Ihr Buch "Jenseits des Protokolls"

Bettina Wulff: "Darum gehe in die Offensive"

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Bettina Wulff.

Berlin - Bettina Wullf rechnet in ihrem Buch nicht mit den Medien ab. Richtig stellen will die ehemalige First Lady allerdings einiges. Ab heute kann jeder lesen, was sie beschäftigte.

Nicht viele glauben an einen Zufall, wenn Bettina Wulff ausgerechnet jetzt juristisch gegen Verleumdungen über ihre Vergangenheit vorgeht. Und genauso wenig dürfte es zufällig sein, dass ihr Buch nun früher als erwartet erscheint. Aber ein echtes Bedürfnis, dieses Kapitel hinter sich zu lassen, ist es gewiss auch. Am Ende des Buches heißt es: „Auf gar keinen Fall sollen meine Kinder mit diesen bösen Anschuldigungen über eine vermeintliche Vergangenheit im Rotlichtmilieu aufwachsen.“ Familie und Freunde sollen nicht länger leiden. „Darum gehe ich in die Offensive.“

Das Echo auf diese Ankündigung könnte lauter kaum sein. Gut sechs Monate nach dem Rücktritt von Christian Wulff vom Amt des Bundespräsidenten ist seine Frau in allen Medien präsent. Sie stellt sich in dem 200-Seiten-Buch „Jenseits des Protokolls“ als bodenständige Person dar, offen, um klare Worte nicht verlegen. „Immer wieder dieses Gerede, ich wäre luxusverliebt“, steht da etwa, oder im Kapitel über frühere Beziehungen: „Ich habe bei Männern kein festes Beuteschema.“

Bettina Wulff schreibt ausführlich über die seit Jahren vor allem im Internet verbreiteten Gerüchte. In dem gut 200 Seiten starken Buch heißt es: „Obwohl ich mich sonst bestimmt für eine starke Frau halte, die so schnell nichts aus der Bahn wirft, habe ich darüber in den Jahren so viel geheult - ich fragte mich: Warum? Warum machen die das mit mir?“

Sie schreibt über ihr Leben vor der Hochzeit mit Christian Wulff, den sie als PR-Frau auf einer Reise in die USA kennenlernt. Sie schreibt über ihren Stress als Mutter von zwei Kindern, darüber, dass „das Beziehungsleben so gut wie auf der Strecke blieb“, als Wulff Bundespräsident wurde und sie „First Lady“. Und über die Affäre um Hauskredite und Urlaubsreisen, die im Februar zum Rücktritt ihres Mannes führte. „Ich hätte ... früher das Handtuch geworfen.“

Ex-First-Lady mit Tattoo: Das ist Bettina Wulff

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Sie schreibt über die Gerüchte zu ihrer Vergangenheit, und wie sie darunter gelitten hat. „Man kann gar nicht so viel essen wie man kotzen möchte“, sagt sie über Enunziationen im Internet, die sie ins Rotlichtmilieu rückten. Noch in der Nacht seiner Wahl zum Staatsoberhaupt sei Wulff auch von einflussreichen Politikern darauf angesprochen worden, ob nicht doch etwas dran sei an den Gerüchten über das Vorleben seiner Frau. „Absoluter Quatsch“, sagt sie noch einmal zu den Unterstellungen.

Richtig spannend wird es dann aber beim Thema „Die Macht der Medien und was sie anrichten können“. Das Kapitel beginnt mit dem lapidaren Satz: „Ich habe zur Bild-Zeitung ein sehr pragmatisches Verhältnis.“ Immer, wenn irgendwo eine „Bild“ herumlag, habe sie sie gelesen, und manchmal sogar gekauft. Und sie zitiert Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner: „Wer mit der Bild-Zeitung im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten.“ Genau so ist es, schreibt Bettina Wulff. „Es ist alles ein großes Spiel, bei dem es nur ein Ziel gibt: Auflage zu machen.“

Bereits während Wulffs Zeit als Ministerpräsident in Hannover habe es einen „recht guten Draht“ zur „Bild“ gegeben. „Ganz ohne Zweifel war uns die Bild-Zeitung zu diesen Zeiten sehr wohlgesonnen.“ Bettina Wulff berichtet auch von zwei Treffen mit „Bild“- Chefredakteur Kai Diekmann plus Ehefrau, das eine vor der Wahl Wulffs zum Staatsoberhaupt in Diekmanns Haus in Potsdam, das andere kurz nach der Wahl zum Frühstück im Schloss Bellevue. Dort habe Diekmann dann plötzlich auch die Gerüchte über ihr Vorleben angesprochen. „Ich war völlig entgeistert, mir blieb fast das Brötchen im Halse stecken.“

Doch da ist es noch über ein Jahr hin bis zu jenem 12. Dezember 2011, der alles änderte. Der Anruf Wulffs auf Diekmanns Mailbox, in dem der Bundespräsident der Zeitung mit „Krieg“ drohte, sei ein „riesengroßer Fehler“ gewesen, schreibt Bettina Wulff. „Nach dem Anruf war es vorbei mit dem vermeintlich guten Verhältnis zur Bild-Zeitung. Schlagartig kippte die Stimmung und in den ersten Tagen war ich über die Massivität und die Wucht überrascht.“

Am 17. Februar ist dann alles vorbei. Wulff tritt zurück, und Bettina ist irgendwie auch erleichtert. „Ganz bewusst aber stellte ich mich ein Stück weit entfernt von Christian, um so zu zeigen: Ich bin eine eigenständige, selbstständige Frau.“ Danach fiel sie in ein großes Loch. „Ich habe mich zurückgezogen, weil ich einfach lange Zeit über meine physischen und psychischen Kräfte gelebt habe.“

Ein halbes Jahr später ist Bettina Wulff wieder da, die „Bild“-Zeitung widmet ihr den Titel und eine wohlwollende Doppelseite. Und ihre Vorwürfe gegen das Blatt werden in einem Extra-Kasten hervorgehoben. Als ob es nun wieder aufwärts geht mit dem Fahrstuhl.

Bettina Wulff kehrte am Montag von den Paralympics in London nach Hannover zurück. Dort war sie für einen Prothesen-Hersteller als PR-Mitarbeiterin im Einsatz. Auf dem Flughafen wollte sie sich nicht äußern. „Jetzt komme ich erst mal an, dann sehen wir weiter“, sagte sie. Ihr Mann Christian Wulff betonte: „Was wir erlebt haben, das ist schrecklich. Das wünscht man keiner Frau. Das ist schrecklich für eine Familie.“ Wulff holte sein Frau zusammen mit dem gemeinsamen Sohn Linus vom Flughafen ab.

Unterdessen kritisierte der Deutschen Journalisten-Verband, dass Bettina Wulff die juristischen Schritte gegen die Rotlicht-Gerüchte kurz vor Erscheinen ihres Buches eingeleitet habe. „Der zeitgleiche Verkaufsstart ihres Buches nährt den Verdacht einer PR-Kampagne mit dem Ziel, Aufmerksamkeit zu erregen“, sagte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken am Montag.

Medienforscher Jo Groebel warnte vor voreiligen Schlüssen über das Erscheinen des Buches. „Ich warne sehr davor, das eine Gerücht jetzt durch ein anderes Gerücht - nämlich das der PR-Maßnahme - zu ersetzen“, sagte Groebel dem Fernsehsender n-tv. Bettina Wulff sei moralisch auf der Anklagebank gewesen. Deshalb solle dieser Schritt jetzt als Befreiungsschlag und nicht als neue PR-Maßnahme interpretiert werden.

dpa

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