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Seehofers Angst vor der Ente - und Söder

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CSU-Chef H orst Seehofer (l.) und Markus Söder. 

München - CSU-Chef Seehofer macht mysteriöse Andeutungen: Vielleicht will er über 2018 hinaus amtieren. Politiker seiner Partei vermuten dabei zwei Hauptmotive.

Für Prophezeiungen jeder Art hat CSU-Chef Horst Seehofer nichts übrig - wenn andere die Propheten sind. „Es kommt alles anders, als Sie denken“, sagt der bayerische Ministerpräsident gern zu Journalisten. Lediglich für Seehofers eigene Vorhersagen galt bislang der gegenteilige Lehrsatz: „Sie werden sehen, das wird so kommen!“ Doch möglicherweise wird sich der CSU-Chef selber Lügen strafen: Anders als hundertfach angekündigt macht Seehofer seit Wochen mysteriöse Andeutungen, dass er vielleicht doch über 2018 hinaus amtieren will.

„Ich werde bei der nächsten Landtagswahl nicht mehr kandidieren“, sagte Seehofer vor einem Jahr. Die Klarheit ist inzwischen einer Art Eisnebel gewichen. Die Nachfolgedebatte in der CSU sei „eingefroren“, bekundete er kürzlich. Doch christsoziale Tiefkühlung lässt Flexibilität zu. Denn Fragen nach seinem Abschied beantwortet der CSU-Vorsitzende derzeit weit weniger klar als vor einem Jahr: „Es zählt die Realität. Und die liegt in der Kühlbox“, entgegnete der Ministerpräsident diese Woche auf eine entsprechende Frage der Mittelbayerischen Zeitung.

CSU-Politiker schließen nichts aus

Ob Seehofer wirklich sein eigener Nachfolger werden will, weiß mutmaßlich außer Seehofer kein anderer CSU-Politiker. In Kabinett und CSU-Landtagfraktion gibt es jedenfalls keine aufgeregte Debatte. „Es wird eher beschmunzelt, weil man die Motive nicht kennt“, meint ein Mitglied der Fraktionsspitze. Doch das bedeutet keineswegs, dass Seehofer es nicht doch ernst meinen könnte. „Ich würde das jedenfalls nicht ausschließen“, sagen mehrere CSU-Politiker übereinstimmend.

Die Verbreitung dauernder Ungewissheit gehört zu Seehofers grundlegenden Instrumenten der Macht-Sicherung. Diese Woche stellte er quasi sein gesamtes 17-köpfiges Kabinett unter Vorbehalt und deutete eine mögliche Kabinettsumbildung an: „Das hängt aber alles von unserer Arbeit ab“, sagte er.

Und zum Macht-Prinzip Unsicherheit gehört ein zentraler Begriff in Seehofers politischem Wortschatz, den er in keiner Parteitags-Grundsatzrede je verwenden würde: „Knochen zum Abfieseln“. Das sind kryptische Äußerungen, an denen sich Partei und Journalisten tage- oder wochenlang abarbeiten können, ohne je die Lösung erraten zu können - wenn es überhaupt eine gibt. Denn Seehofer lässt grundsätzlich offen, ob er es ernst meint oder scherzt. Zu dieser Kategorie gehört die aktuelle Personaldebatte in der Kühlbox.

Dementsprechend gibt es in der CSU keine Gewissheit, sondern nur Mutmaßungen, was der Parteichef im Schilde führt. Die Vermutungen aber gehen bei vielen in eine einheitliche Richtung: Als wahrscheinliches Motiv häufig genannt wird Seehofers Angst vor dem Status einer lahmen Ente, in den er sich mit der Abschiedsankündigung für 2018 selbst versetzt hatte.

Denn je näher das Abschiedsdatum 2018 rückt, desto schwächer wird Seehofer werden, weil ihm die Druckmittel auf die Kollegen in der Parteispitze ausgehen. Ein Seehofer im Ruhestand kann keine Karrieren mehr befördern oder behindern. Um also seine Macht bis 2018 zu sichern, muss Seehofer so tun, als wolle er über 2018 hinaus das Heft in der Hand behalten.

Abneigung gegen Söder

Als zweites Motiv nennen mehrere CSU-Politiker Seehofers tiefe Abneigung gegen Nachfolgeaspirant Markus Söder. „Söder hat inzwischen 60 Prozent der Landtagsfraktion hinter sich“, schätzt ein Abgeordneter.

Wenn es überhaupt eine Auseinandersetzung um Seehofers Nachfolge gebe, dann nicht zwischen Söder und Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, sagen manche inzwischen - sondern zwischen Söder und Seehofer. Zugunsten Seehofers spricht, dass die CSU das Trauma des Stoiber-Sturzes 2007 und den anschließenden Verlust der absoluten Mehrheit 2008 bis heute nicht vergessen hat.

„Die CSU will keine Nachfolgediskussion“, sagen mehrere Abgeordnete. Sollte Seehofer eines Tages tatsächlich erklären, dass er 2018 antreten will, bliebe Söder nur ein sehr unpopulärer Putschversuch.

Darüber hinaus spielen möglicherweise auch persönliche Motive eine Rolle: Es ist ein offenes Geheimnis in der CSU, dass Seehofer sich selbst für den Begabtesten hält und keinem Parteifreund die Spitzenämter zutraut. Und die Aussicht auf den Ruhestand in seinem Ferienhaus im Altmühltal sei für Seehofer nicht attraktiv, sagt ein CSU-Politiker.

dpa

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