CSU-Hoch: Seehofer fühlt sich persönlich bestätigt

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Ministerpräsident Horst Seehofer

Kreuth - Nach dem jüngsten Umfrage-Erfolg der CSU fühlt sich Parteichef Horst Seehofer persönlich bestätigt. Zuletzt hatte eine Erhebung ergeben, dass die guten Werte auf die Popularität von Karl-Theodor zu Guttenberg zurückgehen. 

Lesen Sie auch:

Umfrage: Wieder absolute Mehrheit für CSU

Umfrage: CSU dank Guttenberg bei 45 Prozent

Die CSU schließt neue Bekanntschaft mit einem Gefühl, das ihr in den vier Jahren seit dem Sturz Edmund Stoibers ganz abhanden gekommen war: Begeisterung. Denn die CSU ist mit einem Umfragewert von 46 Prozent erstmals seit 2008 wieder in der Nähe der absoluten Mehrheit gerückt, wie das Bayerische Fernsehen am Mittwoch mitteilt. Als CSU-Fraktionschef Georg Schmid die Umfragezahlen bei der Winterklausur in Wildbad Kreuth im Sitzungssaal vorliest, brandet spontaner Applaus auf. Und keiner ist glücklicher als Parteichef Horst Seehofer. Ein Journalist fragt, ob er sich persönlich gestärkt fühlt. “Natürlich“, antwortet Seehofer.

Vor allem für den Koalitionspartner FDP ist die Lage nun schwierig. Die Liberalen rutschten im Vergleich zum letzten Bayerntrend vor einem Jahr um fünf Punkte ab und landeten mit nur noch sechs Prozent gefährlich nah an der Fünf-Prozent-Hürde. Seit ihrem Einzug in den Landtag tritt die FDP mit dem Anspruch auf, “Motor und Korrektiv der Landespolitik“ zu sein. Doch Seehofer will in die Geschichtsbücher eingehen als der Mann, der die CSU wieder zu alter Stärke führte. Auch für die Opposition im Landtag ist die neue Umfrage unerfreulich. Momentan deutet nichts darauf hin, dass ein Dreierbündnis von SPD, Grünen und Freien Wählern eine echte Chance hätte, die CSU aus der Regierung zu vertreiben. Die Grünen haben zwar mit 17 Prozent ein Allzeithoch erreicht und mit der SPD gleichgezogen. Die Freien Wähler würden laut der Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap aber derzeit mit vier Prozent sogar den Wiedereinzug in den Landtag verpassen. Das löst im Kreuther Sitzungssaal bei den CSU-Abgeordneten sogar den größten Beifall aus.

Seehofer führt den Wiederaufstieg der CSU auf seine erfolgreiche Arbeit zurück. “Das ist eine Bestätigung für die Arbeit der CSU unter meiner Verantwortung“, sagt er. Die Betonung liegt auf “unter meiner Verantwortung“. Und Personaldebatten soll es auch nicht mehr geben. “Wir müssen keine Personaldebatten unterbinden, keine beenden, bei uns fanden sie nie statt“, sagt Seehofer. Das stimmt nicht so ganz, denn auch in der CSU wird darüber geredet, wer denn in der Zukunft der beste Spitzenmann wäre. Einigkeit besteht lediglich darüber, dass es derzeit keine Personaldebatte geben soll. Und Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg kokettiert mittlerweile selbst mit seinen Starqualitäten.

In einem Interview mit der “Leipziger Volkszeitung“ vermied Guttenberg zu Wochenbeginn ein eindeutiges “Nein“ als Antwort auf die Frage, ob er im Herbst gegen Seehofer in einer Kampfkandidatur antreten wolle. Derzeit stelle sich die Frage nicht, sagte er. “Man könnte die Frage wirklich im September erneut stellen und dann würde möglicherweise meine Antwort ganz genauso ausfallen wie jetzt“, sagte Guttenberg. Die Umfrage sei eine “erfreuliche Momentaufnahme“, sagt er der “Passauer Neuen Presse“ (Donnerstag). Etwas enthusiastischer fällt die Reaktion des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) aus. Der ist Gast in Kreuth und hat eine klare Antwort auf die Frage, wie er auf einen Umfragewert von 46 Prozent reagieren würde: “Jubilieren!“ In der Tat hat die CSU-Spitze Mühe, die Euphorie in der Fraktion zu bremsen. “Deswegen muss man nicht übermütig werden“, mahnt Generalsekretär Alexander Dobrindt.

Seehofer aber kann sich mit Fug und Recht gestärkt fühlen. Es ist unvorstellbar, dass eine im Aufwind segelnde CSU ihren Chef austauscht. “Das ist die Kunst, dass man jetzt den perspektivischen Steigflug einleitet“, sagt Seehofer. Und warnt sich selbst mit einem Spruch, mit dem ihn einst seine Mutter ermahnte: “Wenn du meinst, es geht nur noch bergauf, kriegst du eine mit dem Hammer drauf.“ Doch gleichzeitig lässt Seehofer durchblicken, wie stolz er in Wahrheit ist: “Ich habe mit meiner Erfahrung der Partei in den vergangenen 24 Monaten enorm dienen können.“ Die Opposition aber nimmt es philosophisch: “Den Kopf über Wasser zu halten, ist eine Daueraufgabe“, sinniert Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger.

dpa/dapd

Zurück zur Übersicht: Politik

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser