitschaftspolizisten mit äußerster Härte Demonstranten, die auf dem Platz seit Montag besetzt hielten. Die Aktion begann am frühen Donnerstagmorgen. Nach der Räumung kam das Parlament zu einer Krisensitzung zusammen.

Bei der Räumung waren nach Angaben von Ärzten vier Menschen getötet worden. Aus Protest gegen die Gewalt seien 18 Parlamentsabgeordnete zurückgetreten, teilte ein Führer der schiitischen Opposition, Abdul Dschalil Chalil, mit. Vertreter der schiitischen Bevölkerungsmehrheit hatten zuvor auf dem Platz ein Ende der Diskriminierung durch die sunnitische Minderheit und eine Beschneidung der Macht der sunnitischen Königsfamilie gefordert.

Der Außenminister des Landes, Chalid bin Ahmed al Chalifa, verteidigte zunächst das Vorgehen der Sicherheitskräfte, da die Demonstranten die Bevölkerung polarisierten und das Land an den Abgrund konfessioneller Spaltung drängten. Nach einem Treffen mit Kollegen aus den Golfstaaten fügte Al Chalifa vor Journalisten später hinzu, die Gewalt sei bedauerlich.

In Manama kam das öffentliche Leben am Donnerstag weitgehend zum Erliegen. Arbeiter wurden nicht in die Stadt gelassen, Banken und andere Geschäfte blieben geschlossen.

In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa gingen den siebten Tag in Folge erneut tausende Demonstranten auf die Straße. Die Polizei ging mit Schlagstöcken gegen sie vor.

UN und USA sorgen sich um Bahrain

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte am Donnerstag ein Ende der Gewalt gegen friedliche Demonstranten in Bahrain und anderswo in der arabischen Welt sowie in Afrika, die lediglich “ihre legitimen Ansprüche“ vertreten würden. Vor Journalisten sagte Ban, er hoffe, dass die Verantwortlichen vor Gericht gebracht würden. Weiter sagte er, nun seien mutige Reformen, nicht Repression nötig.

Die USA riefen Bahrain zur Zurückhaltung auf. Außenministerin Hillary Clinton telefonierte mit ihrem Kollegen Al Chalifa. Dabei habe sie ihm “direkt unsere tiefe Sorge über das Vorgehen der Sicherheitskräfte übermittelt“, sagte sie am Donnerstag vor Journalisten. Für die USA ist Bahrain von besonderem Interesse, da sich dort das Hauptquartier der 5. US-Flotte befindet.

Auch die Finanzmärkte reagierten auf die Ereignisse in dem Emirat. Die Ratingagentur Fitch kündigte an, die Kreditwürdigkeit Bahrains herabzustufen, sollten die Unruhen anhalten. Eine wesentliche Verschlechterung der Sicherheitssituation würde eine Herabstufung zur Folge haben, erklärte das Unternehmen.

dapd

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