Salzburger Kult-Urvogel unterwegs

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Der Waldrapp.

Salzburg - Nach 400 Jahren fliegen erstmals wieder Waldrappe in Salzburg. 16 zoogeborene Jungvögel werden jetzt ihre ersten Flugversuche starten.

In Anif, etwa 800 Meter westlich vom Zoo Salzburg, wurde ein Camp aufgebaut. Seit dem 21. Mai ziehen dort die beiden Biologinnen Daniela Trobe und Stefanie Heese die Waldrapp-Küken auf. Das Projekt wird vom Waldrappteam seit 2002 an freifliegenden Waldrappen durchgeführt.

Bekannt wurde das Team insbesondere durch die menschengeleiteten Migrationen. Dabei werden handaufgezogene Jungvögel mit Hilfe von Ultraleicht-Fluggeräten von Bayern aus um die Alpen herum bis in die südliche Toskana geführt.

Ein Vogel mit Geschichte

Daniela Trobe mit ihren Schützlingen.

Am 28. März 1578 verordnete das Erzstift von Salzburg ein „strenges Verbot des schon öfter gerügten Unfugs, aus den Häusern der Kirch- und Getraidgasse mit Büchsen auf Klausraben (alias Waldrappe) und Storchen am Mönchsberg zu schiessen“. Weiters hieß es, dass durch das Schießen „nit allein die Klausraben und Storchen aus ihren Ständen geschreckt und verringert werden, auch solches schiessen der schwachen Personen auch der schwangeren Frauen sehr gefährlich werden“ kann.

Es liegen noch weitere historische Dokumente derartiger Verbote vor, das letzte aus dem Jahre 1584. Was wie ein Erlass zum Schutz der Vögel klingt, diente wohl vorrangig dem Schutz eines von Adel und Klerus begehrten und allmählich seltener werdenden Leckerbissens. Trotz dieser Dekrete verschwand der Waldrapp bald darauf aus der Umwelt und auch weitgehend aus dem Gedächtnis der Menschen. Jetzt soll dieser exotische und eigentümliche Ibisvogel in Salzburg eine neue Chance bekommen.

Folgsame Ziehkinder

Daniela Trobe und Stefanie Heese gewöhnen die Waldrapp-Jungvögel an das Ultraleicht-Flugzeug.

Die 16 Jungvögel stammen aus den Brutkolonien der Konrad-Lorenz Forschungsstelle Grünau und des Tierpark Rosegg in Kärnten. Die beiden Biologinnen haben die Vögel im Alter von 3-8 Tagen übernommen und aufgezogen. Seit Mitte Juni werden die Vögel an ein Ultraleicht-Flugzeug des Typs Paraplane gewöhnt. Zuerst an das Gerät selbst, dann an den Motorenlärm und schließlich auch noch an den riesigen Paraschirm. Die Ziehmütter sind immer mit dabei und ermutigen Ihre Zöglinge. Bislang waren die Jungvögel sehr folgsam und lernwillig.

In den nächsten Tagen soll mit den ersten Flügen begonnen werden, anfangs nur bis zu einer benachbarten Wiese, dann immer weiter. Ziel der Übungen ist die menschengeleitete Migration über eine Strecke von 1300 Kilometer von Salzburg ausgehend östlich um die Alpen herum bis in die südliche Toskana, in ein WWF Schutzgebiet. Dort treffen die jungen Waldrappe dann auf Ihre Artgenossen, die in den vergangenen Jahren von Burghausen in Bayern aus in dieses Schutzgebiet geführt wurden. Erst nach drei Jahren, mit Eintritt der Geschlechtsreife, sollen die Vögel dann selbständig in das Aufzuchtgebiet zurückkehren, um dort zu brüten und ihrerseits dann ihre Nachkommen in das Wintergebiet zu führen.

Pressemitteilung Zoo Salzburg

Quelle: rosenheim24.de

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