Wirbel um angebliche Großspende

Die AfD und der dubiose Baron: Ist August von Finck großer Finanzier von Weidel & Co.?

Unternehmer – und AfD-Geldgeber? August von Finck.
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Unternehmer – und AfD-Geldgeber? August von Finck.

Wie stark hängt die AfD finanziell von einem der bekanntesten  Milliardäre Deutschlands ab? Zu Berichten, wonach von August von Finck dubiose Großspenden für die AfD geflossen sein sollen, schweigen sich die Beteiligten bislang aus.

München – Alice Weidel lehnte sich weit aus dem Fenster. Die AfD, sagte sie 2017, sei die einzige deutsche Partei, die „ohne Einfluss von Klientel- und Lobbygruppen Politik macht“. Auch andere Mitglieder der Parteispitze pflegten das Saubermann-Image. Doch eben jenes Image bekommt nun Kratzer – einer schmerzhafter als der andere.

Nach den Berichten über dubiose Großspenden an den AfD-Kreisverband Bodensee, durch die Fraktionschefin Weidel in arge Bedrängnis geriet, geht es nun um die Gönnerschaft eines deutschen Milliardärs, der seit Jahren in der Schweiz lebt. Laut Recherchen des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ soll August von Finck junior, 88, die junge Partei seit ihrer Gründung 2013 mit einigem Wohlwollen beobachtet und – über verschlungene Wege – auch finanziell unterstützt haben. Hängt die AfD also am Rockzipfel eines Milliardärs?

Finck soll die Partei schon 2013 gepäppelt haben. Laut „Spiegel“ floss das Geld nicht direkt, sondern indirekt über die Kommunikationsagentur Wordstatt in München. Sie soll im großen Stil Rechnungen der AfD beglichen haben, etwa für teure Veranstaltungen – und zwar in deutlich größerem Umfang, als im entsprechenden Rechenschaftsbericht steht.

Verein steckt Millionen Euro in Werbekampagnen für die AfD

2016 kam dann ein dubioser Unterstützerverein hinzu, der sich „Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten“ nennt. Er steckt seither Millionen von Euro in Werbekampagnen für die AfD. Außerdem gibt er den rechtspopulistischen „Deutschland Kurier“ heraus, eine Gratiszeitung, die offen für die Partei wirbt. Zwar sucht die AfD-Spitze offiziell Distanz zum Verein. Aber noch im Landtagswahlkampf soll die bayerische AfD seine Hilfe in Anspruch genommen haben.

Das Bindeglied zwischen dem Verein und dem Milliardär könnte dem „Spiegel“ zufolge dessen Vermögensverwalter sein, der 74-jährige Ernst Knut Stahl. Er gilt als rechte Hand des Barons und als derjenige, der Fincks politische Interessen koordiniert. Und die Geschichte der „Engagements“ ist lang.

Finck unterstützte unter anderem auch die FPD

Finck gilt als äußerst konservativ. Schon Anfang der 90er-Jahre zitierte der „Spiegel“ einen Bankier mit den Worten: „Rechts vom Gustl steht bloß noch Dschingis-Khan.“ Seine politische Unterstützung veränderte sich im Lauf der Jahre. In den Neunzigern etwa ließ Finck dem Chef des Euro-kritischen „Bund freier Bürger“ 8,5 Millionen Mark im Geldkoffer übermitteln. Dann steckte er eine Millionensumme in den Lobbyverein „Bürgerkonvent“, der sich für Staatsabbau einsetzte. Bis heute bekannt ist die „Mövenpick-Spende“ von einer Million Euro, die Finck 2009 der FDP zukommen ließ, in mehreren Tranchen.

Zwar lebt der Baron seit etwa 20 Jahren in der Schweiz, auf dem idyllisch gelegenen Schloss Weinfelden im Kanton Thurgau. Aber er besitzt zahlreiche Immobilien, auch in München. Außerdem sitzt seine Gold-Handelsfirma „Degussa“ in München. 2010 erwarb Finck die Namensrechte. Dem „Spiegel“ zufolge soll die Firma an einem lukrativen Goldhandel beteiligt gewesen sein, mit dem die AfD in den Anfangsjahren ihr Überleben sicherte. Finck hat sich zu den möglichen Verwicklungen bisher noch nicht geäußert. Auch die AfD-Spitze schweigt bis dato.

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