Modellauto-Affäre

CSU-Spitze gegen den Rücktritt Haderthauers

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Die Mehrzahl der CSU-Spitze ist gegen einen Rücktritt von Christine Haderthauer.

München - Führende CSU-Politiker haben der durch eine Affäre unter Druck geratenen Leiterin der bayerischen Staatskanzlei, Christine Haderthauer (CSU) am Wochenende demonstrativ den Rücken gestärkt.

"Ein Rücktritt von Christine Haderthauer wäre ein Fehler", sagte etwa der ehemalige CSU-Chef Erwin Huber dem Nachrichtenmagazin "Focus". Der "Spiegel" berichtete indes über weitere Ungereimtheiten bezüglich Haderthauers Tätigkeit für die Modellbau-Firma, die psychisch Kranke Modellautos anfertigten ließ.

In der Affäre geht es um das Unternehmen Sapor Modelltechnik, als deren Gesellschafter die Politikerin und ihr Ehemann Hubert Haderthauer früher gemeinsam fungierten. Ein ehemaliger Kompagnon fühlte sich nach seinem Ausstieg aus dem Unternehmen über die tatsächlichen Gewinne getäuscht und erstattete deshalb Strafanzeige wegen Betrugs. Die luxuriösen Modellautos wurden zum Teil für mehrere tausend Euro verkauft. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt nun gegen Haderthauer und ihren Ehemann wegen Betrugsverdacht. Die CSU-Politikerin weist sämtliche Vorwürfe zurück.

CSU-Chef Horst Seehofer hatte sich nach Bekanntwerden der staatsanwaltlichen Ermittlungen hinter Haderthauer gestellt. Diesen Kurs stärkten nun auch andere CSU-Spitzenpolitiker: Es sei gut, "dass Seehofer zu ihr steht", sagte Huber dem "Focus". Auch Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) sprach sich gegen einen Rücktritt Haderthauers aus: "Die Aufnahme von Ermittlungen sagt nichts über Schuld oder Unschuld aus."

Wie der "Spiegel" derweil am Sonntag vorab berichtete, war die Staatsministerin womöglich doch länger an Sapor Modelltechnik beteiligt als bekannt. Demnach hatte Haderthauer zwar bisher dargelegt, dass sie schon 2003 - etwa fünf Jahre vor ihrem erstmaligen Einzug ins bayerische Kabinett - ihre Anteile auf ihren Mann Hubert übertragen habe und damit ausgeschieden sei.

Diese Übertragung wurde dem Bericht zufolge aber offenbar nicht beurkundet, wie aus einem Schreiben ihres Anwalts aus dem Jahr 2011 hervorgehe. Demnach wäre die Ministerin rechtlich bis zum Verkauf der Firma im Jahr 2008 Sapor-Gesellschafterin gewesen.

Dem Bericht zufolge soll sich zudem der ehemalige Haderthauer-Geschäftspartner Gary Kohs beklagt haben, dass Hubert Haderthauer den technischen Kopf der Firma, der damals in Ansbach als Dreifachmörder im Maßregelvollzug einsaß, zur Spielwarenmesse nach Nürnberg mitgebracht habe. Haderthauer habe zudem schon 1994 in einem Brief an Kohs selber geschrieben, dass sich seine Position als Landgerichtsarzt mit seiner Arbeit für die Modellbaufirma schwer vereinbaren ließe. Dennoch war Hubert Haderthauer noch bis 2008 als Geschäftsführer für die Firma tätig.

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